Ein Viertel der Filialen wird geschlossen, 500 Stellen fallen weg: Trotz dieser Maßnahmen kann Hertie ohne weitere Mietsenkungen nicht überleben.
Wenn die Mieten für die verbleibenden 54 Filialen nicht bis Ende Februar deutlich nach unten geschraubt würden, müsse Hertie seine Pforten ganz schließen, erklärte Insolvenzverwalter Biner Bähr am Mittwoch in Essen.
Auch wenn Hertie viele Stellen abbaut und Filialen schließt - das überleben ist noch lange nicht gesichtert. (© Foto: dpa)
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Hertie hat die überwiegende Zahl der Häuser vom britischen Eigentümer Dawnay Day gemietet. Dieser hatte Hertie 2005 übernommen, war dann aber in finanzielle Schieflage geraten.
Hertie will 19 der 73 Filialen dichtmachen und die Zentrale verschlanken. "Wenn wir diese Filialen nicht schließen, würden wir auch die anderen gefährden", sagte Bähr.
Zukunft nur mit schwarzen Zahlen
Erhalten blieben nur die Filialen, die innerhalb eines Jahres die Ertragswende schaffen könnten, sagte Unternehmensberater Michael Paul, der das Konzept mit erarbeitet hat. Auch drei "Reiseland"-Reisebüros würden geschlossen, sagte Bähr.
Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 650 der 3400 Mitarbeiter, davon 30 in der Zentrale. Die Gewerkschaft Verdi sprach von mehr als 700 Beschäftigten. Gespräche mit den Betriebsräten sollten in Kürze aufgenommen werden.
Wenn ein neuer Investor gefunden sei, müssten sich auch die übrigen Mitarbeiter auf Einschnitte gefasst machen, sagte Bähr.
Er will bis Ende Februar einen neuen Eigentümer präsentieren. "Unser großes Problem ist, dass Hertie nur Mieter der Häuser ist, Vermieter ist zum großen Teil der Gesellschafter Dawnay Day", sagte Bähr.
Der Investor verlange bis zu 20 Prozent des Umsatzes als Miete. Das sei nicht zu erwirtschaften. Marktüblich seien etwa fünf Prozent vom Umsatz. Das peilt auch Bähr an.
"Alle Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel"
"Mit dieser Frage steht und fällt dieses Unternehmen." Verdi-Handelsexperte Johann Rösch forderte Dawnay Day auf, die Mieten erheblich zu reduzieren. "Ohne diese Bereitschaft stehen alle Arbeitsplätze bei Hertie auf dem Spiel", sagte er.
Die Mieten erschwerten auch die Suche nach einem Käufer für Hertie, sagte Bähr. Durch die Schwierigkeiten des Eigners fehle auch das Geld für notwendige Investitionen in die Immobilien.
Dawnay Day sträube sich zudem, diese im Paket an einen neuen Eigner abzutreten. Bähr sprach von einer Handvoll Investoren, die sich entweder für das operative Geschäft, die Immobilien oder beides interessierten. Das wirtschaftliche Umfeld erschwere Gespräche mit Investoren.
Im Herbst hatte Bähr die Neuausrichtung umrissen, um die Kette für einen Käufer aufzuhübschen. Warenangebot und Filialen vereinheitlicht werden, Markenhersteller für Partnerschaften gewonnen und den Lieferanten günstigere Konditionen abgetrotzt werden. Alles hänge nun von Dawnay Day ab, sagte Bähr.
Arcandor hatte sich vor vier Jahren im Zuge der eigenen Sanierung unter anderem von Wehmeyer, SinnLeffers und Hertie getrennt, die alle im Sommer vergangenen Jahres Insolvenz anmeldeten. Hertie - einst einer der führenden Warenhauskonzerne in Deutschland - war damals an Dawnay Day gegangen.
- Hertie 19 Warenhäuser vor dem Aus 27.01.2009
- Branchen im Abschwung Der Handel leidet erst nächstes Jahr 25.12.2008
(sueddeutsche.de/Reuters/hgn)
2006: Spektakulärer Verkauf von Karstadt/Quelle Immobilien an Whitehall für 4,5 Mrd. Euro.
2006: Karstadt/Quelle verkauft Warenhausimmobilien an Highstreet für 3,7 Mrd. Euro.
2007: Arcandor (früher Karstadt/Quelle) verkauft seinen 49%-Anteil am Highstreet-Fd na Deutsche Bank Reef, Pirelli Re, Borletti und Generali Real Estate Fd.
Ergebnis: Ehem. Karstadt/Quelle Immobilien fast ausschließlich in ausländischem Besitz.
2008: Nach seperatem Verkauf der Immobilien (s.o.) bringen hohe Mietzahlungen von bis zu 25% des Umsatzes Unternehmen in rote Zahlen.
Aug. 2008: Verdi fordert Aufklärung über Immobilien-Verhältnisse im Fall Hertie vom britischen Investor Dawny Day.
Dawny Day: Im Zuge der Finanzkrise selst in Schwierigkeiten, kann Hertie nicht stützen.
Dazu Ruth Vierbuchen, Chefredakteurin von HANDELSIMMOBILIEN REPORT, Ausg. 01.08.08., S. 4:
"...viele der großformatigen Handelsimmobilien stecken in der 'kritischen Lebensphase'"..."Bei einigen Zentren sei nicht einmal bekannt, in welchen Händen sie sich befänden... Viele gehören eigens dafür gegründeten Special Purpose Vehicles (SPV). Und zahlreiche der finanzstarken Investoren merken erst allmählich, dass sie kein Finanzprodukt gekauft haben, sondern eine Immobilie mit all ihren vielfältigen Problemen."
Diese Immobilien-Hin-und her-Schieberei unterliegt offenbar keinerlei Kontrolle.
Ein abgekartetes Monopoly-Falschspiel.
Und die Geier dieser Branche warten schon. Auch und gerade in der Krise sind gute Geschäfte zu machen.
Herr Middelhoff hat das alles möglich gemacht, weil Frau Schickadanz ihn als Zauberer angesehen hat. Nun stellt sich heraus, dass er nur ein Zauberlehrling war.
Frau Schickedanz verliert viel Geld, aber die Mitarbeiter ihre Existenzgrundlage.
Ein schäbiges Spiel.
bedankt euch bei Gerhard Schröder und Hans Eichel. Die haben die Heuschrecken ins Land gelassen.