Von Michael Kuntz

Spitzenhotels sind vielen zu teuer geworden: Wie die Branche auf ihre Klientel reagiert, die sich Luxus nicht mehr leisten kann.

Was schätzen Sie in einem Hotel am meisten? "Perfektes Benehmen, vorteilhafte Beleuchtung, gedämpfte Farben, traditionelle, bequeme Möbel, geruchloses, elegantes, funktionierendes Badezimmer, zuverlässigen Roomservice."

Hotels, dpa

Nicht alle Hotels sind auf Sterne angewiesen: Weltweite Reservierungssysteme bringen die Gäste scharenweise ins Haus - und niemand fragt nach den Sternen. (© Foto: dpa)

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So antwortete Edda Moser nach einem Aufenthalt im Steigenberger Frankfurter Hof. Die berühmte Kammersängerin und Professorin schätzt den Komfort des Luxushotels - und kann ihn sich offenbar auch leisten. Davon allerdings gibt es in der Finanzkrise immer weniger Menschen.

Konzerne verbieten es ihren Führungskräften, in Spitzenhotels zu logieren. Eine Herberge mit vier statt fünf Sternen muss reichen.

Die Controller achten mehr als früher darauf, dass die verschärften Reiserichtlinien auch eingehalten werden. Mancher Manager kann sich selber nicht mehr am Luxus erfreuen, wenn er Mitarbeiter entlassen oder seine Belegschaft kurzarbeiten muss.

Die Mischung aus reinem Sparzwang und neuer Bescheidenheit bekommt vor allem die Spitzenhotellerie in den Großstädten zu spüren. Zimmer bleiben häufig leer, Konferenzräume sowieso, auch in den Restaurants ist wenig los. Bei einigen Häusern brach das Geschäft um ein Drittel ein.

Sternverzicht

Einige Fünf-Sterne-Häuser trennen sich daher von einem Stern. So wie das Interconti in Berlin am Zoologischen Garten. In Deutschlands größtem Tagungshotel findet alljährlich Ende November der Bundespresseball statt. Die Hotelkette Hilton verzichtet gleich ganz darauf, sich nach den Kriterien des Branchenverbandes Dehoga besternen zu lassen.

Was für kleine Hotels eine Notwendigkeit ist, darauf können globale Konzerne verzichten. Jedenfalls jene, deren Name so etabliert ist, dass jeder Reisende weiß, was ihn erwartet. Weltweite Reservierungssysteme bringen dann die Gäste scharenweise ins Haus und niemand fragt nach den Sternen. Wer Hilton bucht, weiß, was er bekommt.

Im Park Hilton München war das in diesem Winter zum Beispiel ein wöchentlicher Bouillabaisse-Abend, bei dem im Preis der Fischsuppe für zwei eine Flasche Chablis gleich inbegriffen war. Durch solche Aktionen versuchen die Hotelmanager, ihre schwach besuchten Restaurants zu füllen. Schließlich müssen Köche und Kellner bezahlt werden, auch wenn die Schlacht am Büffet mangels Gästen eher eine Seltenheit ist.

Das bekannte Kempinski am Berliner Kurfürstendamm verschiedete sich vom Konzept des klassischen Hotelrestaurants. In seinem Reinhard's stehen die Tische nicht so eng wie bei den Italienern, man schaut durch große Fenster auf den restlichen Glanz des einstigen Prachtboulevards, vor allem aber liegen die Preise nur noch geringfügig über dem Niveau benachbarter Lokalitäten.

Das funktioniert offenbar, das Leben pulsiert nicht nur vor der Tür, sondern auch wieder im Inneren des Luxushotels, das zuletzt wegen der für ein Haus mit hohem Standard sehr niedrigen Zimmerpreise ab 130 Euro einschließlich Zugang zum Wellnessbereich bei anderen Hoteliers für Verstimmung sorgte.

Die Versuchung ist groß, mit Sonderangeboten die, wie es in der Branche heißt, "kalten Betten" mit zahlender Kundschaft zu beheizen. Diese Woche war beim führenden Buchungsportal im Internet für Ostern ein Doppelzimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel in Berlin bereits für hundert Euro erhältlich.

Warnung vor Preisnachlässen

So ein Zimmerpreis ist auf die Dauer für das Haus nicht zu verkraften, da sind sich Branchenexperten einig. Denn der Betrag ist zwar ein Beitrag zu den Kosten, die auch für ein leerstehendes Zimmer anfallen, Geld verdienen lässt sich so aber nicht.

Stephan Gerhard von der Hotelberatung Treugast rät deshalb auch dringend von ruinösen Preisnachlässen ab. Der Gast im Spitzenhotel müsse durch zusätzlichen Service den Unterschied zum Vier-Sterne-Hotel noch deutlicher erleben. So lassen sich bisher separat berechnete Leistungen für Internet, Frühstück und Tagungsräume in sogenannten Businesspauschalen zusammenfassen.

Im Verzicht auf einen Stern sieht Gerhard keine dauerhafte Lösung. Er glaubt, dass die Krise irgendwann vorüber ist und die Zeit der Luxushotels dann zurückkehrt. Bis es soweit ist, sortieren sich die 35.000 vorwiegend mittelständischen Betriebe mit zusammen zwölf Milliarden Euro Umsatz neu.

Trotz ihrer zusätzlichen Gäste aus dem Luxussegment gewinnen die Hotels mit vier oder drei Sternen nicht unbedingt in der Krise. Denn sie verlieren wiederum einen Teil ihrer angestammten Kundschaft, weil die in Hotels mit zwei Sternen wechseln. Diese Budget-Häuser passen besonders gut in die wirtschaftlich schwierige Zeit, besonders dann wenn sie wie "Motel One" den Purismus mit attraktivem Design verbinden.

In diesem Kaskaden-Spiel sind die Fünf-Sterne-Häuser in jedem Fall Verlierer: Sie haben ein spezifisches Problem. Über ihnen ist niemand, der zu ihnen absteigen könnte. Diese Not macht erfinderisch. Hoteldirektoren lassen Etagen auf vier Sterne abrüsten und vermeiden in ihrer Werbung das Wort Luxus.

Edda Moser beantwortete noch eine weitere Frage. Was bedeutet Luxus für Sie? "Dezente Eleganz." Die gibt es derzeit besonders preisgünstig in etlichen Hotels mit fünf, vier oder auch gar keinen Sternen.

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(SZ vom 03.04.2010/hgn)