Ist Ikea ein Trendsetter bei Steuerflucht und Missbrauch von Leiharbeitnehmern? Verdi befürchtet das, doch die Möbelkette bestreitet diesen Vorwurf.
Die Gewerkschaft Verdi erhebt schwere Vorwürfe gegen die schwedische Möbelkette Ikea. Das Unternehmen betreibe "organisierte Steuerflucht" und drücke die Personalkosten über Leiharbeit, sagten deutsche Gewerkschaftsleute am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung. Am Dienstag hatte das ZDF-Magazin Frontal 21 entsprechend berichtet.
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Ikea-Einrichtungshaus in Wallau: Hier sollen zeitweise 20 bis 30 Prozent aller Arbeitsstunden auf Leiharbeiter entfallen sein, klagt die Gewerkschaft Verdi. (© AP)
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"Ikea bedient sich der legalen Steuertricks", sagt Verdi-Ökonom Dierk Hirschel. So vergebe die niederländische Ikea-Muttergesellschaft "massiv" Kredite an die deutschen Töchter. Die hierzulande anfallenden Schuldzinsen seien steuerlich absetzbar. Auch die Lizenzgebühren, die jedes deutsche Ikea-Möbelhaus an die Muttergesellschaft zahle, könnten von der Steuer abgesetzt werden. Steuermindernd gestalte der Konzern auch seine Expansion nach Osteuropa. Die deutsche Ikea-Tochter sei an vielen osteuropäischen Möbelhäusern beteiligt und könne daher den Investitionsaufwand geltend machen.
Hirschel räumt ein, dass dies bei vielen Unternehmen üblich sei, doch Ikea nutze auf "aggressive Art und Weise die Steuertricks. Das ist wirklich optimiert." Mehrere Millionen Euro gingen auf diesem Weg dem deutschen Fiskus verloren. "Hier hat die Politik versagt", kritisiert Hirschel.
Keine Pflicht zur Bilanzierung
In der Ikea-Zentrale in Älmhult weist man die Vorwürfe von "organisierter Steuerflucht" zurück. "Der Ikea-Konzern zahlt weltweit in jedem Land die gesetzlichen Steuern, natürlich besonders auch in Deutschland, dem größten Markt, beträchtliche Summen", heißt es in einer Stellungnahme.
Wie hoch die Summen genau sind, lässt sich schwer schätzen: Da der Familienkonzern Ikea nicht an der Börse notiert ist, müssen keine Bilanzen veröffentlicht werden. Freiwillig macht das Unternehmen Angaben zum Umsatz. 2009 soll dieser weltweit 21,5 Milliarden Euro betragen haben.
Verdi kritisiert Ikea allerdings auch wegen seiner Personalpolitik. Verdi-Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor wirft dem Unternehmen vor, die Zeitarbeit auszunutzen. Oft würden Zeitarbeitnehmer nicht nur bei Auftragsspitzen eingesetzt, sondern seien Teil der normalen Personalplanung. Der deutsche Stammsitz im hessischen Wallau bei Frankfurt sei beim Einsatz von Leiharbeitnehmern führend.
Klaus-Peter Grawunder ist bei Verdi in Frankfurt als Gewerkschaftssekretär für Ikea in Wallau zuständig. Dort seien zeitweise 20 bis 30 Prozent der gesamten Arbeitsstunden von Leiharbeitern verrichtet worden. Im Mai habe der Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt, die den Anteil der Zeitarbeit gemessen an allen Arbeitsstunden auf zehn Prozent begrenzt.
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Wenn ich so die Kommentare lese, auch in anderen Foren zu diesem Thema, stelle ich fest, dass man doch sehr viel verständnis für die Vorgehensweisen von IKEA hat und schnell auf gesetzliche und gesellschaftliche Missstände verweist. Und natürlich auf die anderen Unternehmen.
Hätte das ein Auto- oder Energieunternehmen oder gar eine Bank gemacht, ich wollte nicht wissen wie genau diese Menschen vor Emörung platzten.
Die also doch so weltoffenen, kritischen, umwekltbewußten und aufgeschlossene IKEA Kunden sind doch durchaus auch zu Tolerenz bereit, so lange es in Ihr Weltverbessererbild paßt - oder einfach passen soll.
Generell haben Sie sicherlich recht, was das schwarz/weiß Denken betrifft, zum konkreten Thema Lohnarbeit würde ich aber dabei bleiben, dass sie für die Menschen insgesamt nur schädlich ist.
