Tabletten gegen ADHS: Vorzeigeprodukt der Pharmakologen.

Das Kind kann sich schlecht konzentrieren, wird schnell aggressiv, die Noten werden immer schlechter. Franz Josef Freisleder, ärztlicher Direktor der Heckscher-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, rät Eltern in solchen Fällen dringend zum Besuch eines Kinder- und Jugendpsychiaters.

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Die Stoffwechselstörung ADHS könnte Ursache der leichten Ablenkbarkeit und des geringen Durchhaltevermögens sein. Weltweit, so schätzen Experten, leiden drei bis fünf Prozent der Menschen unter dem "Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom" (ADHS) - früher als "Zappel-Philip-Syndrom" bezeichnet. 25 Prozent der in der Heckscher-Klinik behandelten Kinder sind ADHS-Patienten.

Genetische Ursachen

Während die Ärzte lange davon ausgingen, dass Erziehungsfehler, übermäßiger Medienkonsum oder Vernachlässigung Ursachen der hohen Fallzahlen sind, zeigen neuere Studien, dass die innere Unruhe der Kinder meist genetische Ursachen hat. "Ich gehe nicht von einer echten Zunahme aus", sagte Freisleder, "wir sind nur sensibilisiert und schauen genauer hin."

Wenige psychische Defekte können mit Medikamenten so erfolgreich und nebenwirkungsarm behandelt werden wie ADHS. "Man kann die Kinder regelrecht an- und ausschalten", sagte Walter E. Müller vom Pharmakologischen Institut der Universität Frankfurt.

Das seit 1959 eingesetzte Methylphenidat (Ritalin) dämpft das Tempo der Dopamintransporter im Gehirn. Der Zustand bessert sich häufig während der Pubertät. Bis dahin ist meist die Einnahme der Medikamente sinnvoll. Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und Einschlafprobleme treten meist nur anfangs auf.

Auch die Angst vor Parkinson sei unbegründet. Nur bei Versuchen mit Ratten habe es solche Symptome gegeben. "Weltweit ist kein einziger Fall beim Menschen bekannt", betonte Freisleder.

Suchtrisiko gesenkt

Der Pharmakologe Müller hofft deshalb, dass die Zeiten vorbei sind, da Kinder unnötig mit Diäten geplagt wurden. In der Vergangenheit hatte Scientology mit Broschüren gegen Psycho-Pillen gewettert und behauptet, die Umstellung der Ernährung reiche aus, um bei der Mehrheit hyperaktiver Kinder eine deutliche Verbesserung zu erreichen.

"In den Publikationen heißt es, alles andere sei besser", ärgerte sich Müller. Das Gegenteil sei der Fall, pflichtete ihm der Direktor der Heckscher-Klinik bei. Durch die Behandlung mit Methylphenidat werde das spätere Suchtrisiko der ADHS-Kinder gesenkt.

Es habe sich gezeigt, dass unbehandelte ADHS-Patienten ein erhöhtes Suchtrisiko und ein hohes Unfallrisiko haben. Auch wenn das Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz (BTM) falle, "gibt es keine Suchtgefahr, wenn es in verordneter Dosis eingenommen wird", so Freisleder.

Dennoch werde bei einem leichten ADHS versucht, mit einer Verhaltenstherapie und Elterngesprächen den Einsatz von Medikamenten zu umgehen. Eltern, die den Gang zum Kinderpsychiater scheuen und lieber den Kinderarzt konsultieren, laufen dagegen Gefahr, vorschnell Psychopharmaka verschrieben zu bekommen.

Seit etwa einem Jahr ist mit Atomoxetin eine Substanz auf dem Markt, die nicht unter das BTM fällt. "Hier wird von den Ärzten gelegentlich zu schnell oder gar unnötig zum Rezeptblock gegriffen", sagte Freisleder.

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