Schreckensszenario Rezession: Warum das 150 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm der Bush-Regierung nur ein bedingter Heilsbringer ist, weitere US-Zinssenkungen wohl folgen werden - und auf was sich Bank-Aktionäre in Deutschland einstellen müssen, erklärt Ökonom Straubhaar im sueddeutsche.de-Interview.
Professor Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), ist einer der profiliertesten Volkswirte der Republik. Der gebürtige Schweizer erhielt Anfang der neunziger Jahre einen Ruf an die Universität der Bundeswehr Hamburg. Nach einer weiteren Station als Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Uni Hamburg leitet er seit 2005 das HWWI. Er ist außerdem Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
Von Beruf aus Optimist: Professor Thomas Straubhaar. (© Foto: HWWI)
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sueddeutsche.de: Herr Professor Straubhaar, in den USA verdichten sich massiv die Anzeichen für ein Horrorszenario - das der Rezession. Wann wird daraus Wirklichkeit?
Thomas Straubhaar: Amerika hat eine Wachstumsschwäche, das ist offensichtlich. Daraus muss aber nicht notwendigerweise eine Rezession folgen. Vom Schrumpfen der Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sind die USA immer noch entfernt. Es handelt sich momentan mehr um eine gefühlte Rezession, nicht um eine tatsächliche.
sueddeutsche.de: Tatsächlich? Das Wachstum der Wirtschaft drosselte sich im vierten Quartal von 4,9 Prozent auf 0,6 Prozent, die Wachstumsprognose wurde radikal gekürzt, der an den Finanzmärkten vielbeachtete ISM-Index für das US-Dienstleistungsgewerbe sackte nach viereinhalb Jahren massiv ab - und weltweit fahren die Börsen Achterbahn.
Straubhaar: Die Börsenkursentwicklungen sind das eine, und die sind in der Tat für viele Anleger nicht erfreulich. Aber die realen Konjunkturdaten sind das andere. Zugegeben: Der Einbruch des Dienstleistungsindex ist ein Zeichen dafür, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Es gibt viele Indizien, aber wir können noch nicht von einer Rezession sprechen. Der US-Arbeitsmarkt zum Beispiel ist vergleichsweise stabil, die Investitionen sind es auch und die Lagerhaltung ist gering. Es gibt also gute Gründe, dass die Entwicklung jetzt nicht auf eine Rezession hinauslaufen muss.
sueddeutsche.de: Wenn die Wirtschaft in den USA hustet, bekommt Deutschland eine Lungenentzündung, heißt es. Auf was müssen wir uns einstellen?
Straubhaar: Darauf, dass dieser Spruch nicht mehr die volle Wirkungskraft hat. Die EU mit mittlerweile 27 Ländern und dem Euroraum hat sich in einem gewissen Maße von der amerikanischen Konjunktur emanzipiert - nicht zuletzt, weil der europäische Binnenmarkt mittlerweile eine beachtliche Größe erreicht hat. Und wir exportieren Anlagen, Fahrzeuge und Maschinen in Territorien wie Arabien, Russland und Südostasien, das sind attraktive Geschäfte. Alle diese Kräfte wirken stabilisierend, das gilt ganz besonders für Deutschland. Dank der guten hiesigen Beschäftigungslage wächst der Konsum hierzulande vergleichsweise stärker - vergleichsweise heißt aber, dass er mit gut einem Prozent immer noch zu schwach wächst.
sueddeutsche.de: Kritiker bemängeln, dass der Aufschwung bei den Arbeitnehmern nicht ankommt.
Straubhaar: Wenn man sich anschaut, was der Einzelne in der Tasche hat, kommt der Aufschwung kaum an. Aber er kommt bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs an. Mehr als eine Million Menschen haben dank des Konjunkturaufschwungs zusätzlich die Möglichkeit, in sozialversicherungspflichtigen Jobs tätig zu werden. Fast eine weitere Million Menschen werden außerdem noch in anderen Formen beschäftigt. Wir haben mittlerweile eine sehr hohe Beschäftigungsquote, und diese Masse macht's: Die stabilisiert den Binnenkonsum.
sueddeutsche.de: Die USA wollen 150 Milliarden US-Dollar investieren, um die lahme Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Ist ein solches Konjunkturprogramm der Heilsbringer?
