Produktion in den USA Apple holt Jobs zurück

Chinesische Arbeiterinnen bei Foxconn. Dort werden auch die Computer für Apple hergestellt.

(Foto: AFP)

Zurück zu den Wurzeln: Apple-Chef Tim Cook will Mac-Computer wieder in den USA produzieren lassen. So sollen auch amerikanische Arbeitnehmer vom Erfolg des Computergiganten profitieren. Eine Trendwende ist das aber nicht. Die Industrieproduktion ist globalisiert und wird es auch bleiben. Niemand von ökonomischem Verstand würde auch nur versuchen, daran etwas zu ändern.

Ein Kommentar von Nikolaus Piper, New York

Apple ist das transformative Unternehmen der Gegenwart. Seine Produkte - iPhone, iPad, Mac-Book - prägen und ändern das Leben der Menschen rund um den Globus auf eine Weise, wie sich das bis vor Kurzem niemand vorstellen konnte. Das Design wirkt stilbildend weit über die Computerwelt hinaus. Und wie die Produkte hergestellt werden, kann zum Politikum werden. Seit sich vor zwei Jahren 14 Arbeiter beim Apple-Zulieferer Foxconn in China umgebracht haben, verfolgen die Medien genau, was passiert, ehe ein iPad im Apple-Store in New York oder München landet.

Jetzt macht Apple wieder Schlagzeilen. Zum ersten Mal seit gut zehn Jahren wird das Unternehmen wieder Mac-Computer in den Vereinigten Staaten selbst produzieren. Der Chef des Unternehmens, Tim Cook, kündigte in einem Interview an, dass Apple 100 Millionen Dollar zu diesem Zweck investieren werde. Das ist nicht viel für ein Unternehmen, das 41 Milliarden Dollar Gewinn macht. Fast alle Details sind zudem unbekannt: Um welche Macs geht es, wo genau wird investiert, bei Zulieferern oder bei Apple selbst? Trotzdem könnte die Entscheidung einen Trend setzen: Industriejobs kehren nicht nur in die USA, sondern in die alten Industrieländer zurück.

Lange Zeit schien es unausweichliches Schicksal zu sein: Einfache Jobs werden aus den USA, Deutschland oder Frankreich nach China, Mexiko oder Osteuropa ausgelagert. Den alten Industrieländern bleiben Dienstleistungen und wenige Industriejobs für Hochqualifizierte. Die durchschnittlich qualifizierten Arbeiter haben keine Chancen mehr. Dieses düstere Bild hat in seiner Einfachheit nie gestimmt. Zwar wurde die Wertschöpfung globalisiert; einstige Entwicklungsländer wie Indien, Mexiko, Taiwan und vor allem China eroberten sich ihren Platz in der internationalen Arbeitsteilung. Die Lohnkosten waren dabei immer ein wichtiger Faktor, jedoch nie der einzige.

Kein massiver Rückimport von Jobs

Wie komplex die Lage ist, zeigte sich immer dann, wenn ein Unternehmen unter großem Medienrummel in die Heimat zurückkehrte. Der deutsche Plüschtier-Hersteller Steiff holte die Produktion von Teddybären aus China nach Deutschland zurück. Als Grund nannte das Unternehmen Qualitätsprobleme in China. Stihl, der schwäbische Weltmarktführer für Kettensägen, verlagerte einen Teil seiner Produktion aus Brasilien zurück, weil der Kurs der dortigen Währung zu stark gestiegen war. Auch Erwartungen der Öffentlichkeit spielen eine Rolle. Apple-Chef Cook räumte in seinem Interview ein, dass sein Unternehmen die "Verantwortung hat, Jobs zu schaffen", und das eben auch in den heimatlichen USA.

Wenn das alte Bild vom Export der Arbeitsplätze nie so gestimmt hat, dann kann jetzt auch das Gegenteil nicht richtig sein: Es wird keinen massiven Rückimport von Jobs geben. Die Industrieproduktion ist globalisiert und wird es auch bleiben. Niemand von ökonomischem Verstand würde auch nur versuchen, daran etwas zu ändern. Der Wohlstand von Hunderten Millionen Menschen hängt davon ab, dass die internationale Arbeitsteilung funktioniert. Die Jobs, die jetzt "zurückkehren", sind in aller Regel nicht die, die einst "verloren" gingen, es sind neue.

Vorbild Deutschland

China ist schon längst nicht mehr einfach ein Billiglohnland, sondern auch ein Hightech-Produzent und ein immer anspruchsvollerer Kunde. Der Wohlstand steigt und mit ihm die Lohnkosten. Damit haben auch die alten Industrieländer neue Chancen. Eines der besten Beispiele dafür ist Deutschland. Die Deutschen gelten weltweit als Vorbild: Wenn der Wille dazu da ist, kann ein Land seine Industrie halten und sogar ausbauen. Entscheidend für die Erfolge der Deutschen nach der Krise waren die traditionellen Stärken des Mittelstandes und die Bereitschaft zu Lohnzurückhaltung in den Jahren davor. Die Exportüberschüsse der Bundesrepublik sind Ausdruck der Tatsache, dass die deutsche Industrie in der Lage war, das Wachstum in China und anderen Schwellenländern gut für sich zu nutzen.

Und wenn es ein erklärtes Ziel von Präsident Barack Obama gibt, dann ist es dieses: gut bezahlte Jobs für die amerikanische Mittelklasse zu schaffen. Das geht nur, wenn die amerikanische Industrie sich, ähnlich wie die deutsche, grundlegend erneuert. Vieles fehlt dafür noch, vor allem eine Grundsatzreform der Berufsausbildung. Anderes ist schon heute nutzbar: Die Öl- und Gasschwemme gibt den Firmen die Aussicht, dass Industriestrom auf absehbare Zeit billig bleibt.

Die Nachricht von Apples 100-Millionen-Dollar-Investition passt in dieses Bild. Sie könnte ein Stück Reindustrialisierung Amerikas bedeuten.