Hedgefonds-Manager Shkreli beschimpft Abgeordnete

Keine Antworten, dafür ein hämisches Grinsen: Martin Shkreli.

(Foto: Pete Marovich/Bloomberg)

Erst keine Antworten und ein hämisches Grinsen: Bei einer Anhörung schwieg der verhasste Manager. Dann brach es aus ihm heraus.

Von Jan Schmidbauer

Der Mann, dem nachgesagt wird, die meistgehasste Person des gesamten Internets zu sein, ramponiert sein Image munter weiter. Dafür reichte dem amerikanischen Hedgefonds-Manager Martin Shkreli diesmal ein einziger Tweet. Nur wenige Minuten nach einer Anhörung vor dem US-Kongress beleidigte der 32-Jährige die Abgeordneten über das soziale Netzwerk Twitter. Shkreli hatte im vergangenen Jahr den Zorn des Internets auf sich gezogen. Mit seinem Unternehmen Turing Pharmaceuticals hatte er die Vermarktungsrechte eines Medikaments für Aids-Patienten gekauft und den Preis für die Pillen danach um mehr als das 50-fache angehoben.

Für seine Kritiker, darunter Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, hatte Shkreli schon damals nur Spott übrig. Clinton wollte ihn dazu überreden, den Preis für das Medikament wieder zu senken. Dafür bekam sie von ihm nur ein digitales "lol" zu hören. Zu deutsch: Shkreli lachte sie aus.

Die Kongress-Abgeordneten, die ihn nun zu der Preiserhöhung des Medikaments befragen wollten, bekamen, bis auf ein hämisches Grinsen, gar keine Antwort. "Was sagen Sie der schwangeren Frau, die vielleicht aidskrank ist und kein Geld hat, um das teure Medikament zu bezahlen", fragte ein Abgeordneter Shkreli. Eine Antwort gab der nicht. Stattdessen erklärte der Manager umgehend, dass er von seinem Recht Gebrauch mache, die Aussage zu verweigern.

Wenige Minuten nach der Verhandlung wollte er dann doch etwas loswerden und schickte den beleidigenden Tweet ab: Es sei schwer zu akzeptieren, dass Idioten das Volk repräsentierten, schrieb er. Der Abgeordnete Jimmy Duncan sagte laut Financial Times, dass er nie zuvor ein solch "neunmalkluges und hämisches Verhalten" bei einer Anhörung erlebt habe.

Shkreli könnte bald aber wegen einer anderen Geschichte Probleme bekommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt. Aus der von ihm gegründeten Biotech-Firma Retrophin soll Shkreli Geld für seinen Hedgefonds abgezweigt haben. Bereits im Dezember wurde er von der Polizei verhaftet, kam allerdings einen Tag später wieder frei - gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar. Sollte Shkreli verurteilt werden, drohen ihm bis zu zwanzig Jahre Haft.