Haushaltsüberschuss Deutschland macht Milliarden-Gewinn

  • 21 Milliarden Euro: So viel haben Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen im ersten Halbjahr mehr eingenommen, als sie ausgegeben haben.
  • Das ist Rekord für ein erstes Halbjahr und der insgesamt höchste Überschuss seit fast 15 Jahren.

Mehr als 21 Milliarden Euro an Überschüssen

So mancher Konzern würde dieser Tage wohl gern etwas Ähnliches vermelden: Deutschland schreibt Rekordgewinne. Und zwar nicht die heimischen Firmen, sondern der Staat an sich, genauer: die Haushalte von Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen zusammengenommen. Getrieben von der guten Konjunktur, einer großen Zahl von Erwerbstätigen und der niedrigen Arbeitslosigkeit blieb in den Etats im ersten Halbjahr ein Überschuss von insgesamt 21,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt berechnet hat.

Demnach entfiel die Hälfte des "Gewinns" auf den Bund, der ein Plus von 10,5 Milliarden Euro erzielte. Wesentlichen Einfluss hatten dabei die Erlöse aus der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen im Juni, die dem Finanzminister eine Sondereinnahme von 4,4 Milliarden Euro bescherte.

Größtes Plus in den Etats seit 2000

So viel blieb noch nie in einem ersten Halbjahr in den bundesdeutschen Kassen. Zudem war es das größte Plus für Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung seit der zweiten Jahreshälfte 2000. Auch die Versteigerung von Mobilfunklizenzen - damals noch UMTS - brachte milliardenschwere Sondereinnahmen ein.

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Auf die gesamte Wirtschaftsleistung hochgerechnet lag das Plus nach den vorläufigen Ergebnissen der Statistiker bei einer Quote von 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit ist Deutschland weit von der Defizitmarke von drei Prozent entfernt, die der Maastricht-Vertrag maximal erlaubt. 2014 hatten die öffentlichen Kassen in Deutschland nach nun korrigierten Zahlen der Statistiker bereits einen Überschuss von 0,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erwirtschaftet.

Gute Entwicklung hält an

Zugleich bestätigten die Statistiker, dass die Wirtschaft auch im Frühjahr gewachsen ist. Das Bruttoinlandsprodukt legte getrieben vom starken Außenhandel im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent zu.

Dabei profitierte die Exportnation Deutschland vom schwachen Euro, der Waren "Made in Germany" außerhalb der Eurozone günstiger macht. Nach den vorläufigen Berechnungen nahmen die Exporte gegenüber dem Auftaktquartal um mehr als zwei Prozen zu, die Einfuhren nur um 0,8 Prozent. Allerdings geben die Deutschen relativ wenig aus: Die Ausgaben für Konsum privater Haushalte stieg um nur 0,2 Prozent.

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