Schonungslose Abrechnung: Ökonom Sinn über den Irrsinn der Abwrackprämie, warum die Krise 2010 mit voller Wucht zuschlägt - und die Bad Bank eine "bad idea" ist. Mit Videos.
Professor Hans-Werner Sinn, 61, ist einer der führenden Ökonomen der Republik. Seit Jahren prägt der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) mit Stammsitz in München die ökonomischen Debatten. Sinn hat mehrere sehr beachtete Bücher veröffentlicht, soeben ist sein neuestes Werk erschienen: "Kasino-Kapitalismus" beschreibt detailliert die Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise, analysiert den derzeitigen Stand - und zeigt auf, welche Konsequenzen die Marktwirtschaft ziehen muss.
Hans-Werner Sinn: "Die Investmentbanken haben das große Glücksrad gedreht." (© Fotos: dpa, getty / Montage: sueddeutsche.de)
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sueddeutsche.de: Herr Professor Sinn, Ihr neues Buch heißt "Kasino-Kapitalismus". Warum haben Sie nicht gleich einen plakativen Begriff des Altkanzlers Helmut Schmidt genommen: "Raubtier-Kapitalismus"?
Hans-Werner Sinn: Kasino-Kapitalismus umfasst das Spielertum, das Glücksrittertum. Im Zentrum stehen Banken, vor allem die amerikanischen Investmentbanken, die mit wenig Eigenkapital ihr Geschäft machen. Die Gewinne stecken sie ein, Teile der Verluste lasten sie mangels Eigenkapital ihren Gläubigern an. Oder aber dem Staat, der für Rettungsaktionen zur Verfügung steht.
sueddeutsche.de: Mit dem klassischen marktwirtschaftlichen System, das Ökonomen wie Sie fordern, haben Glücksspieler wenig zu tun.
Sinn: Ja, es ist eine Deformierung. Wenn man sein Geschäft fast ohne Eigenkapital macht, es also fast keine Deckung gibt, dann haftet man ja auch nicht. So hat es der Gesetzgeber ursprünglich nicht gemeint. Man muss zwingend klare Eigenkapitalregeln vorschreiben, jedenfalls in riskanten Geschäftsbereichen.
sueddeutsche.de: Und so wurde es für einige lohnender, in einer Bank zu arbeiten als am Roulettetisch zu sitzen?
Sinn: Die Bank war das lukrativere Roulette. In der Tat. Die Investmentbanken haben mit drei oder vier Prozent Eigenkapital gearbeitet - das ist viel zu wenig. Auch Geschäftsmodelle wie Leerverkäufe sind für die wirtschaftliche Entwicklung nicht sonderlich förderlich. Vieles gehört durchgemistet.
sueddeutsche.de: Nicht nur Banken mussten kaum haften - auch die Hauskäufer in den USA konnten sich ohne große Sicherheiten stark verschulden. Die derzeitige Weltwirtschaftskrise hat hier ihren Ursprung.
Sinn: Die Menschen hatten sich über alle Ohren verschuldet, um neue Häuser zu kaufen. Das ging so lange gut, wie die Preise stiegen. Doch dann fielen die Preise, und die Banken kamen in Schwierigkeiten, weil es in den USA den regressfreien Kredit gibt. Die Banken konnten nicht an das Vermögen und das Einkommen der Schuldner ran. Da haben sie ihre Kreditansprüche verbrieft und an andere Banken verkauft, das war eine weltweite Verbriefungskaskade mit bis zu 40 Stufen.
sueddeutsche.de: Welche Rolle spielt die Gier in dem von Ihnen kritisierten "Kasino-Kapitalismus"?
