Von Von Sibylle Haas

Der bisherige Besitzer der Fluggesellschaft Germania schickt die anderen ins Rampenlicht - um dann als Macher im Verborgenen die Geschicke ganz nach seinem Sinn zu richten.

Um Etikette schert er sich wenig. Hinrich Bischoff ist es egal, wie er irgendwo auftaucht. Sein Markenzeichen sind Pullover und Polohemd, seine Attitüde ist Bescheidenheit.

Hinrich Bischoff sitzt bei der dba künftig mit am Steuerknüppel. (© Foto: dpa)

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Der scheue Mann schickt die anderen ins Rampenlicht, hält sich selbst am liebsten zurück - um dann als Macher im Verborgenen die Geschicke ganz nach seinem Sinn zu richten.

Dieser Eigenschaft verdankt er viel. Denn von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hat Bischoff seine Luftfahrt-Firma Germania aufgebaut und viele Konkurrenten das Fürchten gelehrt: Er flog den Beamten-Shuttle von Bonn nach Berlin, stieg ins Geschäft mit Urlaubsflügen ein, verkaufte Billigtickets auf innerdeutschen Flügen.

An diesem Samstag wird Bischoff 69 Jahre alt. Und gerade rechtzeitig hat er es geschafft, sein Imperium zu vergrößern: Er wird Mehrheitseigner der DBA. Jener Fluggesellschaft, die vor mehr als zehn Jahren von British Airways als Konkurrenz zur Lufthansa gegründet wurde, die aber nie profitabel war.

Zu Hause geblieben

Erst seit im Sommer 2003 der Nürnberger Textilunternehmer und begeisterte Pilot Hans Rudolf Wöhrl die damals marode Fluggesellschaft übernahm, steuert die DBA in Richtung Gewinn. Bischoff hat den Einstieg bei der DBA jetzt ganz nach seiner Art von Wöhrl verkünden lassen. Er selbst blieb in Berlin, dem Sitz der Germania.

Der freundliche Herr, der wichtige Papiere in einer Tasche umherträgt, die einem ländlichen Tierarzt gehören könnten, gilt in der Branche als harter Rechner.

Er zahlt niedrige Gehälter und hat es bisher geschafft, die Gewerkschaften nicht ins Unternehmen zu lassen. Die Folge sind niedrigere Kosten im Vergleich zur tarifgebundenen Konkurrenz.

Auf diesem Weg verdient Bischoff gut daran, Flugzeuge - derzeit mehr als 40 - samt Besatzung an Luftfahrt-Firmen zu vermieten, die sich an teure Tarifverträge halten müssen. Dazu gehört auch die DBA.

Von Erfurt nach West-Berlin

Der gebürtige Erfurter wechselte, nachdem der väterliche Betrieb, eine Samen- und Pflanzenhandlung, in der DDR enteignet wurde, in den fünfziger Jahren nach West-Berlin, studierte Jura und promovierte auch.

1978 übernahm Bischoff die Fluggesellschaft SAT (Special Air Transport) und gründete Jahre später die Germania Fluggesellschaft. 1991 war Germania eine der ersten westdeutschen Fluggesellschaften mit Sitz in Berlin. Das Personal kommt deshalb in erster Linie von der damaligen Fluggesellschaft der DDR, Interflug. Noch heute stellen diese Mitarbeiter das Stammpersonal der Germania.

Dem Osten Deutschlands verbunden

Auch privat ist Bischoff dem Osten Deutschlands verbunden. Der frühere Leichtathlet kümmert sich um ehemalige Leistungssportler aus der DDR, die in Not geraten sind. Nach dem Fall der Berliner Mauer hat er das Gestüt Görlsdorf vom Land Brandenburg übernommen und hergerichtet. Er besitzt darüber hinaus eine ganze Reihe von Hotels, viele davon an der Ostsee.

In der Kunstszene gilt er als Sammler und Freund alter flämischer Meister. In der neuen Gemäldegalerie in Berlin gibt es eine Ehrentafel mit den Namen der Mäzene, die das Museum seit Gründung unterstützt haben. Seit 1999 ist auch Hinrich Bischoff auf dieser Tafel verewigt.

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(SZ vom 18.03.05)