IG-Metall-Chef Berthold Huber im SZ-Gespräch "Politik und Firmen sind nicht auf die Krise vorbereitet"

In der Wirtschaft kann es nicht immer nur aufwärts gehen, meint IG-Metall-Chef Berthold Huber mit Blick auf die Krisen der Vergangenheit. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" warnt er davor, dass viele deutsche Unternehmen und die Bundesregierung auf eine mögliche Wirtschaftskrise nicht eingestellt seien.

Viele deutsche Unternehmen, aber auch die Bundesregierung, sind nach der Ansicht von IG Metall Chef Berthold Huber auf eine mögliche Wirtschaftskrise nicht vorbereitet.

"Das macht mir Sorgen", sagte Huber in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe). Es sei eine Lehre aus zurückliegenden Krisen, dass es in der Wirtschaft nicht immer nur aufwärts gehen könne. Man brauche für den nächsten Abschwung ähnliche Instrumente wie 2008 als Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit oder die Abwrackprämie für Erleichterung sorgten. "Ähnliche Regelungen brauchen wir auch für das nächste Mal".

Das Kurzarbeitergeld dürfe nicht nur - wie inzwischen vorgesehen - für nur noch sechs, sondern für 24 Monate gezahlt werden. "Und wir brauchen Kurzarbeit für Leiharbeiter". Bisher sei er mit diesen Forderungen bei der Bundesregierung aber "ins Leere gelaufen". Huber warnte davor, dass die Arbeitszeitkonten, mit denen in der letzten Krise aufgelaufene Überstunden und Kurzarbeit gegeneinander verrechnet werden konnten, derzeit "im Schnitt nicht annähernd so voll sind wie 2008". Es werde dieses Mal nicht reichen, einfach diese Konten abzuräumen. Das werde "nicht flächendeckend gehen". Es gehe darum, der drohenden Arbeitslosigkeit pragmatische Lösungen entgegenzusetzen.

Die Politik müsse verstärkt helfen, neue Lösungen in der Arbeitsmarktpolitik zu finden. "Die Prekarisierung von Arbeit ist ein Trend", den man auf der ganzen Welt sehen könne und der sich in Niedriglöhnen, Teilzeitjobs, befristeten Jobs und Leiharbeit niederschlüge, beklagt Huber. "Die Gewerkschaften werden diese Zustände nicht allein ändern können".

Huber, der seit fünf Jahren an der Spitze der größten Einzelgewerkschaft der Welt steht, ließ offen, wann er von seinem Posten zurücktreten wird. Ihm schwebt offenbar vor, im Herbst nächsten Jahres einen außerordentlichen Gewerkschaftstag einzuberufen, auf dem sein Nachfolger gewählt werden könnte. Sollte die Wirtschaft bis dahin allerdings in eine neue schwere Krise geraten, stelle sich die Frage für ihn neu. "In einer solchen Situation braucht man Leute, die Vergleichbares schon einmal erlebt haben, stabil sind und zum mindesten eine Ahnung haben, was auf sie zukommt."

Das Interview im Wortlaut lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.