Behandlung in der Grauzone: Öffentliche Helios-Kliniken schröpfen angeblich Privatpatienten mit einem Trick - indem sie einfach einzelne Stationen zur Privatklinik erklären. Alles legal, sagen die Gerichte.
Die Patientin stand noch ganz unter dem Eindruck der Diagnose: Krebs. Eine Operation sei dringend notwendig, hieß in der Helios-Klinik. Man reichte ihr ein Blatt Papier, das sie unterschreiben solle. Nur so sei die Behandlung durch den Spezialisten gesichert, eine absolute Koryphäe auf seinem Gebiet. Die privatversicherte Frau unterzeichnete und wurde in die Privatklinik des Krankenhauses aufgenommen. Wochen später erhielt sie dafür eine Rechnung, die so hoch war, dass ihre Versicherung sich weigerte zu zahlen. Nahezu alle Posten waren deutlich teurer als die üblichen Behandlungskosten.
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Helios-Klinik in Berlin: In manchen Krankenhäusern des Unternehmens sollen Privatpatienten angeblich zu viel bezahlt haben. (© dpa)
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Nach Einschätzung des Verbands der Privaten Krankenversicherungen (PKV) ist das kein Einzelfall. Der Verband wirft der Helios-Gruppe vielmehr vor, ein Geschäftsmodell entwickelt zu haben, das allein darauf abziele, möglichst hohe Einnahmen aus der Behandlung privatversicherter Patienten zu erzielen.
Jährlich etwa 40 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen soll sich Helios damit sichern, haben die PKV-Experten berechnet - Geld, das die Versicherer im Zweifel zahlen müssen und das sich in steigenden Prämien für Mitglieder bemerkbar macht. "Durch die Ausgründung angeblicher Privatkliniken schafft sich Helios gezielt eine Grauzone zur Abrechnungsoptimierung", sagt ein Sprecher des Verbandes. Es gehe um eine gezielte Umgehung der gesetzlichen Vorschriften.
Wie funktioniert das? Nach Aussagen der PKV wird eine Bettenstation oder ein Flur in den Räumen eines öffentlichen Krankenhauses zur Privatklinik erklärt. Der Betreiber dieser Einrichtung muss sich dann nicht mehr an die Abrechnungsmodalitäten für öffentliche Krankenhäuser halten. Dort nämlich werden die meisten Leistungen gleich hoch vergütet, egal ob ein Kassenpatient oder ein Privatpatient behandelt wird. Lediglich für Zusatzleistungen wie Chefarzt-Behandlung oder Einbettzimmer zahlt die PKV deutlich mehr.
In Privatkliniken sind die Betreiber nicht an die Preise der gesetzlichen Krankenkasse gebunden. Sie rechnen höher ab, was nach grober Schätzung der PKV mitunter dreimal so teuer wird. "Extrem überhöhte Preise für faktisch gleiche Leistungen von gleichen Ärzten in den gleichen Räumen", fasst der Sprecher zusammen. Zudem fehle auch die in den normalen Kliniken übliche Qualitätskontrolle.
Helios sieht das natürlich anders. Der zuletzt durch Betrugsvorwürfe ins Gerede gekommene Konzern verweist auf mehrere Gerichtsurteile, die ihm recht geben. Zuletzt urteilte der Bundesgerichtshof im April in der Angelegenheit - und erlaubte das Vorgehen. Die Helios-Privatkliniken böten ein eigens entwickeltes Ausstattungs- und Servicekonzept mit hotelähnlichem Charakter, so eine Sprecherin. Dieses übersteige die herkömmlichen Angebote an den allgemeinen Plankrankenhäusern mehr als deutlich. Die Preise seien mit einer Vielzahl von privaten Krankenversicherern vereinbart und aufgrund des höheren Komforts angemessen. Die Leistungen bewegten sich auf höchstem Niveau.
Zum Schiedsrichter des Streites könnte nun Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) werden. Von der Deutschen Krankenhausgesellschaft hat sich das Ministerium die Thematik bereits darlegen lassen. Die DKG plädiert dafür, die in der Gesundheitsreform vereinbarte Sparauflage wieder abzuschaffen, die auch für Privatpatienten gilt - denn durch diese Regelung entstünden für die Krankenhäuser erst die Anreize, Privatkliniken zu errichten.
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(SZ vom 14.07.2011/jab)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
macht es genauso.
Angebot, damals noch Kassenpatient: Faktor 2,3 für Kronen. Ins Ausland versetzt, auf einmal Privatpatient, schon steht Faktor 3,5 auf der Rechnung. Dem maximalen, was selbst die PKV erstattet...
