HSBC Schweizer Bank hortete Schwarzgeld für Kunden

  • Ein Datenleck belastet die Schweizer Tochter der Großbank HSBC. Vertrauliche Dokumente zeigen, wie das Geldhaus in Genf mit Steuerhinterziehern und anderen Kriminellen Geschäfte machte.
  • Unter den Kunden waren auch Angehörige von Königshäusern aus dem Nahen Osten und Regierungsmitglieder etlicher Länder.
  • Bei der Schweizer HSBC waren Milliardenbeträge angelegt - viel davon offenbar als Schwarzgeld.
  • Finanzbehörden in mindestens zwölf Ländern haben mit den internen Unterlagen der Bank bereits mehr als eine Milliarde Euro Steuern und Strafen eingetrieben.
Von Bastian Brinkmann, Robert Gast, Christoph Giesen, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Kriminelle, Angehörige von Königshäusern aus dem Nahen Osten und Regierungsmitglieder etlicher Länder haben bei einer Schweizer Tochter der Großbank HSBC Milliardenbeträge angelegt - viel davon offenbar als Schwarzgeld. Das geht aus Tausenden vertraulichen Dokumenten hervor, die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR einsehen konnten. Auf den darin aufgeführten Konten von Kunden der Genfer Niederlassung der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) lagerten 2007 mehr als 75 Milliarden Euro.

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Die Unterlagen liegen seit einiger Zeit auch Finanzbehörden in mindestens zwölf Ländern vor, unter ihnen Deutschland. Insgesamt haben Ermittler weltweit damit bereits mehr als eine Milliarde Euro Steuern und Strafen eingetrieben. Es ist das bisher größte Datenleck in der Bankenbranche, das von Ermittlern und Journalisten ausgewertet wurde. Betroffen ist die Schweizer Tochtergesellschaft HSBC Private Bank. Mehr als 100 000 Personen aus mehr als 200 Ländern und Territorien sind in den Daten zu finden.

Die HSBC ist die zweitgrößte Bank der Welt, gemessen an der Bilanzsumme. Die Unterlagen belegen im Detail, wie Bankberater Kunden halfen, ihr Vermögen zu verschleiern. In den Dokumenten finden sich Verwandte und Regierungsmitglieder von Autokraten wie Syriens Machthaber Baschar al-Assad, Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak und Chinas ehemaligem Premier Li Peng. Außerdem tauchen Verbindungen zu mutmaßlichen Blutdiamantenhändlern, Waffenschiebern und Terrorfinanzierern auf.

Die HSBC gesteht das Fehlverhalten der Schweizer Niederlassung ein. "Wir sind verantwortlich für das Kontrollversagen in der Vergangenheit", teilt das Institut mit. Die Schweizer HSBC habe "zu viele Hochrisiko-Konten" geführt. Die Bank verweist darauf, dass sie sich mittlerweile von allen steuerlich problematischen Kunden getrennt habe.

Französische Fahnder hatten 2009 bei einem ehemaligen Mitarbeiter der HSBC, Hervé Falciani, die Dokumente beschlagnahmt. Von rund 3000 ausgewerteten französischen Konten waren nur sechs den Finanzämtern gemeldet. Ausländische Steuerfahnder haben von Frankreich Unterlagen bekommen, um in ihren Ländern zu ermitteln - Deutschland im Jahr 2010. In welcher Höhe hinterzogene Steuern von deutschen Behörden zurückgeholt werden konnten, bleibt unklar.

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Die HSBC-Dokumente der französischen Fahnder gelangten auch in den Besitz der Pariser Zeitung Le Monde. Sie übergab die Daten an das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington, das sie 45 Medien weltweit zur Verfügung stellte, darunter dem Guardian, der BBC und der US-Sendung 60 Minutes. Mehr als 140 Journalisten werteten die Dokumente in einer monatelangen Recherche aus.

Gegen Falciani hat die Schweizer Staatsanwaltschaft vor Kurzem Anklage erhoben. Sie wirft dem Informatiker vor, Daten der HSBC gestohlen zu haben. Diese habe Falciani dann ausländischen Banken und Behörden angeboten, so die Schweizer Ermittler. Falciani lebt derzeit unter Polizeischutz an einem unbekannten Ort in Frankreich.

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(Foto: picture alliance / dpa)