Sinn: Keine besondere. Die Gier ist bedauerlich, liegt aber in der Natur des Menschen. Der Eigennutz ist die Triebkraft der Marktwirtschaft. Ohne ihn gäbe es keinen technischen Fortschritt und keine wirtschaftliche Entwicklung. Es kommt darauf an, diesen Eigennutz produktiv einzusetzen, deshalb braucht der Mensch Schranken, wie sie ihm in einer wohlgeordneten Marktwirtschaft gesetzt werden. Die Marktwirtschaft ist eine Friedensordnung, die auf dem Schutz des Eigentums basiert und den Eigennutz sinnvoll kanalisiert. Nehmen Sie die Dänen. Die sind heute friedliebende, fleißige Menschen, doch sind sie noch genauso eigennützig wie ihre Vorfahren, die Wikinger. Die versuchten, durch Raubzüge reich zu werden, weil sich das Eigentum damals nicht schützen ließ.
sueddeutsche.de: Ist Josef Ackermann ein moderner Wikinger? Der Deutsche-Bank-Chef ist stolz darauf, dass sein Haus in der Krise die von ihm vorgegebene Rendite von 25 Prozent erfüllt. Das sei "zu viel", schreiben Sie in Ihrem Buch.
Sinn: 25 Prozent Rendite schafft man nur, wenn man mit minimalem Eigenkapital groß ins Risiko geht. Den Gewinnen in guten Zeiten stehen die Verluste des Steuerzahlers gegenüber, wenn es schiefgeht.
sueddeutsche.de: Auch Unternehmen wie Porsche und Schaeffler haben sich im "Kasino-Kapitalismus" wie Investmentbanker verhalten - und wollten mit viel Fremdkapital viel größere Firmen kaufen.
Sinn: Immer dann, wenn die Eigenkapitalquote klein wird, wird das Geschäft problematisch. Die Unternehmen der Realwirtschaft sind insgesamt nicht so stark von diesem Thema betroffen, denn sie werden von den Banken kontrolliert. Die Frage ist: Wer kontrolliert die Banken?
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum die Entscheidung gegen Lehman Brothers ein hoheitlicher Akt des Staates war.
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Linke mit neuer Führung
Es gibt auch Unternehmen, welche sich durch die Kurzarbeitsregelung bereichern. Ich kenne einige Unternehmen, die zwar nach wie vor gut laufen, aber trotzdem den Arbeitnehmern Kurzarbeit auferlegen. Die Arbeitnehmer müssen hier weitaus mehr leisten als vor der Krise, verdienen diesbezüglich aber auch weniger Geld und das Unternehmen macht einen höheren Gewinn.
da kann ich Ihnen vollkommen Recht geben !
jetzt auf einmal meldet sich Herr Sinn zu Wort und kann im kleinsten Detail aufzählen wer Schuld ist und woran es gelegen hat. Komischerweise war doch auch vor der Krise bekannt wie der Hase läuft und wie das System funktioniert, aber da hat sich keiner zu Wort gemeldet und alle noch die Fahne des Neoliberalismus hochgehalten.
Wofür gibt es denn diese Wirtschaftsweisen und Experten ?!
Später kann ich mich auch hinstellen und Fehler aufzählen und selbst jetzige Wirtschaftsprognosen wie Wirtschaftswachstum pendeln von Institut zu Institut von -3% bis 0% und zu + 0,5 %....
Egal wie man es dreht und wendet gibt es nur EINEN großen Verlierer und das ist der Mittelstand fast aller Industrienationen, hier in Deutschland also der Durchschnittsbürger und brave Steuerzahler. Denn andere haben die Krise schon wieder zum Kasse machen genutzt und zb. sich jetzt schon duch 10 fach gestiegene
Akitenkurse sanieren können und durch cleveres taktieren am Subventionstopf bereichert.
Von der DAX-Konzern-Hörigeit besonders der Kanzlerin und CDU will ich garnicht mal sprechen. Nichts aber auch garnichts hat , konnte oder wollte man durchsetzen um den Größenwahn an Gehälter und Boni-Zahlungen zu verhindern ! Nur durch etwas Druck aus der Presse konnte man wenigstens Gehaltsobergrenzen bei zb. der Commerzbank oder alle anderen vom Staat direkt unterstützten Konzerne einführen.
