Insolventer Windkraftkonzern Prokon Wie die Bafin fast mal die Anleger schützte

Windrad mit Prokon-Werbung:

Schon 2009 wusste die Bankenaufsicht Bafin von den Problemen der inzwischen insolventen Windkraftfirma Prokon. Seither steckten 60.000 Investoren eine Milliarde Euro in das Unternehmen. Warum wurden sie nicht gewarnt?

Von Oliver Hollenstein, München, und Markus Zydra, Frankfurt

Die Krise habe Deutschland nun fest im Griff, die Banken flüchteten unter den rettenden Schirm von Vater Staat. Aber zum Glück gebe es ja Alternativen. Das schrieb der Chef des inzwischen insolventen Windkraftinvestors Prokon, Carsten Rodbertus, im Februar 2009 an seine Anleger. "Nur eine Geldanlage in konkrete zukunftssichere Sachwerte bietet die Sicherheit, dass das Geld der Anleger nicht zur Bereinigung fauler Kredite oder für neue spekulative Geschäfts genutzt wird. " Eben das sei Prokon.

Was der smarte Öko-Investor damals verschwieg: Die Windkraftfirma war gerade ins Visier der Bankenaufsicht Bafin geraten und hatte offenbar immense finanzielle Probleme. Das berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf einen Briefwechsel zwischen der Firma und der Bankenaufsicht. Doch dann zeigte sich die Bafin erstaunlich nachsichtig mit dem Unternehmen - man habe nicht anders handeln können, argumentiert sie heute.

Doch die Frage ist: Hätte die Bafin die bisher größte Pleite am Grauen Kapitalmarkt in Deutschland verhindern können? Ende 2008 hatten 12 988 Anleger etwa 211,5 Millionen Euro bei Prokon angelegt. Von der Pleite im Januar sind nun mehr als 75 000 Anleger betroffen, die 1,4 Milliarden Euro investiert haben.

"Das war die Ankündigung eines Kapitalanlagebetrugs"

Die Bafin störte sich erstmals 2008 an mehreren geschlossenen Fonds, mit denen Prokon Investoren zu Anteilseignern gemacht hatte. Darin versprach die Firma ihren Eigentümern fünf bis sieben Prozent Zinsen - unabhängig davon, ob die realen Unternehmensgewinne diese Ausschüttungen erwirtschafteten. Das sei illegal und ein Geschäftsmodell, das Banken vorbehalten sei, befand die Bafin und forderte Prokon auf, diese Fonds abzuwickeln.

Doch dazu fehlte dem Unternehmen das Geld. Die Schulden seien größer als das Eigenkapital, die Windparks an die Banken verpfändet, schrieb Rodbertus laut Handelsblatt an die Bafin. "Vor diesem Hintergrund besteht für die Gesellschaft derzeit nicht die Möglichkeit, das Eigenkapital an die Kommanditisten durch Aufnahme neuer Kredite und Beleihungen von Vermögenswerten zurückzuzahlen." Im November 2008 bat er die Bafin um sechs Monate Zeit. In diesem Zeitraum würden genügend Neuinvestoren Genussrechte zeichnen, um die Altinvestoren auszuzahlen. Er kalkuliere mit einem wöchentlichen Geldzufluss von 650 000 Euro.

Rodbertus schrieb also der Bafin, dass zwar keine Bank dem Unternehmen mehr Kredite geben werde, aber er fest mit dem Geld neuer Anleger rechne. Geld also von Tausenden Kleinsparern, die an Rodbertus Vision vom gut verzinsten, grünen Investment glaubten. "Das war die Ankündigung eines Kapitalanlagebetrugs", sagt der Münchner Anlegeranwalt Peter Mattil, der die Briefe gelesen hat. "Und die Bafin hat das definitiv erkannt."