2014 im Rückblick Weltmärkte am Tropf

2014 war auch das Jahr der Börsen-Rekorde.

(Foto: AP)
  • 2014 war das Jahr einiger wichtiger Entwicklungen an den Finanzmärkten.
  • Aktienindizes erreichten Rekorde in aller Welt; der Ölpreis sank so stark wie lange nicht; und Staaten mit Schulden zahlten so wenige Zinsen wie noch nie.
  • Ein Überblick.
Von Jan Willmroth und Markus Zydra

Es gibt Jahreschroniken, die einfach nur erscheinen, weil das Jahr zu Ende geht. Es gibt aber auch Jahre wie 2014, in denen an den Finanzmärkten so viel Wichtiges passiert, dass am Ende auf jeden Fall eines fehlt: der Überblick. Es war ein Jahr der Rekorde, in dem Aktienindizes in aller Welt Höchststände erreichten. Der Preis für Rohöl, noch immer der wichtigste Rohstoffpreis der Welt, fiel in der zweiten Jahreshälfte so stark wie lange nicht. Die europäischen Krisenländer zahlten für ihre neuen Schulden so wenig Zinsen wie noch nie - obwohl doch alle davon sprechen, die Euro-Krise sei noch nicht vorbei. Diese Entwicklungen zählen zu den bedeutendsten, sie werden auch nach dem Jahreswechsel das Geschehen an den Finanzmärkten bestimmen.

Billiges Öl

Das Jahr begann in einer Weltwirtschaft, die sich längst an hohe Ölpreise gewöhnt hatte. Drei Jahre lang war der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent nicht unter die 90-Dollar-Marke gesunken. Die meiste Zeit kostet Öl sogar deutlich mehr als 100 Dollar pro Barrel. Noch im Frühjahr klangen die Schlagzeilen und Experteneinschätzungen ganz anders als heute: Großes "Aufwärtspotenzial" oder gar ein "Steigflug" wurde dem Ölpreis da bescheinigt.

Was dann aber folgte, war ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie unbrauchbar Bank-Prognosen sein können. Von Commerzbank bis UBS sagte in einer Umfrage im Januar keines von 21 Finanzinstituten Ölpreise unter 95 Dollar voraus. Dann kamen der Ukraine-Konflikt und der Vormarsch des Islamischen Staats im Irak und in Syrien - und allerorts Warnungen: wenn sich solche Konflikte zuspitzen und Russland als der (noch) größte Ölförderer der Welt einen Krieg gegen die Ukraine führen sollte, seien steigende Preise zu erwarten. Im Mai häuften sich die Berichte über Förderkürzungen des Öl-Kartells Opec; Verbraucher wurden gewarnt, sie sollten nicht zu lange mit dem Heizölkauf warten, weil die Preise bis zum Jahresende enorm steigen könnten.

Wenige Wochen später begann der Absturz: Innerhalb weniger Monate halbierte sich der Preis für ein Fass Rohöl; kurz nach Weihnachten kostete Nordsee-Öl nur noch 59 Dollar pro Barrel. Dank des dortigen Fracking-Booms stieg die Ölproduktion der USA schneller als erwartet. Die weltweite Ölnachfrage entwickelte sich schwächer, als es von vielen prognostiziert wurde - und trotz der fallenden Preise verzichtete die Opec dann auf Förderkürzungen. Gleichzeitig kommt Öl als Energieträger mit der Zeit aus der Mode. "Der Anteil von Erdöl am weltweiten Energiemix ist seit der Ölkrise 1973 kontinuierlich rückläufig, auch wenn der absolute Erdölkonsum weiter angestiegen ist", sagt Marc Bettzüge, Professor für Energiewirtschaft in Köln. Schneller noch als der Konsum stieg in jüngster Zeit allerdings das Angebot. Wie lange wird Öl nun so billig bleiben? Fallen die Preise gar weiter? Vorhersagen lässt sich das wohl kaum.

Im Griff der Notenbanken

Eine andere Prognose war allerdings recht präzise zu treffen: Wichtiger noch als der Ölpreis sind für die Finanzmärkte inzwischen die Notenbanken. Es war in der letzten Pressekonferenz des Jahres im Dezember, da sprach Mario Draghi diese nicht unbedeutenden Worte: "Wir haben in dieser EZB-Ratssitzung den Ankauf von allen möglichen Vermögenswerten diskutiert - alles, außer Gold", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Lage muss sehr ernst sein, wenn eine Notenbank darüber sinniert, Aktien, Staatsanleihen und Unternehmens-Schuldscheine aufzukaufen. Tatsächlich stagniert das Wachstum in der Euro-Zone, und Draghi fürchtet eine gefährliche Deflation. Dagegen möchte er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen. Gerade der Ölpreis könnte das noch schwieriger machen: Fällt er weiter, verstärkt das die Gefahr einer Deflation.