Die US-Immobilienkrise ist derart ernst, dass der Ruf nach einem Eingreifen des Staates immer lauter wird: Roosevelts Rezepte werden wieder salonfähig.
Notenbanker sind keine Experten für soziale Fragen. Umso mehr fällt der dringliche Ton auf, mit dem Ben Bernanke, der Präsident der Federal Reserve, von den amerikanischen Banken Hilfen für bedrängte Hausbesitzer verlangt.
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Es reiche nicht, dass die Geldverleiher ausgewählten Krisenopfern bei den Zinsen entgegenkommen, sagte er. Sie müssten auch auf einen Teil der Schuld verzichten. Die Regierung müsse auch gefährdete Hypotheken stärker als bisher garantieren. Die Lösung der Krise wird zur Aufgabe der Steuerzahler.
Die Kredit- und Hypothekenkrise ist in eine neue Phase eingetreten. Alle Notmaßnahmen kreisten bisher um den Zins: Die Federal Reserve lockerte die Geldpolitik in großem Tempo; die nächste Zinssenkung ist für den 18. März zu erwarten.
Aktion "Hope Now"
Im Verbund mit der Europäischen Zentralbank pumpte sie Liquidität in die Wirtschaft, um eine Kreditklemme zu verhindern. Der amerikanische Finanzminister moderierte die Aktion "Hope Now", in der namhafte Hypothekenbanken ihre Zinsforderungen für einige gefährdete Hauseigentümer strecken.
Das hat die Krise bisher nicht entschärft. Deren Herd sind Hypothekenkredite von möglicherweise bis zu einer Billion Dollar, die notleidend zu werden drohen, weil sich die Hauseigentümer Zins und Tilgung nicht mehr leisten können. Die Hypotheken wirken wie Giftmüll, der den Rest der Wirtschaft kontaminiert, solange er nicht beseitigt wird. Besonders dringlich ist dabei das Problem des "negativen Vermögens" geworden.
Viele Familien hatten in Erwartung immer weiter steigender Preise Häuser mit niedrigem oder gar keinem Eigenkapital erworben. Seit die Spekulationsblase platzte, ist bei den meisten der Wert ihres Hauses unter die Schuldsumme gesunken. Ein Zehntel aller amerikanischen Hausbesitzer hat inzwischen negatives Vermögen, doppelt so viel wie vor einem Jahr.
Die Lage wird immer ernster für die betroffenen Familien, aber auch für Banken in aller Welt, die hypotheken-infizierte Wertpapiere aus Amerika gekauft haben. Der Princeton-Ökonom Alan Blinder - er war viele Jahre bei der Notenbank - befürchtet einen "Tsunami" an Zwangsversteigerungen mit katastrophalen Folgen für die Wirtschaft.
Dies ist der Hintergrund, vor dem Bernanke nach dem Staat ruft. Die Regierung soll die Grundlage dafür schaffen, dass die Banken im wohlverstandenen Eigeninteresse auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten und die Familien in ihren Häusern lassen. Manche gehen aber noch weiter.
Die Bank of America schlug in einem vertraulichen Brief an Kongressabgeordnete die Gründung eines Staatsunternehmens vor, das gefährdete Hypothekenkredite kauft, die Hausbesitzer rettet und den Banken das Risiko abnimmt. Mehrere Ökonomen, darunter Alan Blinder, denken ähnlich.
Verblüffend an diesen Vorschlägen ist vor allem, dass sie bis aufs Haar jenen Maßnahmen gleichen, mit denen Präsident Franklin D. Roosevelt einst während der Weltwirtschaftskrise den Hauseigentümern zu Hilfe kam: Seine Home Owners Loan Corporation (HOLC) nahm bedrängten Familien ihre überteuerten Hypotheken ab und ersetzte sie durch neue, die sie sich leisten konnten.
Bis vor kurzem wäre eine Kopie dieser HOLC in Amerika undenkbar gewesen. Präsident Roosevelt wurde in Politik und Wirtschaft eher wie der Leibhaftige behandelt; sein Staatskapitalismus galt vielen, oft zu Recht, als Ursache etlicher Probleme, die Amerika später plagen sollten. Doch jetzt sind seine Rezepte plötzlich wieder salonfähig - nichts zeigt besser, wie sehr die Krise das Klima in den Vereinigten Staaten verändert.
Der Ruf nach dem Staat ist gefährlich. Würde die Regierung Kredite garantieren oder aufkaufen, hülfe sie ja nicht nur armen Familien, sondern auch zahllosen Spekulanten; deren Verluste würden sozialisiert, nachdem sie zuvor ihre Gewinne privatisiert hatten - ein fatales Signal für die Finanzmärkte.
So ein Schritt ist nur zu rechtfertigen, wenn nicht einfach eine Rezession, sondern eine unkalkulierbare Krise des Finanzsystems droht. In den vergangenen Tagen sah es so aus, als sei genau dies der Fall.
(SZ vom 10.03.2008/hgn)
zahlt letztendlich auch unsere Oma mit Sparbuch
Ich hätte der Oma ihr Sparbuch schon lange aufgelöst; Wenn sie in Pflege kommen sollte, was keiner hofft !!; dann kommt der staatliche Vormund und das Geld ist sowieso weg.
Also gibt die Oma das Geld nicht den Kindern, sondern den Enkelchen, dort ist es vor dem enteignenden Staat noch einigermaßen sicher.
kölnalove:
Somit wird die Weltwirtschaftskriese auch bei uns ankommen und auch das politische Gesicht Europas und der Bundesrepublik verändern. Vielleicht kommt irgendwann wieder der alte Grundsatz zum Vorschein: Gib nur das Geld aus, was du wirklich hast.
Die TpMs haben das schon lange gemerkt und schauen das sie noch ein grosses Stück vom Kuchen abbekommen.
kölnalove:
Gib nur das Geld aus, was du wirklich hast.
Das ist falsch. Gib das Geld aus, nimm Kredite auf, mache richtig Schulden, gehe anschließend in Insolvenz. Die Politik wird dir mittels Steuerzahler helfen wie den insolventen Landesbanken.