Indien Das Drei-Euro-Smartphone

Sieht aus wie ein mehrere hundert Euro teures Smartphone, kostet in Indien aber nur einen Bruchteil.

(Foto: oh)

Die indische Regierung möchte preisbewusste und ärmere Menschen dazu bringen, sich zu vernetzen.

Von Vivien Timmler

Wer sich in Deutschland ein neues Smartphone kaufen möchte, der muss dafür durchschnittlich 395 Euro ausgeben. Hat er es auf das aktuelle iPhone abgesehen, muss er sogar fast doppelt so viel hinlegen, nämlich mindestens 750 Euro. Günstigere Modelle findet er bei Herstellern wie Samsung, Microsoft oder LG - aber so günstig wie das Modell "Freedom 251" der jungen indischen Firma Ringing Bells ist noch nie ein Smartphone auf den Markt gekommen.

251 indische Rupien, also umgerechnet 3,28 Euro, soll das Gerät kosten und ist damit preiswerter als ein Kino-Ticket für einen Bollywood-Film. Es ist mit einem vier Zoll großen Display und zwei Kameras ausgestattet, läuft mit dem Google-Betriebssystem Android - ist also auf den ersten Blick ein ganz normales, funktionstüchtiges Smartphone.

Wie kann es also sein, dass es nur einen Bruchteil dessen kostet, was andere Hersteller für die Geräte verlangen? Hintergrund ist das Bestreben des indischen Premierministers Narendra Modi, einen Großteil der 1,3 Milliarden Einwohner des Landes miteinander zu vernetzen. "Ich träume von einem digitalen Indien", sagte er vor einigen Monaten.

Um Menschen miteinander zu vernetzen, sind Smartphones bekanntlich ein probates Mittel. Das Problem jedoch: Viele Inder scheinen nicht das Bedürfnis zu verspüren, ein solches Gerät zu besitzen. Nur etwa 220 Millionen der 1,3 Milliarden Inder besitzen ein Smartphone, viele von ihnen bevorzugen nach wie vor einfache Mobiltelefone.

Hinzu kommt, dass Inder als extrem preisbewusst gelten. Die indische Regierung hat darum die Firma Ringing Bells mit staatlicher Finanzhilfe unterstützt. Deren Höhe ist zwar nicht bekannt, anders wäre ein derart niedriger Verkaufspreis jedoch nicht möglich.

Die Herstellungskosten des Geräts sollen bei etwa 20 Euro liegen. Lässt man die Zuschüsse des indischen Staates mal unberücksichtigt und bedenkt, dass Hersteller die Smartphones in der Regel für das Drei- bis Vierfache der ursprünglichen Produktionskosten auf den Markt bringen, dann ergäbe sich für das "Freedom 251" bereits ein Preis von etwa 80 Euro. Es wäre vergleichbar mit Modellen wie dem Microsoft Lumia 535 (ab 85 Euro) oder dem Motorola Moto E (ab 100 Euro). Die schneiden zwar im Vergleich mit anderen Smartphones schlecht ab, ermöglichen es den Herstellern aber, mit den Geräten auch ärmere Bevölkerungsschichten zu erreichen - was auch das Bestreben der indischen Regierung sein dürfte.

Ob sie es schaffen wird, mit dem Billig-Smartphone mehr Inder von einem Kauf zu überzeugen, gilt jedoch als unklar. In der Vergangenheit waren bereits Experimente mit einem staatlich subventionierten Billig-Kleinwagen und einem Billig-Tablet gescheitert - die Nutzer sollen mit der Qualität schlicht und einfach nicht zufrieden gewesen sein. Der Preis ist eben doch nicht alles.