Ikea Ingvar Kamprad geht ein bisschen in Rente

Kann nicht loslassen: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad.

(Foto: dpa)

Ein Rückzug, der wieder keiner ist: Der 87-jährige Ingvar Kamprad, Gründer der schwedischen Möbelhauskette Ikea, übergibt den Aufsichtsratsvorsitz bei Inter Ikea an seinen Sohn Mathias. Als Berater und mächtigster Mann hinter dem Firmengruppe bleibt er aktiv - wenn es nach ihm geht, sehr aktiv.

Von Simone Boehringer

"Oh no", sagt die Ikea-Sprecherin und klingt fast erschrocken auf die Frage nach einem möglichen Rentnerdasein von Ingvar Kamprad. Nein, auch die jüngste Amtsübergabe des Firmengründers an seinen jüngsten Sohn Mathias sei keineswegs der Beginn des Ruhestands für den 87-jährigen Gründer der berühmten Möbelhauskette. "Meine Leidenschaft und mein Engagement sind stärker denn je. Ich werde weiter meine Ideen und Ansichten einbringen", lässt sich Kamprad senior dazu in einer Pressemitteilung zitieren. Ob das von den aktiven Managern als Grund zur Freude oder Drohung wahrgenommen wird, lässt sich wahrscheinlich nur von Fall zu Fall beurteilen.

Mehrmals war in der Vergangenheit über den Rückzug des bekannten Firmengründers spekuliert worden. Doch jedesmal ging es nur um ein Amt, eines unter vielen in der für Außenstehende recht schwer zu durchschauenden Firmengruppe. Die Inter Ikea Holding, aus deren Aufsichtsgremium sich Kamprad nun zurückzieht, ist unter anderem für die Markenrechte der Möbelkette zuständig, kümmert sich um die Finanzen und die Verhandlungen mit Franchise-Nehmern.

Die Macht liegt woanders

Die Macht über das operative Geschäft liegt aber bei einer anderen Gesellschaft, der Ikea Group. Sie ist der größte Franchise-Nehmer bei Ikea und verantwortet das Geschäft von 302 der 324 Ikea-Möbelhäuser, wie die Unternehmens-Sprecherin betont. Dort werde Ingvar Kamprad über die zugehörige Ingka Holding (Organigramm als PDF) weiter eine einflussreiche Rolle übernehmen. "Herr Kamprad wird weiterhin als Senior-Berater für das Management Board tätig sein", so die Sprecherin.

Selbst seine drei Söhne hatte er in den vergangenen Jahrzehnten nur zögerlich an die Spitze der diversen Ikea-Gesellschaften gelassen. Der älteste, Peter Kamprad, war lange im Einkauf des Unternehmens tätig und sitzt nun Kamprads Vermögensverwalter Ikano vor, der aus Luxemburg operiert. Sein Bruder Jonas, von Beruf Möbeldesigner, sitzt im Management Board der Ingka Holding, hat jedoch nicht den Vorsitz inne. Dafür ist sein Vater ja dort als Senior-Berater dabei. Mathias Kamprad, der jüngste der drei Bruder, hat nun überraschend doch den Chefposten im Aufsichtsrat bei Inter Ikea bekommen. Zunächst war spekuliert worden, Kamprad würde dafür lieber jemanden von außen holen.

Aber auch nach dem Teilrückzug vom Mittwoch lassen sein Umfeld und auch er keine Zweifel: Der Senior werde weiter wirken, solange es seine Gesundheit zulasse. "Ich werde weiter meine Zeit in den Läden verbringen, um mit den Leuten zu arbeiten und werde helfen, konstante Verbesserungen zu erreichen", ließ er am Mittwoch seine Presseleute schreiben. Alles klar: Ingvar Kamprad hat noch nicht vor, ganz loszulassen. Er hat sich nur von einigen Ämtern befreit.