Deutschland steckt in der Rezession, die Kanzlerin schreibt das Jahr 2009 ab - und jedes zweite Unternehmen plant offenbar, Jobs zu streichen. Der Ifo-Index stürzt ab.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) malen für 2009 schwarz, auch die Unternehmer verbreiten Pessimismus: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November wegen der Finanzkrise den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, gab von 90,2 auf 85,8 Punkte nach, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit Februar 1993.

Von wegen klare Aussichten: Die Unternehmer verlieren den Mut und üben sich in Pessimismus. (Hier ein Bild aus einer Produktionsstätte der Technischen Glaswerke Ilmenau.) (© Foto: dpa)

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"Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen."

Die Konsequenz: "Die Unternehmen wollen ihre Produktion drosseln und ihren Stamm an Arbeitskräften reduzieren", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Die Realwirtschaft stecke in der Rezession.

Konkret will jedes zweite Unternehmen im kommenden Stellen streichen. Unter Berufung auf die Herbst-Konjunkturumfrage des arbeitgebernahen Kölner Instituts für Wirtschaft (IW) berichtete die Bild-Zeitung, in Ostdeutschland wollten rund 52 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft im Jahr 2009 halten. Im Westen hätten nur gut 45 Prozent diese Absicht bekundet.

Die Zahl der Erwerbstätigen werde im Jahresdurchschnitt um 230.000 Personen auf unter 40 Millionen zurückgehen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet 2009 eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um höchstens 130.000. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte der Bild-Zeitung: "Unser Forschungsinstitut rechnet im schlimmsten Fall, bei einem Wachstum von minus 0,5 Prozent, mit 130.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Jahresschnitt 2009." Bei einem Nullwachstum erwarteten seine Experten 30.000 Arbeitslose mehr.

Prekäre Situation

"Die Situation in der deutschen Wirtschaft wird immer prekärer", sagte ifo-Experte Abberger. Schnelle Besserung sei nicht in Sicht. Die Exporteure litten unter der schwachen Auslandsnachfrage, während der Konsum wohl ebenfalls schwächeln dürfte. "Der Winter wird sehr frostig", sagte Abberger weiter.

Besonders deutlich trübte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe ein. Die Unternehmen berichteten von einer klar ungünstigeren Geschäftssituation im November, sagte ifo-Chef Sinn. "Das Exportgeschäft wird sich ihrer Ansicht nach beschleunigt abschwächen, den Personalbestand wollen sie reduzieren." Auch im Einzelhandel und Großhandel trübte sich das Geschäftsklima ein. Dagegen sei im Bauhauptgewerbe der Index nur leicht gesunken, hieß es weiter.

Die 7000 befragten Manager schätzten ihre gegenwärtige Lage deutlich schlechter ein als noch im Oktober. Der entsprechende Teilindex sackte von 99,9 Punkte auf 94,8 Punkte ab. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate beurteilten die Umfrageteilnehmer pessimistischer. Der Erwartungsindex fiel von 81,4 Punkte von 77,6 Punkten.

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(sueddeutsche.de/Reuters/AP/ddp-bay/mel/tob)