Straubhaar: Für die Lösung der Vertrauenskrise - mit Banken- und Immobilienkrise - kann ein solches Programm gar nicht stark genug wirken. Das Vertrauen in die amerikanische Bankenwelt ist erschüttert, für die Ratingagenturen ist die Kreditvergabe ein Problem geworden.
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es geht nicht um neoliberalität - obwohl es mich schon interessiert, was sie darunter verstehen!?
die binnennachfrage kann durch entsprechende lohnerhöhung leider, leider nicht entsprechend stimuliert werden. die konjunkturprogramme, die d'land in den 60er, 70er und 80er jahre gefahren hat, dokumentieren das eindrucksvoll. wieso, weil es u.a. eine zinsreaktion erfolgt, weil steuern bezahlt werden müssen, weil nicht nur in d'land konsumiert wird, und weil eben auch gespart wird. es müssen also andere lösungen ggefunden werden, die keine zinsreaktion zur folge hat.
und von lohnkürzung hat auch niemand gesprochen (zumindest habe ich es nicht gesehen). es geht um den produktivitätsausgleich! liegt der lohnabschluss darüber, sind die negativen effekte größer als die positiven - auch wieder durch die letzten dekaden dokumentiert.
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@ solitare100:
in den usa geht das in ordnung, weil es die regierung so will. eher politisch motiviert - schließlich muss man noch was tun, um das wahlvolk gnädig zu stimmen. auch amerik. ökonomen kristisieren diese vorgehensweise.
Der Begriff " HWWI - Chef " hat absolut keine qualifizierte Bedeutung. Er soll lediglich dem Leser suggerieren, dass es sich um ein " wissenschaftliches Institut " handelt. Dem ist nicht so. Einer meiner Vor-Kommentatoren hat es auf den Punkt gebracht.
Das Interview unterstreicht diesen Sachverhalt eindrucksvoll.
Er verliert kein Wort über die Kostensteigerung im Dollarraum. hervorgerufen durch den niedrigen Dollar. Auch kein Wort, dass durch das US - Konjunkturprogramm und der gigantischen Staatsverschuldung der Dollar weiter unter Druck gerät bzw. der Euro weitere Aufwertungstendenzen erfährt. Weiterhin schwadroniert er fröhlich davon, dass der Aufschwung nur bedingt bei den Arbeitnehmern ankommt, aber stark bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs. Die Lehre daraus bleibt er dem Leser schuldig. Dann spricht er merkwürdiger Weise davon, dass ca. 1 Mio. Menschen in diese Jobs zusätzlich kommen können, wahrscheinlich 400 Euro oder Dumping - Lohn Jobs. Jedenfalls läßt sein nächster Satz sehr darauf schließen. Und die "Inlandsnachfrage wird stabilisiert". Alle Indizien sagen das Gegenteil aus!
Sein Interessenverband kritisiert schon immer jedwedes Konjunktur - Programm. Aber in den USA geht das in Ordnung.
Es scheint allerdings, dass die INSM langsam den Rückzug antritt, und die keynesianische Politik nicht mehr im Bausch und Bogen verteufelt.
Alles in Allem eben ein sehr oberflächliches Interview und somit eines Schweizers unwürdig. Aber dass kennen wir bei Professor Straubhaar ja zur Genüge.
# Straubhaar war zuvor Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA).
Dieses wurde aufgrund einer Empfehlung des Leibniz-Instituts wegen schlechter Evaluationsergebnisse von der öffentlichen Förderung und der Beraterfunktion der Bundesregierung ausgeschlossen.
Das daraufhin von ihm gegründete Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) ist ein Privatverein.
# Straubhaar ist Botschafter der berüchtigten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die insbesondere wegen ihrer als "wissenschaftlich" getarnten Einflussnahme auf die Medien und Schleichwerbung im Fernsehen bekannt ist, um "die Bürger der Bundesrepublik Deutschland von der Notwendigkeit marktwirtschaftlicher Reformen zu überzeugen."
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ist er einer der profiliertesten Volkswirte der Republik sondern gehört in die Kategorie Neoliberaler, die immer noch der Ansicht sind, dass Lohnkürzungen notwendig sind, um die Binnennachfrage zu reduzieren, weil nur so der Aufschwung gewährleistet werden kann, der Aufschwung, der von irgendwoandersher kommt.
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