Man ist sich generell keiner Schuld bewusst. Scheinrabatte als Köder für sofortige Unterschriften? Im Einzelfall würden Preisnachlässe eingeräumt, "aber ausschließlich im Rahmen des gesetzlich Zulässigen", heißt es. Unlauterer Druck? "Kundenzufriedenheit hat für uns absolute und uneingeschränkte Priorität." Keine Auskunft gibt es zum vierseitigen "Leitfaden" für Verkäufer, den Erwin Schneider aus einer schwarzen Uni-Vertriebs-Mappe zieht.
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Teilweise im Wortlaut gibt das Papier den Verkäufern vor, wie sie Kunden bearbeiten sollen. Wie man ihnen zuerst die Kosten für die vermeintlich einfachste und anschließend für die angeblich höchstwertige Ofenausstattung vorrechnet. Um dann großzügig die beste Variante zum Preis der günstigsten anzubieten, gegen sofortige Unterschrift. Wer obendrein die Adressen zweier Bekannter liefert, erhält einen Rabatt. Ebenso, wer ein Kago-Werbeschild an seinen Gartenzaun schraubt.
Genaueste Vorgaben
"Bei negativer Reaktion", so steht im Leitfaden, solle man dem Kunden sagen: "Natürlich müssen Sie verstehen, dass für diese Werbeaktion nur ein gewisses Werbebudget zur Verfügung steht." Das, sagt Erwin Schneider, sei "völliger Blödsinn." Der Ex-Vertreter kann viele Schmonzetten aus dem Alltag erzählen. Zum Beispiel über heimlich eingeschaltete Telefone am Verkaufstisch, damit der Kollege nebenan mithören und bei Bedarf zur gemeinsamen Bearbeitung des unschlüssigen Kunden anrücken kann. Oder von Scheinanrufen bei angeblichen Vorgesetzten, die immer damit endeten, dass dem Kunden ausnahmsweise doch noch ein Rabatt gewährt wird. "Der Markt ist so dreckig geworden, da versinken Sie tief im Schlamm", sagt Erwin Schneider. Er meint keineswegs nur Kago.
Denn in ihren Verkaufsmethoden steht die Firma nicht allein. Je teurer Strom, Öl und Gas werden, desto mehr Hausbesitzer wollen Energie sparen. Die Nachfrage nach sparsamen Heizsystemen oder Photovoltaikanlagen ist dementsprechend gestiegen, zumal es staatliche Zuschüsse gibt. Immer mehr Anbieter wollen mitverdienen, und im Kampf um die Kunden geht es nicht zimperlich zu. "Der Markt ist lukrativ und extrem hart umkämpft", sagt Eva-Maria Wendeler. Die Hessin hatte selbst Probleme mit einem Kaminhersteller. Über das Internet hat sie andere verärgerte Käufer gefunden und vernetzt - und dabei festgestellt, dass Kago vielleicht das bekannteste, "aber ganz sicher nicht das einzige schwarze Schaf ist."
Allerdings scheinen die ständigen Klagen in Postbauer-Heng inzwischen Wirkung zu zeigen. "In letzter Zeit musste ich keinen einzigen Prozess mehr gegen Kago führen", sagt Verbraucheranwalt Walter Schmidt. "Die Firma war selbst in den Fällen zu kulanten Lösungen bereit, wo wir rechtlich keine Chance hatten." Die neue Großzügigkeit schreibt er Pierre Kago zu. Mit dem Adoptivsohn könne man reden. Er habe offensichtlich "erkannt, dass er den Ruf von Kago verbessern muss."
Der Familie Steiner hat das nichts genutzt - ihr zeigte man die kalte Schulter. Die Steiners hätten ihren Ofen erhalten, bezahlt und damit sei der Fall erledigt, blockt Kago ab. Markus und Astrid Steiner sehen das anders: Nach hartnäckigem Werben des Verkäufers, der sie bis in die Kinderklinik verfolgt habe, um sein letztes, sein allerletztes Rabattangebot loszuwerden, hätten sie unterschrieben. Als sie später das Geschäft rückgängig machen wollten, forderte Kago eine Abstandszahlung von 1300 Euro. Der Vertrag war wasserdicht. Statt für gar nichts zu zahlen, nahmen die Steiners doch lieber den Ofen. Das Kago-Werbeschild hat Markus Steiner allerdings nicht am Zaun aufgehängt, "sondern mit der Axt zerhackt."
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(SZ vom 3.1.2009/vw/odg)
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Ich finde, dass es auch in Zeiten des "mündigen Kunden" noch so etwas wie eine Geschäfts- und Verkaufsethik geben muss. Schließlich sollte ein Verbraucher aus einer freien Entscheidung heraus einen Kauf tätigen, mit dem er im Regelfall auch zufrieden ist. Gerade bei Investitionen, die nicht einige, sondern mehrere Tausend Euro betragen.
