Insolvente Verlagsgruppe Münchner Finanzinvestor kauft Weltbild

Gute Nachricht für die Mitarbeiter: Der Finanzinvestor will sich nicht nur die Rosinen aus dem Weltbild-Kuchen picken.

(Foto: dpa)

Bisher hat sie in Schülernachhilfe und Tiefkühlprodukte investiert, nun übernimmt die Investmentgesellschaft Paragon Partners den Weltbild-Verlag. Auch das zuletzt schwierige Katalog- und Filialgeschäft ist Teil des Paketes.

Von Stefan Mayr und Katja Riedel

Die insolvente Verlagsgruppe Weltbild hat einen Käufer gefunden: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll die Münchner Investmentgesellschaft Paragon Partners den Augsburger Verlag übernehmen. Für diesen Montagnachmittag hat die Gewerkschaft Verdi die verbliebenen 2200 Mitarbeiter zu einer Versammlung eingeladen. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz werde über das Ergebnis des Investorenprozesses informieren, heißt es. Geiwitz selbst und sein Sprecher waren am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Geiwitz' Partner Werner Schneider wollte den Namen auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Der neue Eigentümer wolle sich, heißt es, nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken - also nicht nur die Anteile am lukrativen elektronischen Lesegerät Tolino übernehmen, sondern auch das zuletzt schwierige Katalog- und Filialgeschäft. Zumindest das, was davon noch übrig geblieben ist. Um eine Lösung möglich zu machen, hatte sich die Insolvenzverwaltung zuletzt von 53 der 220 Weltbild-Filialen getrennt, 293 Mitarbeiter sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Zuvor waren bereits knapp 600 Verlagsmitarbeiter in einer solchen Gesellschaft untergekommen, die die katholische Kirche als ehemalige Eigentümerin des Verlages finanziert. Was Paragon genau mit Weltbild vorhat, ist noch unklar. Die Finanzgesellschaft verfügt nach eigenen Angaben über Eigenkapital in Höhe von gut 650 Millionen Euro, das nicht nur die drei Partner Krischan von Moeller, Marco Attolini und Edin Hadzic mitbringen, sondern das zudem aus Lebensversicherungen, Pensionskassen und Universitätsstiftungen stammt. Einer der drei Partner, Krischan von Moeller, leitete von 1999 bis 2002 die Abteilung Unternehmensentwicklung im Verlag Georg von Holtzbrinck. Partner Attolini wiederum bringt Erfahrungen im Restrukturierungsgeschäft mit. Paragon Partners investiere keinesfalls in Start-ups. "Wir investieren ausschließlich in Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell und signifikantem operativen Wertsteigerungspotenzial", sagen die Investoren über sich selbst. Und wenn man sich einmal für ein Investitionsobjekt entschieden habe, arbeite man zielstrebig auf den Abschluss hin.

Die vergleichsweise kleine Finanzgesellschaft verfügt über ein bunt gemischte Firmenportfolio und investierte zuletzt in unterschiedliche mittelständische Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz: So beteiligte sich die Gesellschaft zum Beispiel an der Nachhilfeorganisation Schülerhilfe, übernahm den Mainzer Kundendienst-Dialogspezialisten dtms und wurde im vergangenen Jahr Mehrheitsaktionär des Kühl- und Tiefkühlspezialisten Kadi AG.

Für eine Stellungnahme zu Weltbild waren die Verantwortlichen der Investmentgesellschaft am Sonntag nicht zu erreichen. Für Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wäre ein solcher Abschluss des Insolvenzverfahrens angesichts der großen Schwierigkeiten, in denen Weltbild steckt, eine Ideallösung. Die Verlagsgruppe hatte Anfang Januar Antrag auf Insolvenz stellen müssen, nachdem die kirchlichen Gesellschafter sich nicht bereit erklärt hatten, weitere 130 Millionen Euro zuzuschießen. Auch für Geiwitz wäre es ein Erfolg, nach der Zerschlagung des Drogeriediscounters Schlecker 2012 nicht ein weiteres großes Unternehmen in Deutschland abwickeln zu müssen. Ob alle noch bestehenden Filialen und Stellen erhalten bleiben können, ist ungewiss. Auch Buchhandelskonkurrenten wie Thalia oder der bisherige Weltbild-Partner Hugendubel haben zuletzt ihre Filialnetze ausgedünnt und Flächen verkleinern müssen. Sie suchen ihre Zukunft zunehmend in der Digitalisierung, im Internethandel sowie bei E-Books. Ihr größter Gegner, das haben die Filialisten gemein, ist Amazon.