Ikea: Steuerflucht und Leiharbeit Billig abkassiert

Ist Ikea ein Trendsetter bei Steuerflucht und Missbrauch von Leiharbeitnehmern? Verdi befürchtet das, doch die Möbelkette bestreitet diesen Vorwurf.

Von Sibylle Haas und Gunnar Herrmann

Die Gewerkschaft Verdi erhebt schwere Vorwürfe gegen die schwedische Möbelkette Ikea. Das Unternehmen betreibe "organisierte Steuerflucht" und drücke die Personalkosten über Leiharbeit, sagten deutsche Gewerkschaftsleute am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung. Am Dienstag hatte das ZDF-Magazin Frontal 21 entsprechend berichtet.

"Ikea bedient sich der legalen Steuertricks", sagt Verdi-Ökonom Dierk Hirschel. So vergebe die niederländische Ikea-Muttergesellschaft "massiv" Kredite an die deutschen Töchter. Die hierzulande anfallenden Schuldzinsen seien steuerlich absetzbar. Auch die Lizenzgebühren, die jedes deutsche Ikea-Möbelhaus an die Muttergesellschaft zahle, könnten von der Steuer abgesetzt werden. Steuermindernd gestalte der Konzern auch seine Expansion nach Osteuropa. Die deutsche Ikea-Tochter sei an vielen osteuropäischen Möbelhäusern beteiligt und könne daher den Investitionsaufwand geltend machen.

Hirschel räumt ein, dass dies bei vielen Unternehmen üblich sei, doch Ikea nutze auf "aggressive Art und Weise die Steuertricks. Das ist wirklich optimiert." Mehrere Millionen Euro gingen auf diesem Weg dem deutschen Fiskus verloren. "Hier hat die Politik versagt", kritisiert Hirschel.

Keine Pflicht zur Bilanzierung

In der Ikea-Zentrale in Älmhult weist man die Vorwürfe von "organisierter Steuerflucht" zurück. "Der Ikea-Konzern zahlt weltweit in jedem Land die gesetzlichen Steuern, natürlich besonders auch in Deutschland, dem größten Markt, beträchtliche Summen", heißt es in einer Stellungnahme.

Wie hoch die Summen genau sind, lässt sich schwer schätzen: Da der Familienkonzern Ikea nicht an der Börse notiert ist, müssen keine Bilanzen veröffentlicht werden. Freiwillig macht das Unternehmen Angaben zum Umsatz. 2009 soll dieser weltweit 21,5 Milliarden Euro betragen haben.

Verdi kritisiert Ikea allerdings auch wegen seiner Personalpolitik. Verdi-Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor wirft dem Unternehmen vor, die Zeitarbeit auszunutzen. Oft würden Zeitarbeitnehmer nicht nur bei Auftragsspitzen eingesetzt, sondern seien Teil der normalen Personalplanung. Der deutsche Stammsitz im hessischen Wallau bei Frankfurt sei beim Einsatz von Leiharbeitnehmern führend.

Klaus-Peter Grawunder ist bei Verdi in Frankfurt als Gewerkschaftssekretär für Ikea in Wallau zuständig. Dort seien zeitweise 20 bis 30 Prozent der gesamten Arbeitsstunden von Leiharbeitern verrichtet worden. Im Mai habe der Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt, die den Anteil der Zeitarbeit gemessen an allen Arbeitsstunden auf zehn Prozent begrenzt.