Politiker, Notenbanken und Manager suchen fieberhaft einen Ausweg aus der Krise. Doch ohne eine Finanzreform wird es keinen Aufschwung geben.
Es kommt immer auf den Standpunkt an. Für sich genommen, sind die Aussichten für das kommende Jahr alles andere als berauschend. Die deutsche Wirtschaft wird nach der neuesten Prognose des Internationalen Währungsfonds 2010 um magere 0,3 Prozent wachsen. Vielleicht werden es ein paar Zehntelprozentpunkte mehr, vielleicht schrumpft das Bruttoinlandsprodukt aber auch noch einmal.
Bauarbeiter in Frankfurt am Main: Experten prognostizieren für 2010 einen Aufschwung. (© Foto: dpa)
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Kurse ohne Substanz
Auf jeden Fall wird die Arbeitslosigkeit weiter steigen, wie in fast allen Industrieländern. Zwar sind Aktien heute so teuer wie seit 13 Monaten nicht mehr, aber die Hausse hat Züge einer Spekulationsblase: Alle wollen noch schnell mitmachen, ehe die Musik aufhört zu spielen; alle wissen, dass den Kursen die Substanz fehlt.
Richtig würdigen lässt sich die gegenwärtige Lage aber nur, wenn man zurückblickt. Vor einem Jahr schien der Weltuntergang nahe zu sein. Nach dem Fall von Lehman Brothers stürzte alles in den Keller, die Wachstumsprognosen, die Aktienkurse, die Kredite. Zwischen den großen Banken war jedes Vertrauen verschwunden. Hätten nicht die Regierungen und die Notenbanken in der ganzen Welt in einer beispiellosen Aktion koordiniert eingegriffen, wäre die Wirtschafts- und Finanzkrise vermutlich noch schlimmer geworden als die Große Depression der Jahre 1929 bis 1933.
Aber die Staaten haben eingegriffen, und die Lage sieht heute wieder fast normal aus. Möglicherweise liegt aber gerade in diesem Anschein der Normalität die derzeit größte Gefahr für die Zukunft. Wer glaubt, alles sei wie vor der Krise, neigt zu Fehlschlüssen.
Der Untergang ist abgesagt
Leicht wird jetzt im politischen Alltag vergessen, welch große Errungenschaft es war, dass die Staatengemeinschaft erstmals in der Geschichte gemeinsam den Absturz in eine globale Depression verhindert hat. Schon allein die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr wieder wachsen wird, so bescheiden die Zahlen auch sein mögen, ist daher ein riesiger Erfolg.
Aber die Lage ist eben alles andere als normal. Politiker, Notenbankgouverneure und Manager befinden sich in einer Situation, wie es sie noch nie gab in der Geschichte und für die deshalb auch noch keine Handlungsanleitungen vorliegen. Der Weltuntergang ist abgesagt, aber jetzt hängt die Weltwirtschaft komplett von der staatlich verordneten Geldschwemme ab. Die Notenbanken pumpen weiter Dollar und Euro ins System, im amerikanischen Staatshaushalt klafft ein Defizit von 13 Prozent des BIP. So etwas gab es zuvor nur in Zeiten des Krieges. All dies ist nicht nachhaltig und muss korrigiert werden. Die Frage ist nur, wann.
Einiges weiß man immerhin aus der Wirtschaftsgeschichte. Rezessionen, die mit einer Finanzkrise verbunden waren, sind zäher als andere. Der nächste Aufschwung fällt also schwächer aus. Die Gründe dafür sind einfach: Nach einer Finanzkrise ist der Bankensektor geschwächt, die Versorgung mit Krediten für die Wirtschaft wird knapper. Hohe Gewinne von Goldman Sachs, Deutscher Bank und anderen Investmentbanken dürfen über dieses Problem nicht hinwegtäuschen. Dies lässt sich besonders gut in den Vereinigten Staaten beobachten.
An der Wall Street suggeriert der Dow-Jones-Index mit Werten deutlich über der Marke von 10.000 Punkten, es könne nur noch nach oben gehen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen sieht das Bild dagegen ganz anders aus. In den vergangenen sechs Monaten sind die Kredite der Geschäftsbanken um sechs Prozent gesunken. Allein in diesem Jahr mussten bisher 120 kleine und mittlere Banken aufgeben und sich unter die Kontrolle der staatlichen Einlagensicherung FDIC begeben. Die Welle der Bankpleiten dürfte noch bis Mitte 2010 anhalten. Auch in Deutschland ist der Banksektor schwer getroffen von der Krise. Das ungelöste Problem der maroden Landesbanken lastet auf der Gesamtwirtschaft.
Der IWF glaubt, dass es noch bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts dauern könnte, bis sich die Kreditvergabe weltweit normalisiert hat. Die Banken müssen ihre Reserven aufstocken und die Verschuldung verringern. Schärfere Regeln für die Finanzinstitute, die jetzt als Konsequenz aus der großen Krise beschlossen werden, verstärken die Tendenz noch.
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DFB-Elf vor der Europameisterschaft
... die Möglichkeit einer weltweiten Regulierung der Finanzwirtschaft . Und Herrn Piper dürfte nicht verborgen geblieben sein , dass bei den bisherigen Gipfeltreffen viel heiße Luft produziert wurde , die sich inzwischen wieder auf Normaltemperatur abgekühlt hat : business as usual !
Außerdem dürfte sich inzwischen auch bei der Politik und der Wirtschaft der Verdacht rumgesprochen haben , es könnte alles nicht an der Krise in der Finanzindustrie liegen , am Fehlverhalten der Banker , an einer Kreditklemme für die Unternehmen der "Realwirtschaft" , sondern an einer Profitklemme . Stichworte : Überkapazitäten , Unterauslastung , Automatisierung , Anstieg der Arbeitslosigkeit , Rückgang der Kaufkraft - alles Faktoren , die nicht unmittelbar von Problemen der Finanzwirtschaft induziert sind .
Und : keine Heilmittel in Sicht !
Was im großen (Martin Luther) funktioniert, klappt auch im kleinen. Etliche Kommentatoren hier lagen mit ihren Vorhersagen immer weit daneben. Trotzdem bekommen sie immernoch grün. Manche Menschen lassen sich da in ihren Vorstellungen nicht beirren. Auch nicht von der Realität.
... gern , liebe SZ-Redakteure ! :-)))
Der Artikel hört sich, bezüglich der Lohnnebenkosten, ein bißchen nach INSM an.
Natürlich behaupten das die Arbeitgeber und deren Sprachrohre.
Gut daß einige genau recherchieren:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=601
Genau hinschauen sollten die Bürger:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/nebenkosten.html
@ Legis immer wieder ins Volle treffend.
Gehen Sie in die Politik und holen Sie sich Unterstützung!
Gruss
Paging