sueddeutsche.de: Wo wird man mit der Suche nach einem Investor beginnen?

Hertie beschäftigt derzeit mehr als 4000 Angestellte - möglichst viele Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. (© Foto: ddp)

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Bähr: Diese Investmentbanker werden für uns weltweit den Markt nach potentiellen Investoren absuchen. In einer zweiten Phase werden dann erste Gespräche geführt. Am Ende des Prozesses werden wir dann hoffentlich einen Investor haben, der zu Hertie passt und mit dem sowohl die Mitarbeiter als auch die Lieferanten und Kunden gut leben können.

sueddeutsche.de: Wie sieht der Zeitplan aus - wann soll es erste Gespräche mit Investoren geben? Oder anders gefragt: Wann verabschieden Sie sich als Insolvenzverwalter vom Projekt Hertie?

Bähr: Zurückziehen will ich mich persönlich so schnell wie möglich, und zwar nicht, weil ich nicht an den Erfolg glaube, sondern weil es für ein Unternehmen immer das Beste ist, wenn der Insolvenzverwalter wieder aus dem Haus ist. Aber der Prozess darf auch nicht zu kurz sein. Ich werde mir die notwendige Zeit nehmen, um den richtigen Investor zu finden. Nach meiner heutigen Einschätzung wird das mindestens drei Monate dauern.

sueddeutsche.de: Das Land Nordrhein-Westfalen hat eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt - wie hoch müsste die ausfallen?

Bähr: Das kann ich heute noch nicht sagen. Es hängt auch vom Investor ab, welche Hilfestellung er zusätzlich zu dem, was er selbst mitbringt, benötigt. Denkbar sind derzeit zwei Hilfsmaßnahmen: Zum einen könnte eine Landesbürgschaft zur Absicherung eines Kredits gewährt werden, zum anderen könnte das Land helfen, eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter zu finanzieren, von denen wir uns infolge des Restrukturierungsprozesses eventuell trennen müssen.

sueddeutsche.de: Die Filiale in Hamburg-Eppendorf wurde schon geschlossen - eine erste Maßnahme?

Bähr: Nein. Die in der Vergangenheit gutgehende Filiale in Hamburg-Eppendorf ist seit einem Jahr geschlossen. Mit der Insolvenz hat dies nichts zu tun. Im Ergebnis hat es keine Einigung mit dem Vermieter gegeben. In der Öffentlichkeit ist dies leider falsch dargestellt worden.

sueddeutsche.de: Hertie wollte sich mit seinem Angebot von der Billigkonkurrenz absetzen. Jetzt ist das einstige Traditionskaufhaus selbst zum Schnäppchen geworden. Ist das der Zynismus der modernen Marktwirtschaft?

Bähr: Das tut mir auch weh. Aufgewachsen bin ich in Kiel mit einem Hertie-Kaufhaus in unmittelbarer Nähe. Das habe ich noch in guter Erinnerung. Ob das Modell des Warenhauses in Deutschland insgesamt noch Zukunft hat, werden die kommenden Monate zeigen. Ich persönlich glaube das aber. Gerade in vielen mittelgroßen Städten ist Hertie noch heute ein wichtiger Anziehungspunkt.

sueddeutsche.de: Der britische Mehrheitsgesellschafter Dawnay Day ist in Folge der Finanzkrise ins Schlingern geraten und hat sein Beteiligungsportfolio durchforstet - welche Konsequenzen können daraus gezogen werden? Eignen sich Finanzinvestoren nicht fürs Kaufhausgeschäft?

Bähr: Das ist eine vielfach und aus meiner Sicht viel zu schnell vorgebrachte Folgerung. Tatsächlich ist es so, dass bei Unternehmen in der Krise heute fast nur noch Finanzinvestoren bereit sind, sich zu engagieren - egal, ob es ein Handels-, Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen ist. Nur selten findet sich ein strategischer Investor, weil das Risiko des Verlustes des eingesetzten Kapitals für ihn viel zu groß ist. Dass mit einem erhöhten Risiko auch die Forderung des Investors nach einer höheren Verzinsung seines Kapitals verbunden ist, liegt auf der Hand und ist richtig.

sueddeutsche.de: Ihr Herz als Insolvenzverwalter schlägt also für Heuschrecken?

Bähr: Finanzinvestoren werden viel zu leichtfertig verteufelt - sie sind in vielen Fällen die Einzigen, die sich engagieren. Mir gefällt deshalb auch der Begriff "Heuschrecke" nicht. Er zeugt nur davon, dass diejenigen, die ihn verwenden, entweder keine Ahnung haben oder bewusst vereinfachen.

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(sueddeutsche.de/jja)