SZ: Wer kommt in Frage? Politiker fordern einen europäischen Champion - gegen die Übermacht der Asiaten. Eine gute Idee?

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Kley: Nein, ich denke nicht. In Europa gibt es ja im Übrigen auch nicht mehr viele Chipkonzerne. Wir schauen uns natürlich auch in Asien um.

SZ: Lässt sich die Chipbranche überhaupt in Europa halten? Asiatische Länder buhlen mit Milliardensubventionen um neue Jobs.

Kley: Die Frage der Förderung ist für die Zukunft der Chipbranche zentral. Wir brauchen mehr öffentliche Mittel, um zu bestehen. Die Forschungsförderung darf sich nicht nur auf erneuerbare Energien konzentrieren. Wir sollten nicht vergessen, dass die Chipindustrie für viele Branchen wie Autohersteller in Deutschland eine Schlüsseltechnologie ist. Am Dienstag bin ich im Bundes-Wirtschaftsministerium und werde hierauf hinweisen.

SZ: Die Hauptversammlung bietet Gelegenheit, sich von Aufsichtsrat Johannes Feldmayer zu trennen. Er ist mitverantwortlich für die illegale Finanzierung der Gewerkschaft AUB bei Siemens. Warum darf ein verurteilter Ex-Vorstand denn noch einen Milliardenkonzern kontrollieren?

Kley: Herr Feldmayer ist ein ausgezeichneter Fachmann mit großer Erfahrung. Ich übe keinen Druck auf ihn aus und denke, dass er bis auf Weiteres bleibt. Herr Feldmayer hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Damit ist es nicht rechtskräftig.

SZ: Aber er hat seine Verstrickung eingeräumt. Haben Sie daran Zweifel?

Kley: Nein, aber in dem Prozess geht es um die Frage der Strafbarkeit. Hierüber muss abschließend im Revisionsverfahren entschieden werden.

SZ: Das Gericht hat ihn doch schon wegen Untreue verurteilt.

Kley: Nochmal: Die Revision steht noch aus.

SZ: Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher nehmen Sie nicht in Schutz. Vor fünf Jahren haben Sie seine Ablösung betrieben. Nun soll er in der Bestechungsaffäre vor Gericht landen. Wird Infineon von ihm Schadenersatz fordern?

Kley: Im Fall des Falles: Ja. Das müssten wir im Interesse der Aktionäre und des Konzerns - wenn ein Urteil gefällt wird.

SZ: Als wäre das alles noch nicht genug Ärger: Infineon droht der Abstieg aus dem prestigeträchtigen Leitindex Dax. Haben Sie noch Hoffnung auf den Verbleib?

Kley: Kaum, denn wenn Sie sich die Zahlen anschauen, wird das schwer. Der Kurs müsste sich schon schnell deutlich nach oben bewegen. Aber angesichts der Hauptversammlung, die aggressiv und mit wenigen guten Nachrichten verlaufen wird, ist das kaum zu erwarten.

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(SZ vom 09.02.2009)