Infineon-Chef Bauer über den Machtkampf, seinen Favoriten für den Aufsichtsratsvorsitz und die unrühmliche Vergangenheit des Konzerns.
"Campeon" heißt die neue Zentrale des Chipherstellers Infineon auf der grünen Wiese im Münchner Osten. Ein Wortspiel aus Campus und Infineon. In sechs "Modulen" wird geforscht, entwickelt und verwaltet. Seit Jahren geht es bei dem Konzern, der einmal eine Abteilung von Siemens war, hoch her. Extreme Ausschläge beim Aktienkurs, Missmanagement und Querelen in der Führung, Ex-Vorstände wegen Schmiergeldvorwürfen vor Gericht - und jetzt ein Kampf um den Aufsichtsratsvorsitz. Im "Kubus", dem Vorstandstrakt, sitzt Sprecher Peter Bauer, 49, und würde die Vergangenheit gerne hinter sich lassen.
"Viel Vorschuss-Lorbeeren habe ich nicht bekommen": Infineon-Chef Peter Bauer. (© Foto: getty)
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SZ: Herr Bauer, warum nur ist Infineon kein normales Unternehmen?
Peter Bauer: Die Antwort geben Sie in der Frage ja fast schon vor. Infineon hat in der Vergangenheit unterm Strich zumeist Verluste ausgewiesen und der Aktienkurs bot auch Anlass zur Berichterstattung. Wenn dazu noch "interessante" Personalien kommen, dann muss man sich nicht wundern. Allerdings hat sich das Blatt gewendet - seit über einem Jahr haben wir die Erwartungen übertroffen. Dass in diesen "normalen" Zeiten wieder der Blick auf die Vergangenheit gelegt wird, ist sicher nicht von Vorteil.
SZ: Warum zieht ausgerechnet der Chip-Hersteller Infineon die schillerndsten Manager an?
Bauer: Das kann ich für die Gegenwart nicht beantworten - derzeit versuchen wir, mit guten Ergebnissen zu überzeugen. Wenn man die nicht hat, sollte man als Manager möglichst nicht schillern.
SZ: Wen meinen Sie damit?
Bauer: Frage zurück, wen meinen Sie mit schillernd? Aber vielleicht lassen wir das besser, es führt zu nichts. Zugegeben, wenn ein Unternehmen schlechte Ergebnisse vorweist und personelle Probleme hat, wird es dafür öffentlich vorgeführt. Das ist nun mal so. Aber die Zeiten haben sich geändert. Denken Sie an die Turbulenzen auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr. Es gab kritische Berichte, auch zu meiner Person. Viel Vorschuss-Lorbeeren habe ich nicht bekommen. Dennoch, der Tenor war zumeist sachlich, und das ist dann okay. Mit der Diskussion um den Nachfolger von Max-Dietrich Kley in der Position des Aufsichtsratsvorsitzenden werden jetzt alte Geschichten aufgewärmt. Der Neuanfang ist doch längst gelungen. Wenn dies in Abrede gestellt wird, empfinden das auch unsere Mitarbeiter als ungerecht.
SZ: Und das regt Sie auf?
Bauer: Es ärgert mich. Die Mannschaft macht einen guten Job. Seit ein paar Quartalen läuft es rund und nun kommen diese Geschichten. Es tut mir leid für die Mitarbeiter, die einen ungeheuren Einsatz zeigen, sogar auf Geld verzichtet haben, um Infineon nach vorne zu bringen. Die irritiert es natürlich, wenn ihr Unternehmen wieder in der Presse steht mit Geschichten, die lange vorbei sind und mit dem aktuellen Geschäft so gar nichts zu tun haben.
SZ: Haben Sie die Querelen um den Aufsichtsratsvorsitz kommen sehen?
Bauer: Nein. Dass die Nominierung von Professor Klaus Wucherer mit seiner langjährigen Siemens-Historie für Diskussionsstoff sorgen würde, das war vorhersehbar. Aber, dass ein britischer Investor kurz vor der Hauptversammlung einen Gegenkandidaten ins Spiel bringt - das hatte ich mir nicht ausgemalt. Ist ja auch einmalig in Deutschland.
SZ: Wie wird das Duell ausgehen?
Bauer: Das entscheiden bis spätestens 11. Februar die Aktionäre. Viele große internationale Investoren werden dem Vorschlag des Aufsichtsrates folgen.
SZ: Können Sie Einfluss darauf nehmen? Bauer: Das kann, will und darf ich nicht. Als Vorstandschef suche ich mir meinen Aufsichtsrat nicht selbst aus. Die Rollenverteilung ist klar definiert.
SZ: Aber die Wahl betrifft Sie dennoch. Die rebellischen Investoren um Industriemanager Willi Berchtold wollen ja explizit einen Neuanfang bei Infineon. Wie Wucherer stehen auch Sie für das alte System.
Bauer: Ich? Warum? Was unser Vorstandsteam mit allen Infineon-Mitarbeitern - übrigens im Dialog mit dem Aufsichtsrat - geleistet hat, ist doch durchaus ein Neuanfang. Das wird ja auch von den Medien gewürdigt.
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