HP-Zulieferer Foxconn wieder am Pranger

Aus Verzweiflung über die Arbeitsbedingungen nahmen sich vor vier Jahren mehrere Angestellte des Elektroniklieferanten Foxconn in China das Leben. Gebessert hat sich seither fast nichts. Nun ist von neuen Todesfällen die Rede.

Von Marcel Grzanna, Shanghai

Der Zugang ins Internet führt heutzutage fast immer über Asien. Einige der weltweit größten Anbieter von Mobiltelefonen, Laptops oder Heimcomputern haben auf dem Kontinent ihren Sitz, oder sie lassen hier fertigen. Besonders China ist ein beliebter Standort für die Marktführer. Billige Arbeitskräfte schrauben in der Volksrepublik zusammen, was anderswo ausgedacht und konzipiert wird. Eng verbunden damit: der Name Foxconn als zwielichtiger Inbegriff dieser Auftragsarbeit.

Der chinesische Arm des taiwanischen Elektronikkonzerns Hon Hai lässt rund 1,2 Millionen Menschen für sich schuften: schlecht bezahlt, schlecht behandelt, schlecht ausgebildet. Mehr als ein paar Handgriffe lernen die oft jungen Angestellten bei Foxconn nicht. Wer aussteigt, wird binnen weniger Stunden ersetzt: das Wegwerfmodell der Arbeit. Das Management-System bei Foxconn steht seit Jahren in der Kritik.

Militanter Befehlston von Vorgesetzten, Geldstrafen bei Ungehorsam und ein Lohngefüge, das die Mitarbeiter zu massenhaft Überstunden nötigt, setzen den jungen Beschäftigten zu. Die Bedingungen gelten als Ursache für eine ganze Reihe von Selbstmorden in den vergangenen vier Jahren von Foxconn-Angestellten. Das Unternehmen gelobte Besserung. Doch geschehen sei fast nichts, klagen Arbeiter.

Arbeiter sprechen von acht bis neun Todesfällen seit 2013

Schlimmer noch: Eine Foxconn-Fabrik in Chongqing im Westen Chinas war nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in den vergangenen zwölf Monaten Schauplatz einer neuen Suizidserie. Arbeiter sprechen von acht bis neun Todesfällen durch Selbstmord seit 2013. Der jüngste Fall soll sich erst im April dieses Jahres ereignet haben. 2010 hatten sich mehr als ein Dutzend Arbeiter auf dem Foxconn-Gelände in Shenzhen umgebracht, 2013 nahmen sich drei Angestellte des Standorts Zhengzhou das Leben.

Die jetzt betroffene Fabrik in Chongqing stellt in erster Linie Notebooks für den US-Hersteller HP her. Das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto in Kalifornien bestätigte auf Anfrage "Zwischenfälle, die untersucht werden". Eine genaue Zahl nannte eine HP-Sprecherin nicht, betonte aber, sie sei deutlich geringer, als von den Arbeitern behauptet. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte der Computerhersteller zudem mit: "HP nimmt die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die seine Produkte herstellen, sehr ernst und pflegt hohe Standards bei der Auswahl seiner Lieferanten."

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HP-Mitarbeiter in China seien mit der Untersuchung der Vorfälle befasst. Allerdings, so räumte die Sprecherin ein, seien die Mitarbeiter nicht ständig vor Ort. Wenn nötig, würde man Maßnahmen einleiten, um die Kommunikation zwischen Management und Arbeitern ebenso zu verbessern wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch würde man den Arbeitern psychologische Hilfe anbieten. Foxconn reagierte nicht auf eine Anfrage.