Indiens reiche Unternehmer haben in der Krise viel Geld verloren. Und doch meistert das Land die Probleme erstaunlich gut. Die Erfolgsrezepte Indiens -
Da vorne wieder, vor dem Eingang zum "Signature Tower", einem Büroturm aus Stahl und Glas mitten in Gurgaon: eine Herde Wildschweine. Kaum jemand scheint sie wahrzunehmen, weder die Arbeiter mit weißen Hemdkragen, die unbeeindruckt einen Bogen um sie machen und zur automatischen Schiebetür streben. Noch die Fahrer, die ihre Herrschaften zur Arbeit gefahren haben und nun herumstehen in der staubigen Hitze Nordindiens, die Arme verschränkt, den Feierabend der Herrschaften erwartend. Die Wildschweine haben sich ihr Revier gut ausgewählt.
Alt und neu, dicht gedrängt nebeneinander: Das ist Gurgaon, die neue Stadt vor den Toren Delhis, in der fast alle großen Konzerne ihre Hauptquartiere angesiedelt haben. (© Foto: AFP)
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Es ist ein Stück getrimmter Rasen, der als Teil eines größer angelegten, aber nie realisierten Parks gedacht war. Rund um die Uhr läuft eine Sprinkleranlage, der Boden ist aufgeweicht, die rote Erde drückt durch. Eine Wonne für ein Wildschwein. Auch den Kühen, den heiligen, gefällt' s hier, sie liegen auf den Verkehrskreiseln und auf den Parkplätzen vor der "Galeria", dem Einkaufszentrum für die reichen Bewohner der nahen Wohnanlagen, die hier "Central Park", "Greenwood", "Richmond" heißen. Wer wagt schon, die Kühe zu vertreiben. Selbst Kamelen begegnet man in Gurgaon, die Wüste Rajasthans ist nicht weit. Alles ist da, alles nicht perfekt, alles durcheinander: das Heute, Gestern, Morgen.
Aus dem Nichts gewachsen
Gurgaon ist der modernste Ort Indiens, ein Spiegel der Ambitionen der aufstrebenden Großmacht. Hier haben fast alle indischen und ausländischen Konzerne ihre protzigen Hauptquartiere, die Banken, die Mobilfunkoperateure, die Outsourcer, die Autokonzerne. Hier gibt es "Ambience", eine Shopping-Mall so groß und glänzend, dass die Originale aus Amerika niemanden mehr neidisch machen. Und teure Restaurants gibt es auch - neben den Behelfshütten der Armen.
Gurgaon ist vermutlich der Ort in Indien, an dem die Folgen der Wirtschaftskrise am unmittelbarsten zu sehen sind. Die Vorstadt Delhis ist mit einer mehrspurigen Schnellstraße mit der Hauptstadt verbunden, einem neuen Expressway, der am Internationalen Flughafen vorbeiführt. Zwanzig Minuten reichen, wenn der Verkehr nicht verrückt spielt, und das tut er natürlich meistens. Bald wird die U-Bahn fertig sein, sie wird die Leiden des Wartens lindern.
Gurgaon ist in wenigen Jahren aus dem Nichts gewachsen und es bietet alles, was die neue indische Mittelschicht und die gut bezahlten "Expats", die Fachkräfte aus dem Ausland, wünschen. Menschen wie Asela Gunawardena zum Beispiel, 43, ein Manager von Nokia, geboren in Sri Lanka, ausgebildet in den USA: "Indien ist ein verrücktes Land", sagt er, "alles ist anders: die Geschäftskultur, der Arbeitsrhythmus, das Alltagsleben. Gurgaon erlaubt eine etwas sanftere Landung - halb Indien, halb Westen."
Reichtum mit "Shining India"
Gebaut hat die Stadt ein Mann fast ganz alleine: Kushal Pal Singh, Milliardär und Konzernchef von Delhi Leasing and Finance, kurz DLF, Indiens größtem Bauunternehmen. Singh profitierte von billigem Land in Gurgaon und von Steuergeschenken des Staates. Er zog Hochhäuser hoch, gleich dutzendweise, mit Swimmingpools in den Innenhöfen, abgeschottete Wohnanlagen für den wachsenden Mittelstand Delhis, der sich nach Ruhe und Sicherheit sehnte und bereit war, viel Geld dafür zu bezahlen. Massiv sind auch die Büroanlagen von DLF. Auf vielen Dächern der Stadt thront ein Neonschild der Firma, als gelte es, ein architektonisches Wunder zu feiern.
Kushal Pal Singh wurde sehr, sehr reich mit seinem Modell für "Shining India". Nichts schien seinen Aufstieg stoppen zu können. Die indische Wirtschaft expandierte im vergangenen Jahrzehnt mit Wachstumsraten von bis zu neun Prozent pro Jahr. Die Mittelschicht, Singhs Kundschaft, wurde jedes Jahr um einige Millionen größer. Bis vor einem Jahr war das so. In der Euphorie des Booms ging so manche Warnung unter.
Nun zählt der 77-jährige Baumagnat plötzlich zu den größten Verlierern der Krise. Weltweit. Laut dem US-Magazin Forbes, das gerne Ranglisten erstellt, hat Singh im vergangenen Jahr 25 Milliarden Dollar Privatvermögen verloren, das meiste an der Börse. Arm ist die Nummer fünf unter Indiens reichsten Unternehmern deshalb nicht, es bleiben ihm laut Forbes 7,6 Milliarden Dollar. Doch was für ein Absturz, welch' Trendwende in einem einzigen Jahr für einen "Maharadscha der Moderne". So nennen sie in Indien die Großindustriellen, die Ambanis, Mittals, Tatas und Singhs. Sie haben so viel Macht angehäuft wie früher die Prinzen und die Fürsten. Einige von ihnen ließen sich von derselben Gier leiten wie die Nimmersatten im Westen. Und sie finanzierten ihre Expansion auf Pump bei internationalen Banken, welche nun nicht mehr so einfach Kredite vergeben.
Im zweiten Teil: Welche Bereiche der indischen Wirtschaft leiden - und warum der Chef des Billigauto-Produzenten Tata besonders betroffen ist.
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Gysi gegen Lafontaine
gibt, daß es vor der Krise rettet oder aus der Krise holt und auf dem Weltmarkt konkurenzfähig macht?
Beispiel:
"Der junge Mann mit der flatternden Hose zum Beispiel, ..."
"Ebenso bei dem Jungen, der Brot bäckt an der Straßenecke,..."
"Aber auch der Junge mit den Blumen ..."
Und dann:
"... sie alle sind das andere Indien, das eigentliche und informelle Indien. Es rettet das Land in der Krise."
nur weil diese Schweine dunkel oder schwarz sind, sind es doch noch lange keine Wildschweine; natürlich gehören die jemandem. Es ist schlicht die Rasse, die man auch überall in den Dörfern in Nordindien sieht (Südindien kenne ich nicht)