Immobilien-Blase Einfach zu viel Geld

In Europas Großstädten steigen die Immobilienpreise. Wenn sie erst einmal fallen, wird das zum Problem - für verschuldete Käufer und Banken. Die nächste Entscheidung der EZB könnte die Immobilienmärkte weiter anheizen.

Ein Kommentar von Björn Finke, London

Geld verdienen wie im Schlaf: Wer vor einem Jahr für 300 000 Euro eine schmucke Reihenhaus-Hälfte in einer britischen Gemeinde kaufte, ist nun um 33 000 Euro reicher. Zumindest auf dem Papier. Die Immobilienpreise legten in den vergangenen zwölf Monaten um elf Prozent zu, so schnell wie seit sieben Jahren nicht mehr. Das zeigen am Dienstag veröffentlichte Statistiken. In London zogen die Preise sogar doppelt so stark an wie im Landesschnitt. Schön für die Hausbesitzer, doch Notenbanker sind beunruhigt. Mark Carney, Chef der Bank of England, brandmarkte den Immobilienmarkt bereits "als größtes Risiko" für einen nachhaltigen Aufschwung.

Zu Recht: Die Entwicklung ist ungesund, es besteht die Gefahr, dass sich wieder eine Blase auf dem Häusermarkt bildet. Das letzte Mal, als so eine Blase platzte, standen in der Folge Banken weltweit am Abgrund, Staaten mussten sie mit Milliarden und Abermilliarden retten - es waren faule Hypotheken und aufgeblähte Hauspreise, welche die Finanzkrise auslösten. Und die Gefahr einer Blase ist nicht auf das Königreich begrenzt. Auch in deutschen Großstädten wie München steigen die Preise in ungeahnter Geschwindigkeit. Normalverdienern fällt es da schwer, sich halbwegs zentral ein Familiendomizil zu leisten.

Dies sind die unerwünschten Nebenwirkungen einer heilsamen Therapie: Die Notenbanken überfluten die Finanzmärkte schon seit Jahren mit billigem Geld, und die Zinsen liegen auf Rekord-Tiefstständen. So wollen die Währungshüter Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Einkaufsbummel anregen - das soll die Konjunktur in Schwung bringen. Außerdem macht diese Politik angeschlagenen Banken und überschuldeten Regierungen das Leben leichter.

Zumindest in der Euro-Zone wird die Geldflut so schnell nicht versiegen; die Europäische Zentralbank wird die Zinsen an diesem Donnerstag vermutlich sogar senken. Das wird die Immobilienmärkte in prosperierenden Metropolen wie London oder München weiter anheizen. Denn viele Investoren flüchten in scheinbar sicheres Betongold - die niedrigen Zinsen machen Anleihen unattraktiv, zugleich schürt die Politik der Notenbanken die Angst vor Inflation. Da legt man überzählige Euros doch lieber in Sachwerten an.

Blasen haben die unangenehme Eigenschaft, zu platzen

Zum Risiko für die Volkswirtschaft wird der Immobilienboom durch die Hypotheken. Stetig steigende Preise verführen dazu, Häuser mit wenig Kapital und viel Kredit zu kaufen - schließlich sinkt der Grad der Verschuldung automatisch, wenn die Preise weiter anziehen. Blasen haben allerdings die unangenehme Eigenschaft, irgendwann zu platzen, und leider ist es selbst für Fachleute unmöglich, mit Sicherheit zu sagen, wann es so weit sein wird. Klar ist jedoch: Wenn die Preise erst einmal fallen, haben hochverschuldete Käufer ein Problem. Und das wird ganz schnell zum Problem für die Banken, die ohnehin noch von der letzten Finanzkrise geschwächt sind. Dies erklärt die Sorge von Notenbankchef Carney.

Die betroffenen Regierungen sollten daher alles tun, um den heiß gelaufenen Immobilienmarkt abzukühlen. Zum Wohle der Wohnungssuchenden und für die Stabilität der Volkswirtschaft. Hier kann es aber nicht um krude planwirtschaftliche Instrumente wie Preisobergrenzen gehen. Doch die Städte mit den rasantesten Zuwächsen sind naturgemäß jene, in denen Wohnraum tatsächlich knapp ist und deren Einwohnerzahl zunimmt. Wen es beunruhigt, dass Londons Hauspreise in einem Jahr um ein Fünftel gestiegen sind, sollte im Großraum London mehr Industriebrachen als Bauland ausweisen und Planungsregeln vereinfachen.

Zugleich sollten Politiker alles meiden, was den Boom anheizen könnte. Die britische Regierung hat diese Maxime komplett missachtet und wurde dafür von der EU-Kommission zu Recht gerügt: Die Brüsseler Behörde kritisiert ein Bürgschaftsprogramm, das die konservativ-liberale Koalition aufgelegt hat. Dank dieser Staatshilfe müssen Hauskäufer nur fünf Prozent des Preises als Eigenkapital einbringen. Den Rest gibt es als Hypothek.

Um die Risiken für die Banken zu verringern, bürgt die Regierung für 15 Prozent des Preises. Dieses Programm ändert nichts am knappen Wohnungsangebot, ermuntert aber noch mehr Bürger, mit waghalsigen Krediten Immobilien zu erwerben. Es treibt die Preise also weiter in die Höhe. Der Regierung wird das bewusst gewesen sein, allerdings siegt ein Jahr vor den Parlamentswahlen offenbar der Wunsch, Wahlkampfgeschenke zu verteilen, über ökonomische Vernunft.

Platzt die Blase, ist das Geschrei wieder groß. Aber dann sind die Wahlen ja vielleicht schon gelaufen.