Automesse IAA "Google hat nicht vor, ein Autohersteller zu werden"

Wenn man sich den Prototyp des Google-Autos so anschaut, können viele wohl verstehen, warum der Konzern wohl keine eigenen Fahrzeuge bauen will.

(Foto: dpa)
  • Der Internetkonzern Google testet zwar selbstfahrende Autos. Eine eigene Produktion strebt die Firma aber nicht an, sagt ein Manager auf der Automesse IAA.
  • Die Äußerung könnte eine Einladung an die deutschen Autobauer sein, ihre Fabriken für Google zu öffnen.
Von Thomas Fromm, Frankfurt

Der möglicherweise wichtigste Satz dieser Internationalen Automobil-Ausstellung fällt bei einer Podiumsdiskussion. Er fällt also am Rande. Es ist Dienstagabend, in Halle 3.1. Hier treffen sich IT-Firmen und Anbieter von alternativer Mobilität. Auf dem Podium: Bosch-Manager Volkmar Denner und ZF-Chef Stephan Sommer, Anette Bronder von der Telekom-Tochter T-Systems. Philipp Justus, Chef von Google in Deutschland, Österreich, und der Schweiz, soll darüber sprechen, wie es sein mächtiger IT-Konzern mit Autos hält. Und Justus sagt: "Google ist kein Automobilhersteller, und Google hat auch nicht vor, ein Automobilhersteller zu werden."

Raunen im Publikum, fragende Gesichter. Das sagt nun der Manager eines Konzerns, der seit langem an selbstfahrenden Elektroautos forscht, der seine kleinen Vehikel medienwirksam auf amerikanischen Parkplätzen testet und in Szene setzt. Der die deutschen Traditionsbauer damit seit Monaten in Aufruhr versetzt. Nun also sagt Justus, dass er eigentlich nur Partner der Autobauer sein wolle - mehr nicht. Dies sei "nichts, was wir allein tun wollen oder können".

Google also nur als Zulieferer - so wie jetzt schon für 35 Autobauer, die das Smartphone-System Android in ihren Autos nutzen? Haben die Branchenbeobachter Google falsch eingeschätzt? Oder ist das heute Abend nur der smarte Versuch, die Autobauer zu beschwichtigen?

Im Grunde könnte die Sache einfacher sein als sie aussieht. Google interessiert sich für Autos, natürlich. Nur will der Konzern keine bauen, weil er es eh nicht alleine kann. Google lässt einfach die alten Hersteller bauen - als Auftragsfertiger sozusagen. Ein Porsche 911 ist eben auch deshalb ein Porsche, weil er von Porsche kommt.

Wenn das der Plan ist, dann ist der Satz vom Dienstagabend weder Beschwichtigung noch eine Absage an das Google-Auto. Dann ist der Satz die Einladung an die Hersteller, ihre Fabriken zu öffnen. Um Google beim Bauen und Blechbiegen zu helfen.

Justus weiß, dass im Grunde nicht das Auto das Problem ist, sondern die Daten, die mit ihm spazieren gefahren werden. Er hat somit auch auf die dringendste Kundenfrage eine Antwort. Dieser müsse wissen, "was mit den Daten passiert", allein schon weil sie ihm gehörten. "Man muss vorher befragt werden."

Googles erster Auftritt auf IAA 2015 - irgendwie hatte man sich die Sache anders vorgestellt.