sueddeutsche.de: Einst konnten diese Finanzinstitute sehr frei hochriskanten Geschäften nachgehen - heute liegen sie weltweit am Zügel der Politik. Staaten geben Milliarde um Milliarde aus, um eine Implosion des Wirtschaftssystems zu verhindern. War es wirklich ein gravierender Fehler des damaligen US-Finanzministers Henry Paulson, im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite zu schicken?
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Sinn: Ja, sicher, ganz eindeutig. Er hat eine Lawine losgetreten, die die Welt erschüttert hat. Der Verdacht ist natürlich, dass er als einstiger Chef des Lehman-Konkurrenten Goldman Sachs ein Exempel statuieren wollte. Es gibt ja schon immer die Auffassung, dass man Banken nicht immer retten soll - denn wenn klar ist, dass immer mit staatlichem Geld geholfen wird, dann wird mit Risiken nachlässig umgegangen.
sueddeutsche.de: Das Risiko einer Pleite gehört nun mal zum Kanon der Marktwirtschaft.
Sinn: Ja, schon, aber bei systemrelevanten Banken können wir uns das nicht leisten. Die Entscheidung gegen Lehman war ein hoheitlicher Akt des Staates, den man so nicht erwartet hatte. Sie war falsch. Im Übrigen hat derselbe Henry Paulson an anderer Stelle noch problematischer gewirkt: Als Chef von Goldman Sachs hat er 2004, quasi als Lobbyist, mitgeholfen, dass die Aufsichtsbehörde der USA die früher härtere Eigenkapitalregulierung für die Investmentbanken mit einem Federstrich beseitigt hat.
sueddeutsche.de: Mit Verweis auf die angeblich laxeren Regelungen in Europa.
Sinn: Ja, da war ein gewisser Regulierungswettbewerb im Spiel, der in einen Laschheitswettbewerb ausartete. Die Konsequenz war, dass die Investmentbanken dann das große Glücksrad gedreht haben. Das war der Beginn dieser krisenhaften Entwicklung. Deshalb brauchen wir künftig eine internationale Aufsichtsbehörde, die die nationalen Aufsichtsbehörden jeweils kontrolliert und sichert, dass die Regeln eingehalten werden. Das kann der Internationale Währungsfonds oder die UN sein.
sueddeutsche.de: Wie lange wird diese Krise Ihrer Einschätzung nach dauern?
Sinn: Wir erwarten, dass die Wachstumsrate im zweiten Quartal 2010 wieder positiv wird. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das aber leider noch lange keine Entwarnung - da müsste die Wachstumsrate mehr als ein Prozent betragen. Der Arbeitsmarkt wird auf jeden Fall enorme Schwierigkeiten bekommen.
sueddeutsche.de: Wie sieht das Gegenmittel aus? Brauchen wir ein neues Bündnis für Arbeit?
Sinn: Das Gegenmittel haben wir schon ergriffen. Wir haben eine Krise, wie sie einst John Maynard Keynes beschrieben hat - in dieser Lage brauchen wir Staatsverschuldung. Es darf keine Steuererhöhung geben, um die nötigen Ausgabenprogramme zu finanzieren. Deutschland hat schon erhebliche Konjunkturprogramme gestartet, die für Wachstum sorgen.
sueddeutsche.de: Der Nobelpreisträger Paul Krugman kritisiert, Deutschland sei zu lax im Kampf gegen die Krise.
Sinn: Davon kann keine Rede sein, im Gegenteil. Das deutsche Gesamtsystem ist viel stabiler, weil bei uns die Haushalte nicht auf dem letzten Loch pfeifen wie in Amerika. Die Ersparnisse werden hierzulande etwas reduziert, der Konsumstandard wird gehalten - das stabilisiert die deutsche Wirtschaft und über den Import auch die Weltwirtschaft. Deutschland ist heute der größte Stoßdämpfer der Welt, und der Stoß kommt von den Vereinigten Staaten.
sueddeutsche.de: Sie stellen der deutschen Konjunkturpolitik ein gutes Zeugnis aus. Was ist mit den beiden Konjunkturprogrammen - reichen sie aus?
Sinn: Sie kamen mir zu früh. Die Krise wird uns erst im Herbst und im nächsten Jahr voll erwischen. Andererseits: Ausgaben in die Infrastruktur muss man natürlich frühzeitig ansetzen.
sueddeutsche.de: Ist ein drittes Konjunkturprogramm nötig?
Sinn: Das wird wohl im Herbst nach der Bundestagswahl kommen.
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Es gibt auch Unternehmen, welche sich durch die Kurzarbeitsregelung bereichern. Ich kenne einige Unternehmen, die zwar nach wie vor gut laufen, aber trotzdem den Arbeitnehmern Kurzarbeit auferlegen. Die Arbeitnehmer müssen hier weitaus mehr leisten als vor der Krise, verdienen diesbezüglich aber auch weniger Geld und das Unternehmen macht einen höheren Gewinn.
da kann ich Ihnen vollkommen Recht geben !
jetzt auf einmal meldet sich Herr Sinn zu Wort und kann im kleinsten Detail aufzählen wer Schuld ist und woran es gelegen hat. Komischerweise war doch auch vor der Krise bekannt wie der Hase läuft und wie das System funktioniert, aber da hat sich keiner zu Wort gemeldet und alle noch die Fahne des Neoliberalismus hochgehalten.
