Höhere Mehrwertsteuer für Saunabesuche Kalt erwischt

Auch sie müssten in Zukunft womöglich mehr für einen Saunabesuch zahlen: Moderatorin Verona Pooth und Komödiant Helge Schneider - hier bei einer gemeinsamen Fernsehproduktion 2001.

(Foto: OBS)

Nichts mehr mit Gesundheitsprophylaxe: Weil der Saunagang demnächst als Wellness-Vergnügen gilt, sollen die Heiß-Kalt-Freunde ab 2015 den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen. Die Branche ist empört und befürchtet einen dreistelligen Millionenschaden.

Von Claus Hulverscheidt

Wenn sich das Gesicht von Hans-Jürgen Gensow knallrot verfärbt und die Schweißperlen tiefe Schluchten in seinen dunkelblonden Haarschopf graben, dann ist das für gewöhnlich kein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil: Es ist ein Augenblick ganzheitlicher Freude, denn Gensow hält den Besuch einer Sauna nicht nur für ein sinnliches Vergnügen, sondern auch für aktive Gesundheitsvorsorge, Stressabbau und Erholung.

Bisher teilte der Staat diese Ansicht und verzichtete auf ein Gutteil der Mehrwertsteuereinnahmen, die die rund 2150 öffentlichen Schwitzbuden in Deutschland eigentlich abführen müssten. Statt mit 19 Prozent wird das Sauna-Ticket nur mit sieben Prozent belastet, mit jenem ermäßigten Steuersatz also, der so häufig für Ärger sorgt, weil er etwa für Maulesel gilt, nicht aber für Esel, für Tauben, nicht aber für Kanarienvögel.

Sauna gilt ab sofort als Wellnessvergnügen

Nun erreicht dieser Ärger auch Gensow und seine Mitstreiter vom Deutschen Sauna-Bund (DSB): Weil die Schwitzerei plötzlich nicht mehr als Gesundheitsprophylaxe, sondern als Wellness-Vergnügen gilt, sollen die Heiß-Kalt-Freunde von 2015 an den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen. Damit müssten entweder die Sauna-Betreiber auf viel Geld verzichten, oder ein Ticket würde statt zum Beispiel 20 in Zukunft gut 22,20 Euro kosten.

Die Finanzminister von Bund und Ländern halten das für folgerichtig und verweisen auf ein entsprechendes Urteil des Bundesfinanzhofs von 2005 - das sie aus Angst vor dem Zorn der Sauna-Gänger allerdings bisher selber ignoriert hatten. Der DSB dagegen befürchtet ein "Bädersterben" und einen wirtschaftlichen Schaden von über 200 Millionen Euro, sollte die Reform in Kraft treten.

Doch damit nicht genug: Wie meist nämlich, wenn am Mehrwertsteuerrecht herumgedoktert wird, ist das Chaos am Ende noch größer als zuvor. So bleiben Sauna-Besuche, die "grundsätzlich verschreibungsfähig" sind, steuerbegünstigt - was immer das heißen mag. Neuer Streit ist also sicher - schiefe Bilder inklusive: "Einem nackten Mann", so der Sauna-Bund in einer Pressemitteilung, "greift man nicht so schamlos in die Taschen!"