Indiz für eine Krise Spread - ein Unwort kehrt zurück

Wenn es einen Seismografen für die Schuldenkrise gibt, dann ist es der Spread. Mehr als drei Jahre lang spielte das Wort kaum mehr eine Rolle in der Öffentlichkeit. Jetzt ist es zurück.

Von Harald Freiberger

Beim Wort "Spread" leuchten bei Kapitalmarktkennern die Alarmlampen auf. Es erinnert an die schlimmsten Zeiten der europäischen Schuldenkrise. Mehr als drei Jahre war es fast aus dem öffentlichen Wortschatz verschwunden, doch jetzt ist es zurück.

Wenn es einen Seismografen für die Schuldenkrise gibt, dann ist es der Spread. Er zeigt den Unterschied in der Verzinsung von Staatsanleihen an. Ist der Spread zwischen Deutschland und den Krisenstaaten hoch, ist auch die Krise groß. Denn Investoren lassen sich Risiko in Form eines höheren Zinses bezahlen.

Zuletzt haben sich die Spreads deutlich ausgeweitet. Bei zehnjährigen Staatsanleihen lag der Spread zu Italien am Mittwoch bei 1,37 Prozent (Jahresanfang: 0,95), zu Spanien bei 1,46 Prozent (1,13), zu Portugal bei 3,25 Prozent (1,86), zu Griechenland bei 10,93 Prozent (7,22). "Wir sind besorgt", sagte Portugals Finanzminister Mario Centeno über den Anstieg der Zinsen. Das Land stritt monatelang mit der EU über den Sparkurs, zuletzt stimmte diese dem Haushalt nur unter Vorbehalt zu.

Der Zeitpunkt, als Ruhe an der Zinsfront einkehrte, lässt sich genau terminieren: Es war der August 2012, als EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Was-immer-es-koste-Rede eine Art Garantie für die Krisenstaaten aussprach.

Was hat es also zu bedeuten, dass die Spreads sich nun ausweiten? "Die Situation ist weit entfernt von damals, als die Spreads zu Italien oder Spanien bei bis zu sechs Prozentpunkten lagen", sagt Elmar Völker, Anleihenexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Es habe mit der Ausnahme von Portugal keine Flucht aus den Peripheriestaaten eingesetzt, die Zinsen seien nicht gestiegen. Die höheren Spreads seien eine Folge davon, dass Investoren stärker zu Bundesanleihen greifen, deren Zinsen fallen. "Hauptgrund dafür sind die zunehmenden weltweiten Konjunktursorgen, man befürchtet, dass die schwächeren Staaten wieder eher Probleme bekommen", sagt Völker. Es wäre übertrieben, von einem Wiederaufflammen der Euro-Krise zu reden. Aber: "Die Investoren scheinen der Meinung zu sein, wieder die Spreu vom Weizen trennen zu müssen", sagt Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank.