Honorarverhandlungen 800 Millionen Euro mehr für Ärzte

Die Honorare der niedergelassenen Ärzte sollen im kommenden Jahr kräftig steigen - im Durchschnitt um mehr als 5000 Euro pro Mediziner. Vielen ist die Erhöhung noch zu klein.

Von Guido Bohsem

Die rund 150.000 niedergelassen Ärzte und Psychotherapeuten können im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Honorare um bis zu drei Prozent rechnen. Das sind zwischen 590 und 800 Millionen Euro. Rein rechnerisch entfiele also auf jeden Arzt ein Plus von bis zu 5300 Euro im Jahr. Je nach Region oder nach Art der Arztpraxis kann dieser Betrag aber auch deutlich unter diesem Wert liegen.

Der Spitzenverband der Krankenkassen nannte das Ergebnis einen vertretbaren Kompromiss. Der Chef der Kassenärztliche Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sprach von einem Beitrag, der zumindest einen Teil der Preissteigerungen abdecken könne. Scharfe Kritik kam vom Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, dem NAV Virchow-Bund.

Durch die komplizierte Berechnung des Honoraranstiegs ist es nicht möglich, eine feste Summe anzugeben. Der Anstieg setzt sich aus zwei Vereinbarungen zusammen. Grob gesprochen, handelt es sich dabei einmal um die Menge der ärztlichen Leistungen und zum anderen um den Preis, der für die Leistung gezahlt wird. Auf Bundesebene wird nur der Anstieg des Preises verbindlich ausgehandelt, der sogenannte Orientierungswert. Dieser soll von Januar 2014 an um 1,4 Prozent steigen.

Anstieg noch nicht klar

Der Anstieg der Menge wird in den jeweiligen Bezirken der Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbart. Auf Bundesebene wird lediglich ein Korridor festgesetzt, der zwischen 0,4 und 1,4 Prozent liegen soll. Erst nach Abschluss der Verhandlungen vor Ort wird also feststehen, wie hoch der tatsächliche Honoraranstieg ist.

Ferner verständigten sich Ärzte und Kassen noch auf eine Art Sonderzahlung in Höhe von 140 Millionen Euro. Die Hälfte des Betrages geht an die Hausärzte, die andere Hälfte an die Fachärzte. Mit der zusätzlichen Geldspritze wird die Grundversorgung besser honoriert. So soll verhindert werden, dass sich immer mehr Mediziner auf bestimmte Leistungen spezialisieren, weil dies besser honoriert wird. Mit dem Geld soll dieser Bereich wieder lukrativer gestaltet und somit die Versorgung der meisten Patienten verbessert werden.

Sachlich und ohne Streit

Im vergangenen Jahr war es während der Honorarverhandlungen zu massiven Protesten der Ärzteschaft gekommen. Tausende Arztpraxen blieben geschlossen, die Mediziner und ihr Personal machten ihren Unmut bei Protestkundgebungen laut. Damals hatten sich Kasse und Ärzte auf einen Zuwachs des Honorars zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro verständigt, was deutlich über dem gerade erzielten Betrag liegt. Die Ärzteschaft hatte massive Vorwürfe gegen die Kassen erhoben und ihnen einen unfairen Umgang vorgeworfen.

Im Vergleich dazu verliefen die diesjährigen Verhandlungen jedoch deutlich sachlicher und gänzlich ohne öffentlichen Streit, sondern im vertraulichen Hintergrund. Nach der massiven Auseinandersetzung 2012 wolle keiner der Verhandlungspartner eine erneute Eskalation, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

NAV-Virchow-Chef Dirk Heinrich bezeichnete die vereinbarte Honorarsteigerung als nicht ausreichend. Das Verhandlungsergebnis beim Orientierungswert sei zu wenig. "Angesichts der mageren Steigerung im Vorjahr, findet die Honorarentwicklung keinen Anschluss an die Kostenentwicklung", sagte er.