Wofür gibt es denn diese Wirtschaftsweisen und Experten ?!
Später kann ich mich auch hinstellen und Fehler aufzählen und selbst jetzige Wirtschaftsprognosen wie Wirtschaftswachstum pendeln von Institut zu Institut von -3% bis 0% und zu + 0,5 %....
Egal wie man es dreht und wendet gibt es nur EINEN großen Verlierer und das ist der Mittelstand fast aller Industrienationen, hier in Deutschland also der Durchschnittsbürger und brave Steuerzahler. Denn andere haben die Krise schon wieder zum Kasse machen genutzt und zb. sich jetzt schon duch 10 fach gestiegene
Akitenkurse sanieren können und durch cleveres taktieren am Subventionstopf bereichert.
Von der DAX-Konzern-Hörigeit besonders der Kanzlerin und CDU will ich garnicht mal sprechen. Nichts aber auch garnichts hat , konnte oder wollte man durchsetzen um den Größenwahn an Gehälter und Boni-Zahlungen zu verhindern ! Nur durch etwas Druck aus der Presse konnte man wenigstens Gehaltsobergrenzen bei zb. der Commerzbank oder alle anderen vom Staat direkt unterstützten Konzerne einführen.
Aber wir sind doch schon wieder so weit das sich Aufsichtsrats-Vorsitzende (zb. Herr Dr. Chromme) groß in Tageszeitungen darstellen und GEGEN Obergrenzen von Gehältern von Vorständen sich einsetzen und niemand scheint es noch aufzuregen , das diese Herren sich das überhaupt trauen ist schon skandalös genug. Das die Gier bei solchen Leuten nie abgerissen hat war jedem vernünftigen Menschen sowieso klar !
Aber bei normalen Arbeitnehmern wird die Gunst der Stunde genutzt und auf Lohnverzicht propagiert oder sonst mit Werksschliessungen , Arbeitsplatzabbau gedroht .
Sowas asoziales schimpft sich also Führungselite , na dann gute Nacht !
Verkehrte Welt wenn einerseits mit Verzicht argumentiert wird bei kleinen Arbeitnehmern und dann gefordert wird das fette Vorstandsgehälter und Boni doch bitte so sein müssten für den Anreiz und den tollen Job da oben .....das kann wohl nur purer Sarkasmus sein ! Aber bei vielen Normalbürgern scheint es genug Obrigkeitsdenken zu geben und Leute die denen das auch noch abkaufen , schlimm genug ....
Es ist mir schleierhaft, wie man diesen sog. "Experten" weiterhin in den Medien ein Forum bietet. Vor einigen Jahren noch war er einer der Protagonisten des Neoliberalismus und als einer der Meinungsmacher der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ständig Gast in diversen Talk-Shows und nun argumentiert er genau entgegengesetzt wie damals.
Solche Personen wie er waren es doch, die eine Liberalisierung der Finanzmärkte vorangetrieben haben und damit die Politik in ihrer Gesetzgebung massiv beeinflusst haben.
Und nun prangert er urplötzlich den "Casino-Kapitalismus" an und ist sich wohl seiner Worte von damals nicht mehr bewusst, nach dem Motto:" Was schehrt mich mein Geschwätz von gestern". Eben ein typischer Fall von Opportunist mit retrograder Amnesie, der heute um 180 Grad entgegengesetzt argumentiert wie noch vor einigen Jahren !
Was Herr Prof. Sinn äußert scheint mir den Tatsachen zu entsprechen ...
Ich hatte das Glück Ihn in Dachau live zu hören bei der Veranstaltung der Wirtsachftsjunioren und ich kann nur sagen das absolut Alles ist schlüssig und stichhaltig.
Auch wenn Seine Äußerung "...das sei alles erst ein 1/4 von dem Was noch so auf uns zukommt ..." schon etwas ängstigt bin ich froh das Leute wie er die Wahrheit sagen (entgegen vieler Politiker).
Ich hoffe er wird es nicht müde diese Position ständig zu vertreten und dies immer und immer wieder zu tun. Die Politk wäre meiner Meinung nach gut beraten auf diese Stimme mehr zu hören .... Oder besser noch solche Leute bräuchte die Politik !
Beste Grüße aus München
Sehr geehrte Ersteller dieses Beitrages,
wie können Sie denn einem Wissenschaftler der seit dem die ersten Anzeichen der Krise immer das falsche erzählt und prognistiziert hat. Herr Sinn windet sich doch wie ein Wurm, es wird ja nun eindeutig das das alles nur lustiges Rätselraten ist, was die Herren vom Ifo und den anderen 5 Instituten veranstalten, Sie sollten mal lieber ein Beitrag machen, wieviel Vorhersagen bzw. Prognosen der Superherren den eingetroffen sind. Das wird dann wahrscheinlich sogar noch unter der Wahrscheinlichkeit von Zufall liegen, d.h. die Herren haben schlechter geraten als wenn Sie ein Münze geworfen hätten.
Paging