Insolvente Verlagsgruppe Weltbild will noch mehr Filialen schließen

Die Augsburger Weltbild-Zentrale Anfang des Jahres 2014 - womöglich drohen der Verlagsgruppe noch mehr Filialschließungen.

(Foto: dpa)

20 bis 30 zusätzliche Filialen der insolventen Weltbild-Verlagsgruppe könnten vor dem Aus stehen - das geht aus internen Informationen hervor, die der SZ vorliegen. Womöglich hat der Insolvenzverwalter aber noch ein Ass im Ärmel.

Von Stefan Mayr, Augsburg

Im Filialnetz der Weltbild-Verlagsgruppe sollen 20 bis 30 zusätzliche Geschäfte geschlossen werden. Dies geht aus dem Insolvenzplan der Weltbild plus GmbH hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Darin heißt es, bei der Berechnung der freien Insolvenzmasse sei "die Schließung von 30 weiteren Filialen" berücksichtigt. Dies geschehe zwar nur "höchstvorsorglich", wie die Geschäftsführer es formulieren. Doch aus gut informierten Kreisen ist zu hören, mindestens 20 Geschäfte würden zugesperrt werden.

Die Weltbild plus GmbH ist ein Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Weltbild und befindet sich seit Februar in einem Insolvenzplanverfahren. Bereits Ende April hatte sie verkündet, bis Jahresende 53 von 220 Filialen zu schließen und 293 Beschäftigte zu entlassen. Wie viele Mitarbeiter von den zusätzlichen Schließungen betroffen wären, geht aus dem Konzept nicht hervor. Die Gläubiger haben den Insolvenzplan vergangene Woche gebilligt.

An diesem Mittwoch könnte ein neuer Investor präsentiert werden

Der Mutterkonzern Weltbild hatte bereits am 10. Januar Insolvenz angemeldet. Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen, doch die Zukunft des Augsburger Medienhändlers ist derzeit unsicherer denn je. Für Mittwoch lädt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kurzfristig zu einer Pressekonferenz, über deren Inhalt er sich ausschweigt.

Dies kann zweierlei bedeuten: Entweder er hat sich mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon nach langem Hin und Her über einen Kaufvertrag geeinigt - oder aber die Verhandlungen werden endgültig für gescheitert erklärt. Mancher Beobachter erachtet Letzteres als wahrscheinlicher angesichts des Hauens und Stechens, das hinter den Kulissen zuletzt zwischen Geiwitz und Paragon tobte.

Der Burgfrieden soll Ruhe ins Geschäft bringen

Womöglich präsentiert Geiwitz am Mittwoch sogar schon einen neuen Investor. Immerhin setzte er in einer Mitteilung an die Belegschaft jüngst ein Signal in diese Richtung: "Selbst in dem Fall, dass es keinen Vertragsabschluss mit Paragon geben sollte, sind immer noch alternative Vorgehensweisen möglich", schrieb Geiwitz. Er sprach also offen von einem Plan B.

War dies nur eine Drohung Richtung Paragon? Oder eine echte Option? Offiziell teilten beide Parteien mit, Geiwitz prüfe nun ein neues Angebot von Paragon. Dieser Burgfrieden sollte vor allem Ruhe ins Geschäft bringen. Ob er auch verlorenes Vertrauen zurückgebracht hat, wird man am Mittwoch sehen. Viele der verbliebenen 2150 Mitarbeiter bezweifeln das.