Prognose des Ifo-Instituts Schatten über der Weltwirtschaft

Das Vertrauen in die Wirtschaft schwindet: Der weltweite Stimmungsindex des Ifo-Instituts hat sich eingetrübt. Experten rechnen mit schwächerem Wachstum und steigender Inflation. Wie düster sind die Aussichten für die Konjunktur wirklich?

Erwartungen sind ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft. Haben Unternehmer kein Vertrauen in die Konjunktur, werden sie sich bei Investitionen zurückhalten. Dasselbe gilt für Verbraucher: Wer schwarzsieht für die Zukunft, geht eher nicht exzessiv shoppen. Die Frage, wie sich die Konjunktur entwickelt, bewegt die Wirtschaft - womöglich bald nach unten.

Der Hamburger Hafen.

(Foto: dpa)

Die Erwartungen haben sich jedenfalls eingetrübt: Bereits an diesem Dienstag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die deutsche Wirtschaft nur noch langsam wächst. Der Rückwärtsgang beschränkt sich aber wohl nicht länger auf Deutschland und Europa. Die ganze Welt schätzt die Zukunft negativer ein als noch vor Monaten. Das teilte das Ifo-Institut an diesem Mittwoch mit. Der Index für das Weltwirtschaftsklima stürzte von 107,7 Punkten im Vorquartal auf 97,7 Punkte ab. Damit liegt der Wert nur noch knapp über dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre.

Um das Weltwirtschaftsklima zu ermitteln, befragt das Ifo-Institut viermal pro Jahr Experten zur Konjunkturentwicklung. Zusammen mit der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC) hat das Institut für die jüngste Erhebung mehr als 1000 Fachleute aus 117 Ländern befragt.

Besonders negativ fällt der Indikator für Nordamerika aus: Der Wert stürzte von 98,7 Punkten auf 81,2 Punkte. Die Erwartung liegt damit sogar deutlich unter dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre. Als Grund sehen die Ifo-Experten vor allem die aktuelle Krise der amerikanischen Wirtschaft an. Sie rechnen auch damit, dass der US-Dollar weiter an Wert verlieren wird.

Auch Westeuropa schätzt die Lage negativer ein, der Index fiel zum ersten Mal seit Anfang 2009 - von 115,1 auf 105,2 Punkte. Den Euro stufen die Experten trotz Krise als etwas überbewertet ein.

Besser sieht es dagegen in Asien aus: Die Erwartungen für das Wirtschaftsklima gingen dort zwar ebenfalls um sieben Punkte zurück, liegen aber dennoch über dem langjährigen Durchschnitt.

Nach Ansicht der befragten Experten werden auch Preise und Zinsen zulegen: Weltweit wird mit einer durchschnittlichen Inflation von vier Prozent gerechnet - und damit, dass die Zinsen in den kommenden Monaten steigen werden.