Hochfrequenzhandel Schneller als Menschen

An den Börsen weltweit, auch in Tokio, herrschte zu Wochenbeginn Chaos.

(Foto: dpa)
  • Intelligent programmierte Programme verabeiten in Sekundenbruchteilen neue Marktinformationen und handeln riesige Summen.
  • Das Börsen-Beben Anfang der Woche hat die Debatte um die Entmenschlichung des Börsenhandels neu entfacht.
Von Markus Zydra, Frankfurt

Der kanadische Börsenhändler Brad Katsuyama wollte seinen Augen nicht trauen. Er hatte sich gerade für den Kauf einer Aktie entschieden, da sah er auf dem Bildschirm, dass sich der Preis genau in dem Moment erhöhte, als er den Kauf per Mausklick ausführte. Katsuyama kam es so vor, als ob ein anderer Finanzmarktprofi ganz genau wusste, was er nun kaufen würde. Bald fand er heraus, dass intelligent programmierte Handelscomputer ihm die Aktien vor der Nase weggeschnappt hatten, um ihm die Papiere dann etwas teurer zu verkaufen. Hochfrequenzhändler hatten sich dazwischen gemogelt.

Der amerikanische Autor Michael Lewis hat die wahre Geschichte über Katsuyama 2014 in seinem Buch "Flash Boys" aufgeschrieben. Lewis behauptet, dass Hochfrequenzhändler andere Börsianer mit solchen Finten über den Tisch ziehen, und dass diese Computersysteme, die in Millisekunden handeln, im Ernstfall die Panik an den Börsen verstärken. An den wichtigsten Börsen der Welt bestreiten Hochfrequenzhändler mittlerweile über 50 Prozent des Handelsumsatzes - auch im deutschen Aktienindex Dax.

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Das Beben an den Weltbörsen Anfang der Woche hat die Debatte um die Entmenschlichung des Börsenhandels neu entfacht. Die Computerprogramme werden zwar von Menschen entwickelt, doch die Maschinen handeln selbsttätig auf Basis von Rechenregeln, die tagein tagaus in Sekundenbruchteilen die neuesten Marktinformationen verarbeiten.

Der Handel ohne Menschen verstärkt den Herdentrieb am Aktienmarkt

Ein neuer Geist beherrscht die Börse. "Die Anlegerstruktur der Aktienmärkte hat sich in den letzten 15 Jahren komplett verändert", sagt Ulrich Reitz, Investmentchef der Vermögensverwaltung Focam. Früher hätten Investoren Aktien gekauft, um sie lange zu halten. Doch wegen der zunehmend starken Kursschwankungen - der Dax notierte seit 2000 mehrfach bei 8000 Punkten, um dann wieder bis auf 2200 und 3600 Punkte zu fallen - sei dieser Ansatz nicht mehr zeitgemäß. "Hochfrequenzhändler und Hedgefondsmanager bestimmen das Geschäft, sie spekulieren auf steigende und fallende Kurse und handeln sehr schnell. Privatanleger können nicht mithalten", sagt Reitz.

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Natürlich gibt es für die jüngsten Börsenturbulenzen handfeste Gründe. Die Welt fürchtet, dass Chinas Wachstumsraten zurückgehen. Preiskorrekturen dürfen in dieser Situation nicht überraschen, denn Finanzmärkte gelten meist als effizient, die dort gehandelten Preise deshalb als fair.