Hypo Real Estate Ex-Vorstand Funke soll vor Gericht

Hypo Real Estate: Ex-Vorstand Georg Funke auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2007

(Foto: dpa)

In der Finanzkrise kostete die Hypo Real Estate die Steuerzahler mehr Geld als jede andere Bank: Weil Ex-Vorstand Georg Funke die Lage des Geldhauses vor der Krise geschönt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben.

Von Klaus Ott

Nächster Fall, nächste Anklage. Nun ist auch Georg Funke an der Reihe, der frühere Chef der Hypo Real Estate (HRE), die Deutschlands Steuerzahler in der Finanzkrise mehr Geld gekostet hat als jede andere Bank. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen Funke und den gesamten alten Vorstand der HRE, der aus acht Leuten bestand.

Und wie schon einige Tage vorher bei der Deutschen Bank ging die Akte an Peter Noll, den Vorsitzenden der fünften Strafkammer beim Landgericht München I. Bei ihm häufen sich die prominenten Verfahren. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kaufte sich für 100 Millionen Dollar frei (das Geld ist jetzt da), dann folgte die Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und vier seiner Ex-Kollegen (inklusive Rolf Breuer und Josef Ackermann). Nun die Akte HRE.

Haftstrafen nicht zu erwarten

Es ist, wie schon bei Ecclestone und den Deutschbankern, eine dicke Anklage. Mit vielen Seiten, aber vergleichsweise dünnem Inhalt. Nach Angaben aus Kreisen von Verfahrensbeteiligten wirft die Staatsanwaltschaft Funke und dessen ehemaligen sieben Vorstandskollegen nur noch unrichtige Darstellung der Unternehmenslage vor. Das kann laut Handelsgesetzbuch mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder Geldstrafen geahndet werden.

Doch Haftstrafen sind aus Sicht von Verteidigern nicht zu erwarten. Mit dieser Anklage "können wir leben", heißt es. Begonnen hatten die Ermittlungen vor allem wegen des Verdachts, Funke und seine Kollegen hätten mit riskanten Geschäften mitten in der Bankenkrise vorsätzlich Vermögen der HRE in Milliardenhöhe veruntreut. Ein schwerer Vorwurf, der sich nicht erhärten ließ. Die Staatsanwaltschaft musste diese Anschuldigung zu den Akten legen. Der Aufwand der Ermittler stehe "in keinem Verhältnis zum Ertrag", rügt ein Verteidiger. In deren Kreisen wird auf eine Einstellung gegen Geldauflage gehofft. Wie bei Ecclestone - nur billiger.