Sicher, es ist ein menschliches Problem. Aber die Realität zeigt auch, dass Gutmenschentum, so ehrenwert es ist, keine Grundlage für Gerechtigkeit ist. Konsumpatriotismus, ethischer Konsum etc. funktionieren ungefähr genau so schlecht wie ein Sozialsystem auf Spendenbasis.
Man kann dann natürlich fragen: Wenn der Mensch nunmal nicht besser ist, sollte dann der Staat ihn zwingen besser zu sein? Und jetzt sage ich provizierend: Ja. Denn der Mensch will gar nicht schlecht sein, das ganze Übel kommt nur daher, dass er triebgesteuert ist und auf kurzfristiges Glück ausgerichtet ist, welches er nachher selbst bereut. Wie ein hungriger, der sich erstmal 3 Menüs bei McDonalds bestellt.
Kann nur vermuten, dass IKEA in den Geschäftsmethoden, Steuertricks und im Umgang mit Mitarbeitern sich nicht großartig von den anderen großen Möbelhausketten unterscheidet.
Der Unterschied liegt im Marketing - IKEA schafft es, Vielen zu suggerieren welche "saubere" und "tolle" Firma sie sind. Hinter den Kulissen wird es genauso hart und unbarmherzig zugehen wie bei XXL Lutz, Segmüller und Konsorten....
"Leiharbeit hilft in kleiner Dosis der Wirtschaft und auch dem Arbeiter, wird dies aber übertrieben so schadet es der Wirtschaft. "
Dem würde ich zustimmen. Wenn ich allerdings (wie hierzulande geschehen) die Leiharbeit für die Firmen billiger mache als es die Festangestellten wären, braucht man kein großer Prophet zu sein um zu sehen, was passieren wird.
Eine Firma, die den Wunsch nach Flexibilität hat und deswegen nur einen geringen Bestand an Festangestellten beschäftigt, weil sie saisonale oder kurzfristig anfallende Aufträge mit Leiharbeitern bedienen will, sollte diesen Leiharbeitern eben einen höheren Lohn als den Festangestellten zahlen. (In Frankreich ist das meines Wissens auch genau so). Dafür kann die Firma sich ja die Kosten für Festangestellte sparen, wenn grade Flaute herrscht. Einen Teil dieses Kostenvorteils sollte dann aber auch in die höheren Löhne der Leiharbeiter fließen.
Tatsächlich ist es aber genau umgekehrt. Leiharbeiter werden (meist) schlechter bezahlt, als die Festangestellten. Das erhöht natürlich die Versuchung bei Firmen, Festangestellte zu entlassen um sie dann als Leiharbeiter für ein geringeres Gehalt und schlechtere Absicherung wieder auf ihre alten Arbeitsplätze wiederzuverpflichten.
Wie man u.a. an Schlecker sehen durfte, passiert dann auch genau das.
Zusammengefasst: Wenn die Politik es Firmen durch ihre Gesetzgebung quasi "nahelegt", Leute rauszuschmeißen um sie dann billig wiedereinzustellen, dann hilft auch die beste "Boykott"-Politik des Kunden nichts mehr. Letztlich wird EINE Firma anfangen diesen "amoralischen" Kostenvorteil auszunutzen und die anderen müssen gradezu zwingend folgen, wollen sie am Markt bestehen. Rein über das Motto: "Kauft bei uns, wir sind zwar teurer, aber die Guten!" wird sich ein Geschäft nicht am Markt halten können.
Wer den Beitrag in Frontal 21 im ZDF gesehen hatte,der weiss genau wie der Hase laeuft. Hier einzelnen Politiker in Deutschland alleine die Schuld zuzuweisen ist nicht richtig. Warum ? Weil innerhalb der EU kein einheitlicher Grundsteuersatz vorhanden ist,siehe die Niederlande wo Ikea sich versteuern muss,ganze 19,5% Steuern sind das. Dafuer muss dann der Niederlaendische Steuerzahler um so mehr bluten,dass ist in der EU die Norm. Auch sitzt der Eigner aus Schweden seit Jahr und Tag in der Schweiz,mit Schweden hat dieses Moebelhaus nicht viel zu tun. Das ist nur ein Schein,auch vergessen die Kritiker in den Leserbriefen,dass meisste Geld wandert in die Karibik in die dortigen Steueroasen. Hier muesste der Hebel angesetzt werden,so das alle Transfers in diese Laender Illegal sind, nur wer das glaubt,der wird seelig. Das wird nie passieren dafuer sorgen dann schon die Lobbyisten in der Politik,eine Hand waescht die andere.
Paging