HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher Landesskandalbank vor Gericht

Erstmals in Deutschland steht der komplette ehemalige Vorstand eines Geldinstituts vor Gericht. In Hamburg sollen sich Dirk Nonnenmacher und die anderen einstigen Top-Manager der HSH Nordbank für ihre Taten in der Finanzkrise verantworten. Haben sie Millionen verzockt?

Von Kristina Läsker, Hamburg

Sie haben den größten Saal gewählt. Mit dem dunklen Holz und dem Parkett vermittelt der Plenarsaal im Hamburger Strafjustizgebäude einen Anspruch von Würde und Seriosität. Es ist ein Raum für wegweisende Urteile, und ein solches soll hier gefällt werden. Denn an diesem Mittwoch beginnt ein Mammutprozess, auf den eine ganze Branche schaut. Erstmals in Deutschland steht der komplette ehemalige Vorstand einer Bank vor Gericht, um sich für seine Taten während der Finanzkrise zu verantworten.

Angeklagt sind sechs einstige Top-Manager der HSH Nordbank aus Hamburg. Im Fokus des größten Wirtschaftsprozesses des Jahres steht der frühere Bank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher, 50. Diesen Mann haben sie Dr. No genannt, und mit seinen schwarzen gegelten Haaren ist er zur Symbolfigur geworden für all jene, die Banker bloß für Zocker halten, die skrupellos mit Millionen spielen und dabei leichtfertig unüberschaubare Risiken eingehen. Ob das beim Mathematikprofessor tatsächlich der Fall war, soll nun die Große Strafkammer 8 des Hamburger Landgerichts entscheiden.

Angeklagt ist der komplette Ex-Vorstand der Bank wegen schwerer Untreue in einem Geschäft namens Omega 55. Nonnenmacher und dem damaligen Kapitalmarkt-Vorstand Jochen Friedrich, 49, wird zudem unrichtige Darstellung der Bilanz vorgeworfen. Mit dieser Bilanzkosmetik sollen sie angeblich die teuren Folgen des Omega-Geschäfts übertüncht haben. Es sind sehr komplexe Geschäfte und große Vorwürfe, über die der Vorsitzende Richter Marc Tully, zwei weitere Berufsrichter und zwei Schöffen urteilen müssen. Das Verfahren soll lange dauern: Bis Jahresende sind bereits 40 Sitzungstage angesetzt. Von 2014 an wollen sie zwei Mal pro Woche verhandeln, montags und mittwochs.

Viele Politiker im Aufsichtsrat

Verantworten muss sich auch der damalige Bankchef Hans Berger, der frühere Immobilienvorstand Peter Rieck, Ex-Risikovorstand Hartmut Strauß sowie Bernhard Visker, einst bei der HSH zuständig für Firmenkunden. Alle sechs Top-Banker bestreiten jegliche Vorwürfe aufs Schärfste. Sie finden sich aus ihrer Sicht völlig zu Unrecht auf der Anklagebank wieder. Schon jetzt ist der Schaden groß. Das Image der Manager hat gelitten, keiner von ihnen arbeitet noch bei einer Bank. Als letzter musste Nonnenmacher - er war zuerst Finanzchef und später Vorstandsvorsitzender - die HSH Nordbank im Frühjahr 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen, doch er fiel damals weich: Seine Abfindung betrug vier Millionen Euro.

Das ist die politische Komponente in diesem Prozess: Die HSH Nordbank gehört Hamburg und Schleswig-Holstein zu 85,4 Prozent. Die Landesregierungen im Norden wollen unbedingt Fehlgriffe aufklären und Schuldige benennen lassen. Was peinlich ist: Als die Omega-Geschäfte 2007 und 2008 ihren Lauf nahmen und die Bank mit an den Rand der Pleite brachten, saßen vier Politiker der Nordländer im Aufsichtsrat. Chefkontrolleur war damals der Ex-Finanzsenator von Hamburg, der CDU-Politiker Wolfgang Peiner.