Insolvente Drogeriekette Jeder zweite Schlecker-Mitarbeiter muss gehen
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Der Plan ist brutal und eine Katastrophe für die Mitarbeiter: Schlecker schließt die Hälfte seiner Filialen, 12.000 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz - nur so sieht der Insolvenzverwalter noch eine Chance, die Drogeriekette zu retten.
Es geht ums Überleben, sagt Arndt Geiwitz. Schleckers Insolvenzverwalter hat verkündet, dass die insolvente Drogeriemarkt-Kette 2500 ihrer 5410 deutschen Filialen schließt. Die Zahl werde Geiwitz zufolge auf etwa 3000 reduziert. "Das ist ein überlebensnotwendiger Einschnitt."
Die Sanierung wird brutal, noch mehr Mitarbeiter als bisher geglaubt werden mit ihrem Job bezahlen. 11.700 Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren - die Hälfte der derzeit 25.000 Schlecker-Beschäftigten. "Wir werden dazu für die betroffenen Mitarbeiter in den kommenden Wochen einen Vorschlag erarbeiten, der dies so sozialverträglich wie möglich macht", sagte Geiwitz. Der Betrieb in den verbliebenen Filialen werde allerdings regulär weitergehen, auch die Lieferungen seien größtenteils gesichert.
Erstmals nannte der Insolvenzverwalter konkrete Zahlen zur tatsächlichen Situation des Unternehmens: Schlecker habe im vergangenen Jahr einen Verlust von 200 Millionen Euro gemacht, momentan verliere die Drogeriekette geschätzte 20 Millionen Euro pro Tag. Die Lage sei schlechter als erwartet. "Die Analyse des Schlecker-Konzerns fällt in gewisser Weise dramatisch aus".
Unternehmensgründer Anton Schlecker führte die Geschäfte bisher in der Rechtsform eines Einzelkaufmanns, so dass die Pleite auch seine Privatinsolvenz bedeutet.
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Der Expansionskurs von Anton Schlecker hatte das Unternehmen seit langem überfordert. Immer mehr Filialen hatte er eröffnet, andere Ketten wie "Ihr Platz" ebenso wie ehemalige "Woolworth"-Läden übernommen. Das rechnete sich irgendwann nicht mehr. Bei der Modernisierung der Filialen war Schlecker im Januar das Geld ausgegangen. Schlecker und die Tochter "Ihr Platz" mussten Insolvenz anmelden.
"Ihr Platz" mit seinen rund 6000 Arbeitsplätzen und 650 Filialen bleibt allerdings zunächst von den harten Einschnitten ausgenommen. Auch die Schlecker-Auslandstöchter sind bislang nicht insolvent.
Das Sanierungskonzept muss spätestens Ende März zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens stehen. Danach dürfe Schlecker nicht mit Verlusten weitergeführt werden. Sonst ließen sich auch keine möglichen Investoren finden, erklärte Geiwitz. Nun werde der Insolvenzverwalter Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite für eine schnelle Einigung führen.
Mit Blick auf die zukünftige Unternehmensführung sagte Geiwitz: "Da sind alle Varianten offen." Anton Schleckers Kinder Meike und Lars hatten angekündigt, das Unternehmen nach der Sanierung weiterzuführen.
Größe als einzige Strategie
Neben Filialschließungen und Kündigungen hat das Sanierungskonzept weitere Säulen: Preise runter, Läden und Sortiment umbauen und vor allem "ein nachhaltiger Kulturwandel im Sinne der Glaubwürdigkeit des Unternehmens". Denn Schlecker hat ein massives Imageproblem. Die Läden gelten als unmodern, die Behandlung der Mitarbeiter und missglückte PR-Aktionen schadeten dem Ruf immer mehr.
So hatte Schlecker beispielsweise Anfang 2010 für Empörung unter der Kundenschar gesorgt: Die Gewerkschaft Verdi warf dem Unternehmen damals vor, Mitarbeiter entlassen zu wollen, neue Filialen zu öffnen und die Beschäftigten über eine Leiharbeitsfirma zu schlechteren Konditionen wieder einzustellen.
Geiwitz sagte, Firmengründer Anton Schlecker habe ihm gegenüber Fehler eingeräumt. Die Kette habe stets auf Wachstum gesetzt, "auf die Stärke durch Größe." Wichtige andere Belange, wie das Aussehen der Ladenlokale oder die Preisgestaltung seien derweil deutlich zu kurz gekommen.
So zeichnete sich der Niedergang schon länger ab: Bereits in den vergangenen Jahren hatte Schlecker nach und nach mehr als 1000 Läden geschlossen. Viele Probleme seien zu spät erkannt, die Restrukturierung zu spät angegangen worden, stellte der Insolvenzverwalter fest. Darüber hinaus seien "große Versäumnisse in der Unternehmensführung" festzustellen. Das Unternehmen sei "zu patriarchalisch" und "zu intransparent" geführt worden.