Immobilienboom Europa baut so viel wie seit sieben Jahren nicht

Niedrige Zinsen, hohe Investitionen: Die Produktion im EU-Baugewerbe ist auf den höchsten Wert seit Sommer 2010 gestiegen, meldet die Behörde Eurostat. In Deutschland ist der Aufschwung besonders kräftig.

Von Benedikt Müller

In der Europäischen Union wird so viel gebaut wie seit sieben Jahren nicht. Die Produktion im Baugewerbe ist im Februar 2017 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen, auf den höchsten Wert seit Sommer 2010. Das meldet die Behörde Eurostat. Demnach hat die Bautätigkeit sowohl bei Straßen und Brücken als auch im Hochbau deutlich zugenommen. Einen besonders starken Aufschwung erlebt die Bauwirtschaft in Slowenien, Ungarn, Schweden und Deutschland. Dort hat die Bautätigkeit binnen Jahresfrist um mehr als zehn Prozent zugelegt. Starke Rückgänge verzeichnet die Branche indes in der Slowakei, in Tschechien und Polen.

Aufgrund der niedrigen Zinsen legen derzeit viele Investoren Geld in Immobilien an; Privatleute können günstige Baukredite aufnehmen. Zudem investieren die EU und ihre Mitgliedsstaaten verstärkt in die Infrastruktur. So kommt es, dass Baufirmen und Handwerker etwa in Deutschland so stark ausgelastet sind wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Für das laufende Jahr erwarten 96 Prozent der hiesigen Bauunternehmer gleich bleibende oder weiter steigende Umsätze, zeigt eine Befragung der Firma Bau Info Consult.

Im anhaltenden Boom steigen auch die Kaufpreise für Immobilien in Europa. Einzig in Spanien und Italien sind Häuser im Schnitt mehr als zehn Prozent günstiger als im Jahr 2010. In diesen Staaten leiden die Banken bis heute unter faulen Krediten aus dem Boom vor der Finanzkrise.