Ikea Köttbullar Der Aufstieg des Fleischbällchens

Köttbullar gehören zu den absoluten Erfolgsprodukten des Ikea-Imperiums.

(Foto: dpa)

Ikea will in diesem Jahr 150 Millionen Fleischbällchen verkaufen. Das Lebensmittelgeschäft fristet beim schwedischen Möbelhersteller beileibe kein Nischendasein mehr. Dabei fanden die Köttbullar am Anfang nur wenig Anklang.

Von Jens Hansegard, Wall Street Journal Deutschland

Als man sich bei Ikea dazu entschloss, Lebensmittel zu verkaufen, war schnell klar, dass es in etwa so funktionieren sollte wie das Möbelgeschäft: wenige Grundbausteine, die in Massen verkauft werden. Das Ergebnis: 150 Millionen Fleischbällchen.

So viele will der weltgrößte Möbelhersteller in diesem Jahr in seinen Restaurants auftischen. Zwar ist Ikea immer noch besser für seine günstigen Möbel bekannt, doch die Lebensmittelsparte ist mit ihrem jährlichen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro inzwischen ebenfalls zu einem Riesen avanciert. Das schwedische Unternehmen schätzt, dass in diesem Jahr 700 Millionen Menschen in einem der Cafés, die es weltweit in 300 Ikea-Filialen gibt, essen werden.

Das Geschäft mit den Lebensmitteln begann vor fast 30 Jahren, als der damalige Filialleiter Sören Hullberg die Aufgabe erhielt, eine Lebensmittelabteilung aufzubauen. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad fürchtete, dass seine Kunden mit leeren Mägen durch die Läden streifen. Ikea-Filialen sind riesig und man kann schon mal müde werden, wenn man stundenlang den markierten Wegen folgt. Er habe ein schwedisches Konzept entwickeln sollen, sagte Hullberg. Außerdem sollte das Essen günstig sein - so wie die Möbel auch.

Die Lösung? Lachs, Roastbeef, geräuchertes Rentier-Steak und die in Schweden beliebten Fleischbällchen namens Köttbullar. In jedem Land durften die Ikea-Läden auch noch eine lokale Spezialität auswählen, in Schweden waren es zum Beispiel Krabben. Diese Zutaten dienen als Grundlage für jedes Ikea-Essen - ob es sich nun um einen Salat, einen Sandwich oder eine Vorspeise handelt. Das Angebot wurde über die Jahre weiter entwickelt und die einzelnen Filialen können es abwandeln, doch im Großen und Ganzen ist es begrenzt.

"Wir haben uns für fünf Gerichte entschieden, weil man in einem Geschäft, in dem an einem Samstag 5000 Kunden bedient werden sollen, nicht 25 Sachen auf der Karte stehen haben kann", sagte Hullberg, der später bei Ikea aufhörte. "Die Gäste haben eine zu große Auswahl. Das funktioniert nicht. Die Mitarbeiter haben nicht genug Zeit, um das Essen zu holen und es gibt zu viele Vorräte." Hullberg besitzt inzwischen mehrere Hotels in Stockholm.

Bei Ikea dreht sich alles darum, Kosten zu sparen

Die Idee, das Essen selbst herzustellen, wurde als zu kompliziert verworfen. Ikea beschloss, die Produktion der Fleischbällchen auszulagern. Der schwedische Lebensmittelzulieferer Gunnar Dafgård wurde beauftragt, die Köttbullar nach einem Ikea-Rezept herzustellen.

Auch wenn Hullberg in die Hotelbranche gewechselt ist und sich der 87-jährige Kamprad aus dem Geschäft zurückgezogen hat, bleibt die Philosophie die gleiche. Inzwischen sind einige der Gerichte so bekannt wie das Billy-Regal. Ikea verkauft auch Lebensmittel zum Mitnehmen.

Das Ziel sei es, Kosten zu sparen, sagt Michael La Cour, Chef der Ikea-Lebensmittelsparte. Das Unternehmen sei bekannt dafür, dass es neue Logistikpläne entwickelt und den Energieverbrauch reduziert, um die Kosten zu senken - und die Kantinen spielen dabei eine wichtige Rolle. "Wir entwickeln die Speisekarte genauso, wie wir das mit Möbeln tun.", sagt La Cour. "Wir fangen mit dem Endpreis an."