Hertie Eine Pleite mit Ansage

Ein Traditionskaufhaus ist pleite: Weil der Mehrheitseigentümer Dawnay Day in finanzielle Schieflage geraten ist, bleibt Hertie nur der Weg in die Insolvenz. Doch der Betrieb geht erst einmal weiter.

Die Kaufhauskette Hertie hat Insolvenz angemeldet. Gespräche über eine finanzielle Restrukturierung des Unternehmens beziehungsweise über eine Zwischenfinanzierung seien gescheitert, teilte der Konzern mit dem Traditionsnamen am Donnerstag in Essen mit.

In vielen Städten das einzige Kaufhaus: Hertie

(Foto: Foto: dpa)

Schwacher Trost für die 4500 Beschäftigen in den 73 Hertie-Filialen: Die Gespräche über die Finanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter sollen zügig aufgenommen werden.

Der Geschäftsbetrieb geht weiter

Hertie-Geschäftsführer Mark Rahman zeigte sich trotz des Insolvenzantrags optimistisch: Die Insolvenzordnung biete zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren "und somit eine gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround zu schaffen". Das Unternehmen habe klare Vorstellungen, wie die operative Restrukturierung in der Insolvenz zügig fortgesetzt werden solle. Der Geschäftsbetrieb werde fortgesetzt. Die Hertie-Häuser befinden sich vor allem in mittelgroßen Städten mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland.

Man plane, das Konzept des Nachbarschaftskaufhauses neu zu beleben, sagte Vertriebsleiter Erik van Heuven. Dabei habe man die Unterstützung wichtiger Lieferanten. Im Zuge des Insolvenzverfahrens sollen offenbar einzelne Häuser auf den Prüfstand kommen: Man wolle "die Rentabilität einzelner Standorte gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einer genauen Analyse unterziehen", hieß es in der Hertie-Mitteilung.

Wirtschaftsministerium schaltet sich ein

Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium teilte mit, man wolle einen möglichen Konsolidierungskurs bei Hertie konstruktiv begleiten. Hertie habe in den letzten Monaten "intensive Anstrengungen zur Umsetzung der notwendigen Restrukturierung unternommen", sagte Sprecher Joachim Neuser. Geschäftsführung, Gesamtbetriebsrat und Mitarbeiter stünden hinter der neuen Strategie.

Durch die maßgeblich von der Immobilienkrise verursachten Insolvenz von Dawnay Day sei Hertie aber die "notwendige Finanzbasis für die laufende Restrukturierung akut weggebrochen". Somit sei Hertie gezwungen gewesen, selbst einen Insolvenzantrag zu stellen.

Nach Medienberichten über eine mögliche Schieflage des britischen Mehrheitseigentümers Dawnay Day waren vergangene Woche Befürchtungen aufgekommen, Hertie könnte in die Pleite getrieben oder verkauft werden. "Bekanntlich ist die Lage bei dem Investor ebenfalls angespannt", erklärte Hertie am Donnerstag. Medienberichten zufolge schrieb die Kette in den vergangenen beiden Jahren jeweils 30 Millionen Euro Verlust.

Dawnay Day hatte 2005 die kleineren Filialen übernommen, die unter dem Traditionsnamen Hertie weiterbetrieben werden. Ein Arcandor-Sprecher sagte, die Schieflage von Hertie ziehe keine finanziellen Auswirkungen für den Handels- und Reisekonzern nach sich.

Der Name Hertie geht auf Hermann Tietz zurück, dessen erstes Warenhaus 1882 in Gera eröffnet wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstand aus dieser Keimzelle einer der größten deutschen Warenhauskonzerne. Doch wurde das Unternehmen 1993 von Karstadt übernommen. Damit war der Name Hertie praktisch aus dem deutschen Handel verschwunden. Nur ein Warenhaus des Karstadt-Konzerns am Münchner Hauptbahnhof trug noch diesen Namen.

Im März 2007 wurden die Karstadt-Kompakt-Warenhäuser dann zu Hertie-Filialen. Ausschlaggebend für die Wahl des Namens war nach Unternehmensangaben, dass etwa 80 Prozent der Bürger diese Marke kennen.

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