Jeder Handwerker, der das maximale aus seinen Kunden rauspresst und wirtschaftlich so arbeiten würde wäre nach dem ersten Jahr pleite.
...
sondern auch bei Kliniken, die in der öffentlichen Hand sind.
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Was soll also diese Aufregung?
Ich habe 7 Jahre in einer großen Abrechnungsstelle im Gesundheitswesen gearbeitet und kann die Vorgänge, wie sie hier im Artikel beschrieben sind, nur bestätigen. Da wurden Angehörige von nicht mehr ansprechbaren Patienten genötigt, die Aufnahme für die Privatklinik zu unterschreiben. In einigen Fällen, die mir bekannt wurden, hat sich der benannte Krankenhauskonzern "bereit erklärt" die Differenz von Rechnungsbetrag und Versicherungserstattung an den Patienten zurück zu zahlen. Aber eben nur auf Druck hin. Merkwürdig. Und für schwer kranke Patienten der blanke Horror, wenn sie auf 10.000 EUR sitzen bleiben. Es mag zwar rechtmäßig sein, unmoralisch ist es allemal. Aber es wird sich schon ein FDPler finden, der das Verhalten rechtfertigt.
Ach ja zur Klarstellung: Die Frage, ob man in einer Privatklinik behandelt wird, hat nichts mit dem eigenen Krankenversicherungsschutz zu tun. Die Rechnung in Krankenhäusern, die nach dem Krankenhausentgeltegesetz abrechnen, also nach Fallpauschalen (sog. DRGs), sind immer gleich, egal ob für Kassenpatienten, privat Versicherte oder Selbstzahler. Das ist die Rechnung entsprechend auch in reinen Privatkliniken. Nur diese müssen sich, wie der Artikel ja auch richtig beschreibt, (mal abgesehen vielleicht von der Frage der Sittenwidrigkeit), an keine bestimmten Rechnungshöhen halten.
Also merke: Dem Krankenwagenfahre oder der Pforte im Krankenhaus sagen: "Bitte nicht in den Privatteil schieben".
Gute Besserung!
Ich habe 7 Jahre in einer großen Abrechnungsstelle im Gesundheitswesen gearbeitet und kann die Vorgänge, wie sie hier im Artikel beschrieben sind, nur bestätigen. Da wurden Angehörige von nicht mehr ansprechbaren Patienten genötigt, die Aufnahme für die Privatklinik zu unterschreiben. In einigen Fällen, die mir bekannt wurden, hat sich der benannte Krankenhauskonzern "bereit erklärt" die Differenz von Rechnungsbetrag und Versicherungserstattung an den Patienten zurück zu zahlen. Aber eben nur auf Druck hin. Merkwürdig. Und für schwer kranke Patienten der blanke Horror, wenn sie auf 10.000 EUR sitzen bleiben. Es mag zwar rechtmäßig sein, unmoralisch ist es allemal. Aber es wird sich schon ein FDPler finden, der das Verhalten rechtfertigt.
Ach ja zur Klarstellung: Die Frage, ob man in einer Privatklinik behandelt wird, hat nichts mit dem eigenen Krankenversicherungsschutz zu tun. Die Rechnung in Krankenhäusern, die nach dem Krankenhausentgeltegesetz abrechnen, also nach Fallpauschalen (sog. DRGs), sind immer gleich, egal ob für Kassenpatienten, privat Versicherte oder Selbstzahler. Das ist die Rechnung entsprechend auch in reinen Privatkliniken. Nur diese müssen sich, wie der Artikel ja auch richtig beschreibt, (mal abgesehen vielleicht von der Frage der Sittenwidrigkeit), an keine bestimmten Rechnungshöhen halten.
Also merke: Dem Krankenwagenfahre oder der Pforte im Krankenhaus sagen: "Bitte nicht in den Privatteil schieben".
Gute Besserung!
Zwei Preise haben sich unglaublich bewährt - machen wir ja überall, daß die wertvollen, die herrlichen die ganz besonderen Menschen mit dem Geld anderer Leute deutlich höherer Preise für dieselbe Leistung bezahlen.
Beamte zahlen beim Bäcker mehr fürs Brot, beim Metzger - und selbst der VW Golf ist für Lehrer Lämpel nicht unter € 200.000 zu haben ... . Nun, wenn wir überall so wirtschafteten, wie es unsere Beamten mit unserem Geld in Praxis und Klinik treiben, wenn wir überall so herrlich menschelnden Unsinn trieben, wie im Gesundheitswesen in der Beamtenkrankenversicherung, die manchen auch "privat" nennen, dann wäre das so.