Immobilien für Flüchtlinge Die Zeit der Zelte ist vorbei

Hütten von "Better Shelter" in Äthiopien: Auch in Deutschland baut die Firma feste Unterkünfte für Flüchtlinge.

(Foto: Åsa Sjöström/IKEA Foundation)
  • Durch die zahlreichen Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, steigt der Druck auf den Immobilienmarkt.
  • Das widerum fördert innovative und teilweise sehr ungewöhnliche Ideen für die Unterbringung.
Von Lea Hampel und Pia Ratzesberger

Alle Uhren stehen auf halb sechs. Dabei ist es in den Städten, zu denen diese Zeit gehören soll, eigentlich schon später. Kabul, Asmara, Grosny und Damaskus steht unter den Uhren, die in der Lobby des "Grandhotel Cosmopolis" im Augsburger Springergässchen hängen. Viele der Menschen, die jetzt hier wohnen, sind aus den Ländern gekommen, in denen diese Städte liegen. Sie haben sich wie viele Hunderttausend andere im vergangenen Jahr auf den Weg nach Deutschland gemacht - und sind, mit viel Glück, in einer besonderen Flüchtlingsunterkunft gelandet: In einem Gasthaus für Asylbewerber und Hotelgäste zugleich.

Derzeit gibt es immer mehr ungewöhnliche Unterkünfte in Deutschland. Denn durch die zahlreichen Menschen, die herkommen, entsteht zwar einerseits mehr Druck auf den Immobilienmarkt. Andererseits fördern sie Innovationen, denn Wirtschaft und Gesellschaft finden kreative Lösungen und zunehmend langfristige. Eine Übersicht.

Festere Zelte

Eine Idee war so naheliegend, dass sie gleich mehrere Menschen hatten: Flüchtlingszelte, die nicht wie die Standardmodelle der Hilfswerke gleich groß sind, nur einige Monate halten und weggeworfen werden. Sondern moderne Konstruktionen, flexibel anpassbar an Gruppengrößen und Klima. Unter anderem haben solche Zelte der Hamburger Künstler Daniel Kerber mit "morethanshelters" und das schwedische Unternehmen "Better Shelter" entworfen. Letzteres hat 2009 als studentisches Projekt begonnen - bis sich die jungen Schweden die Ikea-Stiftung zur Unterstützung holten.

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Seitdem stellt die Firma monatlich rund 2500 Zelte her, die unter anderem höher sind als die Standardzelte und eine Tür haben: In die Zelte muss man nicht kriechen, man kann hineingehen. Denn Würde spielt eine wichtige Rolle. Mittlerweile gehen die Zelte zum Beispiel an das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, sie stehen in Deutschland und der Schweiz. Bis zu drei Jahre sollen sie halten. Das liegt weit über dem Standard bisheriger Zelte - doch durchschnittlich, rechnet eine Sprecherin von "Better Shelter" vor, wohnen Flüchtlinge 17 Jahre in Lagern - da sind drei Jahre nicht viel.

Häuser aus Holz

Weil in Deutschland Zelte ausgingen und der Winter nahte, setzen Kommunen nun auch auf Holzhäuser. Der Heimbetreiber "Fördern und Wohnen" etwa bietet zwei Varianten an. Zum einen Hütten, die für Erstaufnahmeeinrichtungen gedacht sind und Zelte ersetzen. Das sei aber nur eine "Notlösung für eine Übergangszeit", sagt Sprecherin Susanne Schwendtke. Zum anderen Pavillondörfern, die sich langfristig eigneten: Ein Haus besteht aus vier Wohnungen mit je drei bis vier Zimmern, solche finden sich unter anderem in Hamburg. Die Häuser gelten als gute Alternative zu Containern, die oft ausverkauft oder entsprechend teuer sind. Holz vermittelt zudem ein anderes Wohngefühl als Metall. Vielleicht könne die Kommune die Häuser hinterher sogar verkaufen, sagt Schwendtke. Denn Langfristigkeit gewinne bei den Behörden an Bedeutung.