Aber wir sind doch schon wieder so weit das sich Aufsichtsrats-Vorsitzende (zb. Herr Dr. Chromme) groß in Tageszeitungen darstellen und GEGEN Obergrenzen von Gehältern von Vorständen sich einsetzen und niemand scheint es noch aufzuregen , das diese Herren sich das überhaupt trauen ist schon skandalös genug. Das die Gier bei solchen Leuten nie abgerissen hat war jedem vernünftigen Menschen sowieso klar !
Aber bei normalen Arbeitnehmern wird die Gunst der Stunde genutzt und auf Lohnverzicht propagiert oder sonst mit Werksschliessungen , Arbeitsplatzabbau gedroht .
Sowas asoziales schimpft sich also Führungselite , na dann gute Nacht !
Verkehrte Welt wenn einerseits mit Verzicht argumentiert wird bei kleinen Arbeitnehmern und dann gefordert wird das fette Vorstandsgehälter und Boni doch bitte so sein müssten für den Anreiz und den tollen Job da oben .....das kann wohl nur purer Sarkasmus sein ! Aber bei vielen Normalbürgern scheint es genug Obrigkeitsdenken zu geben und Leute die denen das auch noch abkaufen , schlimm genug ....
Es ist mir schleierhaft, wie man diesen sog. "Experten" weiterhin in den Medien ein Forum bietet. Vor einigen Jahren noch war er einer der Protagonisten des Neoliberalismus und als einer der Meinungsmacher der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ständig Gast in diversen Talk-Shows und nun argumentiert er genau entgegengesetzt wie damals.
Solche Personen wie er waren es doch, die eine Liberalisierung der Finanzmärkte vorangetrieben haben und damit die Politik in ihrer Gesetzgebung massiv beeinflusst haben.
Und nun prangert er urplötzlich den "Casino-Kapitalismus" an und ist sich wohl seiner Worte von damals nicht mehr bewusst, nach dem Motto:" Was schehrt mich mein Geschwätz von gestern". Eben ein typischer Fall von Opportunist mit retrograder Amnesie, der heute um 180 Grad entgegengesetzt argumentiert wie noch vor einigen Jahren !
Was Herr Prof. Sinn äußert scheint mir den Tatsachen zu entsprechen ...
Ich hatte das Glück Ihn in Dachau live zu hören bei der Veranstaltung der Wirtsachftsjunioren und ich kann nur sagen das absolut Alles ist schlüssig und stichhaltig.
Auch wenn Seine Äußerung "...das sei alles erst ein 1/4 von dem Was noch so auf uns zukommt ..." schon etwas ängstigt bin ich froh das Leute wie er die Wahrheit sagen (entgegen vieler Politiker).
Ich hoffe er wird es nicht müde diese Position ständig zu vertreten und dies immer und immer wieder zu tun. Die Politk wäre meiner Meinung nach gut beraten auf diese Stimme mehr zu hören .... Oder besser noch solche Leute bräuchte die Politik !
Beste Grüße aus München
Sehr geehrte Ersteller dieses Beitrages,
wie können Sie denn einem Wissenschaftler der seit dem die ersten Anzeichen der Krise immer das falsche erzählt und prognistiziert hat. Herr Sinn windet sich doch wie ein Wurm, es wird ja nun eindeutig das das alles nur lustiges Rätselraten ist, was die Herren vom Ifo und den anderen 5 Instituten veranstalten, Sie sollten mal lieber ein Beitrag machen, wieviel Vorhersagen bzw. Prognosen der Superherren den eingetroffen sind. Das wird dann wahrscheinlich sogar noch unter der Wahrscheinlichkeit von Zufall liegen, d.h. die Herren haben schlechter geraten als wenn Sie ein Münze geworfen hätten.
Paging