Was schließlich treibt die Fa. Kago dazu an, möglichst viele Kunden zu überrumpeln und partout nicht aus dem Verkaufsvertrag zu entlassen, wenn diese - vielleicht sogar ein Leben lang - mit dem erworbenen Produkt unzufrieden sind und somit auch Negativwerbung verbreiten.
Wenn einer qualitative Ware zu einem vernünftigen Preis verkauft, die auch mit der Konkurrenz mithalten kann, dann hat er solche Methoden sicher nicht nötig. Ergo: Ich unterstelle, dass das meiste Geld und die meiste Energie bei Kago in Werbung und Verkäuferschulungen gesteckt wird und nicht in die Qualität der Produkte. Sicherlich ist Kago damit nicht das einzig schwarze Schaf der Branche. Früher mag das auch noch anders gewesen sein: Mein Vater hat einen Kago-Kachelofen, der seit über 25 Jahren treu und zuverlässig seinen Dienst tut.
Ulrike Ketterle Hinweis, dass es andernorts noch "viel aufdringlichere Verkäufer und wirklich illegale Praktiken" gibt, kann aus moralischen Gründen ich nicht gelten lassen. Ich habe seit der Ausstrahlung eines T-Beitrags im WDR eine ungefähre Ahnung, wieviele Kago-Kunden Abstandszahlungen leisten mussten, um aus dem Kaufvertrag wieder herauszukommen und die dann letztlich überhaupt keinen Ofen hatten. Meiner Ansicht nacht erfüllt das zumindest den Tatbestand der arglistigen Täuschung, zumal Kunden in dem Beitrag selbst Öfen verkauft wurden, die nicht einmal von den Außenmaßen in die Wohnungen oder Häuser passten...
Aber offensichtlich scheint es tatsächlich den einen oder anderen zufriedenen Kago-Kunden zu geben, der sich bemüßigt fühlt, seine Freude über die auch in Fachkreisen angezweifelte Qualität mittels eines Werbeschilds am Gartenzaun viele Jahre lang kundzutun.
Ich jedenfalls ärgere mich heute noch, dass ich einen Kago-Ofen gekauft und auch selbst aufgebaut habe. Denn erst dann zeigt sich die wirklich miese Qualität, die m.E. nach das Geld auf keinen Fall wert ist.
MfG,
Saindlloh
Auch wir wurden uber den Tisch gezogen. 4 Std. Hirnwäsche mit einem schreienden 9 Monate altem Kind. Am Ende haben auch wir unterschrieben. Ich finde auch wichtig nicht ob, sondern wie die Unterschrift auf den Vertrag gekommen ist. Da kann ich nur sagen das Kago sehr unseriös arbeitet. Für uns war dies eine Lektion fürs leben. Ich frage mich nur warum Kago mit diesen Mitteln arbeitet wenn die Öfen doch sooo toll sind. Den weitern Artikel der SZ über Kago ist wohl nichts hinzuzufügen.
Liebe Süddeutsche,
ich lese die Zeitung schon so lange und bin mal wieder echt enttäuscht gewesen über den Artikel über den Kaminofenhersteller Kago.
Der ganze Artikel hört sich an, wie ein Rachefeldzug des Herrn Schneider, der dort mehrmals zitiert wird.
Es kommt in dem Artikel gar nicht raus, worüber sich die Familie eigentlich beklagt.
War der Ofen einfach nur zu teuer?
Heizt der Ofen schlecht?
War der Verkäufer zu aggressiv?
Ich finde, dass in unserer heutigen Zeit der Kunde so mündig sein muss NEIN zu sagen wenn es nötig ist. Sich so bedrängen zu lassen von einem Rabattangebot erscheint mir doch extrem naiv, ich denke, dass dieser Familie, Ähnliches dauernd passieren muss, wenn sie nicht lernen einfach nein zu sagen.
Jeder Mensch weiß doch, dass diese Rabatte nicht am nächsten Tag verfallen, sondern eher mit etwas Geduld noch höher ausfallen und sonst der Anbieter nicht seriös ist. In den Zeiten von Internet und Konsumgesellschaft muss man einfach lernen sich selber zu wehren sonst ist man verloren. Die eigene Naivität, als Fehler der anderen hinzustellen hilft Keinem.
Wenn man sich ein bisschen umschaut, gibt es jede Menge viel aufdringlichere Verkäufer und eben sogar wirklich illegale Praktiken, die man lieber anprangern sollte!
Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Ketterle