Insolvente Baumarktkette Praktiker bezahlte 80 Millionen Euro für Berater

35 Millionen Euro fehlten, um die Baumarktkette Praktiker vor der Insolvenz zu retten. Mehr als das Doppelte gab der Konzern seit 2011 für externe Berater aus. Eine ehemalige Großaktionärin ist sauer: "Diesem Aufsichtsrat ist es nur darum gegangen, seinen Arsch zu retten."

Wie viel Geld hätte die Baumarktkette Praktiker gebraucht, um die drohende Insolvenz abzuwenden? Einen zweistelligen Millionenbetrag. Aus dem Umfeld der Gläubiger ist zu hören, dass sich der Vorstand bis zuletzt um eine 30 bis 35 Millionen Euro schwere Finanzspritze bemüht hatte. Aber es fand sich kein Investor.

Wie viel Geld hat Praktiker in den vergangenen zwei Jahren für externe Beratungsleistungen ausgegeben? 80 Millionen Euro. Das ergaben Recherchen des Wirtschaftsmagazins Capital.

Demnach seien in den Jahren 2011 und 2012 etwa 70 Millionen Euro für Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Finanzdienstleistungen angefallen. Im ersten Halbjahr 2013 kam ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem Magazin vorliegen. Zu den größten Profiteuren der Praktiker-Krise gehörten offenbar die Wirtschaftskanzlei Freshfields sowie die Unternehmensberatungen Roland Berger, Boston Consulting Group und McKinsey. Die Praktiker AG hatte kurz vor dem Weihnachtsfest 2012 nach monatelangem Ringen mit Hilfe einer Kapitalerhöhung ihr Eigenkapital verdoppelt und noch 60 Millionen Euro eingenommen. Vergeblich.

Jetzt greift die frühere Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny die früheren Vorstände und Aufsichtsräte des Konzerns scharf an: "Diesem Aufsichtsrat ist es zwei Jahre nur darum gegangen, seinen Arsch zu retten", sagte sie. "Es gibt keinen Berater, den wir nicht hatten. Es ist unfassbar." Ihren persönlichen Verlust durch das Engagement bei Praktiker bezifferte de Krassny auf etwa 15 Millionen Euro. Das Unternehmen wollte zu dem Bericht keinen Kommentar abgeben.

Die Praktiker AG hatte zuletzt noch etwa 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie setzte drei Milliarden Euro pro Jahr um. Doch der Schuldenberg wuchs stetig. Falsche Konzepte, schnelle Wechsel in wichtigen Positionen und radikale Strategiewechsel prägten die letzten zwei Jahre des Unternehmens. Der Konzern, zu dem seit 2007 auch die Marke Max Bahr gehört, betrieb 430 Märkte in neun Ländern. Allein in Deutschland gab es 300 Filialen des auf Discount ausgerichteten Praktiker und der höherwertig angesiedelten Marke Max Bahr.

Die Suche nach Investoren für die insolvente Baumarktkette läuft derzeit. Doch mindestens 50 Praktiker-Filialen in Deutschland werden vom Insolvenzverwalter geschlossen, der Ausverkauf der Ware hat bereits begonnen. Die etwa 2500 Beschäftigten müssen jetzt hoffen, von Firmen und Gesellschaften übernommen zu werden, die in die bald leer stehenden Praktiker-Filialen einziehen werden.