sueddeutsche.de: EU-Währungskommissar Olli Rehn hat stärkere Kontrollen angekündigt, um einen zweiten Fall Griechenland zu vermeiden. Reicht das?

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Enderlein: Mehr Kontrolle ist sinnvoll. Ich glaube aber nicht daran, dass man durch Druck oder harte Sanktionsmechanismen die Mitgliedsländer besser dazu bekommt, sich konstruktiv am europäischen Projekt zu beteiligen. Das hat mit der Europa-Orientierung der Regierungen zu tun. Unter den Euro-Mitgliedsländern muss das Gefühl geschaffen werden, Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu sein.

sueddeutsche.de: Von einer europäischen Schicksalsgemeinschaft kann derzeit keine Rede sein. Jeder Staat betreibt nach wie vor seine eigene Politik.

Enderlein: Ein großer Wurf würde uns allen gut tun. Europa fehlt im Augenblick das nächste große europäische Projekt. Man könnte jetzt über eine fiskalische Union nachdenken, darf dabei allerdings nicht den deutschen fiskalischen Föderalismus auf europäischer Ebene reproduzieren.

sueddeutsche.de: Sie meinen ein gemeinsames EU-Budget für alle Staaten?

Enderlein: Es kann nicht mehr darum gehen, auf europäischer Ebene einen Haushalt zu haben, der nur ein Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht und deshalb makroökonomisch praktisch nicht existiert. Auf der anderen Seite sollte es aber auch eine klare haushaltspolitische Verantwortung der Mitgliedsländer geben. Irgendwo dazwischen gibt es einen Weg, den Europa jetzt beschreiten muss. Es muss aber klar sein: ohne jegliche Transfers zwischen den Mitgliedsländern wird es nicht gehen.

sueddeutsche.de: Erleben wir derzeit eine Euro-Krise - oder steckt nicht vielmehr Europa in der Krise?

Enderlein: Wir haben eine Euro-Krise und deshalb eine Krise der Europäischen Union. Der Euro ist ein ganz zentraler Bestandteil dessen, was in Europa in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut worden ist. Wenn uns der Euro um die Ohren fliegt, dann steht es sehr schlecht um das europäische Projekt. Wir brauchen eine viel stärkere europäische Führungskultur in den Regierungen der Mitgliedsländer. Wir brauchen endlich wieder Europäer, die dieses Projekt nach vorne treiben. Da muss man auch direkt auf die Bundesregierung zeigen. Was dort in den vergangenen Jahren an europapolitischen Ideen entstanden ist, ist sehr, sehr dünn. Ich wünsche mir ein viel stärkeres Engagement der Europäer, so wie wir es von Helmut Kohl und Gerhard Schröder gesehen haben. Wir haben, trotz Skepsis, die Währungsunion geschaffen - heute kann man nicht einfach wieder den Rückwärtsgang einlegen. Die Bundesregierung ist in der Bringschuld, das europäische Projekt weiterzutragen.

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  1. "Damit uns der Euro nicht um die Ohren fliegt"
  2. "Wir müssen keine Inflationsangst haben"
  3. Sie lesen jetzt "Teil einer Schicksalsgemeinschaft"
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(sueddeutsche.de/jja)