Horrorszenario à la Sinn: Der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise wird die Republik erst 2010 erreichen, prophezeit der Ifo-Chef. Weil der beschlossenen Milliardenplan nicht reicht, fordert er weitere staatliche Hilfen.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat ein weiteres staatliches Konjunkturpaket gefordert. "Für den Winter und 2010 brauchen wir das dritte Konjunkturprogramm, jetzt aber noch nicht", sagte der Wirtschaftsforscher der Financial Times Deutschland.

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Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: "Der Tiefpunkt der Krise kommt auf Deutschland erst im kommenden Jahr zu." (© Foto: ddp)

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Seine Begründung: Der Tiefpunkt der Krise werde auf Deutschland erst im kommenden Jahr zukommen. Die Bundesrepublik folge der US-Konjunktur mit einer Verzögerung von etwa anderthalb Jahren. "Wir werden frühestens im Winter 2010 da sein, wo die USA im letzten Herbst waren - die Arbeitslosigkeit wird dramatisch steigen", warnte der Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Sinn prognostiziert die Krise damit weitaus dramatischer und länger als andere Ökonomen.

Die Bundesregierung hatte zu Jahresbeginn das größte Konjunkturpaket in der Geschichte der Bundesrepublik im Volumen von etwa 50 Milliarden Euro aufgelegt.

Absatzeinbruch in der deutschen Industrie

Es umfasst öffentliche Investitionen, Steuer- und Abgabensenkungen, Finanzhilfen für Unternehmen und weitere staatliche Leistungen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich die Regierung auf ein erstes, milliardenschweres Paket geeinigt.

Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba hatte sich jüngst gegen weitere Pakete ausgesprochen. Die Debatten über weitere Maßnahmen würden das Vertrauen in das Beschlossene untergraben, warnte Otremba.

Unterdessen meldete die deutsche Industrie den schärfsten Absatzeinbruch seit der Wiedervereinigung: Gegenüber dem Vorjahresmonat ging der Umsatz im Januar real um 20 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag unter Berufung auf vorläufige Berechnungen mitteilte. Das war der höchste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Berechnungen 1991. Im Dezember hatte es bereits einen Rückgang um 12,6 Prozent gegenüber.

Der Inlandsumsatz nahm im Vergleichszeitraum um 16,6 Prozent ab; der Auslandsumsatz brach mit minus 23,8 Prozent noch stärker ein. Dabei lag der Umsatz mit den Ländern der Eurozone um 21,7 Prozent, der Absatz in das übrige Ausland um 25,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Autoabsatz am stärksten rückläufig

Innerhalb der umsatzmäßig wichtigsten Wirtschaftszweige ging der reale Umsatz bei den Produzenten von Kraftwagen und Kraftwagenteilen im Januar am stärksten zurück, nämlich um mehr als ein Drittel (minus 34,3 Prozent) gegenüber Januar 2008.

Dabei sank der Inlandsumsatz um 25,2 Prozent und das Geschäft mit ausländischen Abnehmern um 39,1 Prozent. Auch die anderen großen Zweige des Investitionsgütersektors verzeichneten Umsatzeinbußen von rund 20 Prozent: In der Metallerzeugung und -bearbeitung gab es ein Minus von 30,0 Prozent (Inland: minus 30,7 Prozent, Ausland: minus 28,9 Prozent).

Der Wirtschaftszweig Herstellung von chemischen Erzeugnissen setzte 27,2 Prozent weniger um als im Januar 2008.

Im Vergleich zum Vormonat verringerte sich der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe im Januar 2009 saison- und arbeitstäglich bereinigt insgesamt um 6,6 Prozent (nach revidiert minus 5,8 Prozent im Dezember 2008).

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(sueddeutsche.de/Reuters/AP/pak/tob)