Qimonda in schwerer Bedrängnis: Die Speicherchiptochter von Infineon macht eine halbe Milliarde Euro Verluste und will jetzt jeden zehnten Arbeitsplatz kappen. Die Aktie reagiert prompt - und rutscht in den Keller.
Infineon zieht einen Schlussstrich bei der verlustreichen Speicherchip-Tochter Qimonda. Der Münchner Chipkonzern verbucht die zum Verkauf stehende Tochterfirma künftig als nicht fortgeführtes Geschäft und nimmt dafür eine Milliarde Euro an Abschreibungen in Kauf.
Qimonda-Mitarbeiter mit 300-Millimeter-Wafer. (© Foto: ddp)
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Qimonda schrieb im vergangenen Quartal erneut fast eine halbe Milliarde Euro Verlust und will jetzt jeden zehnten der 13.500 Arbeitsplätze abbauen. Vorstandschef Kin Wah Loh am Dienstag verwies am Dienstag auf ein schwieriges Marktumfeld.
Radikale Einschnitte
Wo genau wie viele Stellen bei Qimonda wegfallen, ist dem Management zufolge noch nicht entschieden. "Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen gerade an", sagte ein Sprecher.
Der Chip-Spezialist greift auch sonst zu radikalen Einschnitten: Das Unternehmen zieht sich auch weitgehend aus der Entwicklung von Flash-Speichern zurück und kündigte eine erst vor einem Jahr geschlossene entsprechende Partnerschaft mit dem taiwanesischen Wettbewerber Macronix auf. So will Qimonda vom nächsten Geschäftsjahr an auf jährliche Einsparungen von 180 Millionen Euro kommen. Das Unternehmen hatte bereits die Investitionen in Forschung und Entwicklung gedrosselt und geplante Fabrik-Neubauten auf Eis gelegt.
Die Milliarden-Abschreibung bei Infineon wird notwendig, weil der Konzern Qimonda noch zu zwölf Dollar je Aktie in den Büchern stehen hat; zuletzt lag der Kurs bei knapp zwei Euro.
Noch hält Infineon 77,5 Prozent an Qimonda. Bis zur Hauptversammlung soll der Anteil auf unter 50 Prozent fallen. Findet sich kein Käufer, will Infineon seine Beteiligung als Sachdividende an die Aktionäre verschenken oder gegen eigene Aktien eintauschen. Das Speicherchip-Geschäft war unter dem Namen Qimonda vor zwei Jahren abgespalten worden.
In dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal hatte Qimonda seine Verluste zwar reduziert, allerdings weniger stark als am Markt erwartet. So sank der Fehlbetrag im Vergleich zum Vorquartal von 598 auf 482 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte.
Der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag bei 468 Millionen Euro nach 590 Millionen Euro im ersten Quartal. Der Umsatz gab von 513 auf 412 Millionen Euro nach. Qimonda leidet bereits seit mehreren Quartalen unter den drastisch gefallenen Preisen für Speicherchips.
Qimonda war erst Anfang vergangenen Jahres wieder in die Flash- Entwicklung eingestiegen und hatte sich damit ein zweites Standbein neben den DRAM-Speichern schaffen wollen.
Mehr Verlust als Umsatz
Flash-Speicher wird unter anderem in Digitalkameras zur dauerhaften Sicherung von Daten eingesetzt; DRAM wird dagegen vor allem als Arbeitsspeicher in Computern genutzt. Qimonda geht davon aus, dass die Speicherchip- Preise wieder steigen werden. Dafür gebe es bereits erste Anzeichen.
An der Börse wurde Qimonda am Dienstag abgestraft. Die Aktie verlor zeitweise knapp 16 Prozent an Wert und stand zum Mittag um 10,64 Prozent im Minus bei 2,10 Euro.
"Qimonda macht mehr Verlust als Umsatz", sagte ein Börsianer. Einen Käufer für die Infineon-Tochter zu finden sei schwierig, meinte Aktienstratege Heino Ruland von FrankfurtFinanz.
Die Infineon-Aktie legte hingegen zum Mittag um 3,19 Prozent auf 5,28 Euro zu.
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(sueddeutsche.de/AP/jkr/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
"Merke : Ein Unternehmensteil der im großen Siemens- bzw. Infineon-Verbund nicht "läuft" hat allein überhaupt keine Marktchancen."
Sorry, ich kenne leider aus dem Bekanntenkreis kleine Teile, welche aus Siemens abgespalten wurden und danach bei neuen Eigentümern aufgeblüht sind.
Siemens ist ein Bürokratiemonster, auf dem Schoß eines jeden Ingenieurs sitzt irgendwo ein Buchhalter oder Vertriebsassistent und entsprechend enorm sind die Overhead-Kosten. Damit die Preise und wenn der Markt die Preise nicht zahlt macht eine solche Sparte eben (vermeidbare) Verluste. Sogar Siemens hat es begriffen und spart mittlerweile in den Verwaltungen.
Wer natürlich versucht, einen Siemens-Teil samt Verwaltungsballast auszugliedern ohne diesen zu entschlacken, der hat leider verloren. Siemens macht qualitativ hochwertige Arbeit, leider oftmals zu hohen Preisen. Es ist übrigens der Wasserkopf, der die Preise festsetzt - nicht der Ingenieur, den ein Auftraggeber im Endeffekt einkauft.
Wenn eine Stunde Entwicklungsarbeit Deutschland laut Studie (wurde auch in der SZ zitiert) 78 kostet (=140.000 p.a.), so macht das Einkommen des Ings höchstens die Hälfte aus. Auch seine 20qm Anteil am Büro machen selbst bei 15/qm mit 3600 p.a. den Braten nicht fett.
Siemens wollte seinerzeit nicht länger in der verlustreichen Chip-Branche verweilen und gliederte die maroden Unternehmensbereiche als Infineon aus. Aus diesem , eigentlich von Anfang an in schwerem Wasser treibenden Konstrukt wurde anschließend ein noch maroderer Unternehmensteil als Qimonda ausgegliedert.
Und nun wundern sich die TOP*-Manager, dass Qimonda riesige Verluste erfährt. Wie kann das nur sein, das war für das TOP-Management wahrscheinlich nicht vorhersehbar.
Merke : Ein Unternehmensteil der im großen Siemens- bzw. Infineon-Verbund nicht "läuft" hat allein überhaupt keine Marktchancen.
Und warum macht man sowas dann trotzdem???
Na, weil einige Manager aus der dritten Siemens- bzw. zweiten Infineon Führungsriege in einem solchen Pleiteladen "Karriere" machen können. ( Wie drittklassige Schauspieler die in zunehmend kleineren Theatern stetig größere Rollen bekommen, was natürlich nicht zu Qualitätssteigerung führt.)
Man hat sich mittlerweile im Qimonda-TOP*-Management die satten Abfindungen erdient ( kein Schreibfehler, ich meine nicht verdient) und kann den Laden vor die Wand fahren lassen. Die Zeche mal wieder vorerst jeder 10-te Mitarbeiter, wer sonst?
TOP = Total Ohne Plan