Haushalt in Deutschland Mitten in der Krise ein Plus

Das hat es seit 2007 in Deutschland nicht mehr gegeben: Der Haushalt schließt mit einem kleinen Plus. Zwar nahm der Bund auch 2012 viele Schulden auf, doch die vollen Kassen in den Sozialversicherungen sorgten für einen Milliardenüberschuss. Für die Wirtschaft war es allerdings ein schwierigeres Jahr - und 2013 dürfte kaum besser werden.

Der deutsche Staat kann für das vergangenen Jahr erstmals seit 2007 wieder einen nahezu ausgeglichenen Haushalt vorweisen - es wurde sogar geringfügig mehr Geld eingenommen als ausgegeben. In Zahlen: Nach einem Defizit von 0,8 Prozent im Vorjahr ergab sich 2012 sogar ein leichter Überschuss von 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Staatssektor - dazu gehören Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen - beendete das Jahr nach vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsüberschuss in Höhe von 2,2 Milliarden Euro.

Grund für die verbesserten Staatsfinanzen sind die Rekordbeschäftigung und steigende Löhne. Dadurch wuchsen die Steuereinnahmen des Staates, während die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Bundesagentur für Arbeit höhere Beitragseinnahmen erzielten. Die Gemeinden schafften deshalb ein Plus, die Sozialversicherungen sogar einen "kräftigen Überschuss". Das überwog am Ende das Defizit des Bundes. Aber auch das ging zuletzt deutlich zurück. Die Neuverschuldung dürfte im vergangenen Jahr bei etwa 22 bis 23 Milliarden Euro gelegen haben. Bis 2016 will auch der Bund schwarze Zahlen schreiben.

Die Länder mit den höchsten Haushaltsüberschüssen sind oft rohstoffreich. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

(Foto: sde Grafik)

Mäßiges Wachstum für 2013

Für die deutsche Wirtschaft war es hingegen ein schwieriges Jahr: Die Euro-Krise hat das Wachstum gedrückt. Die Konjunktur hierzulande wuchs nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur noch um 0,7 Prozent - 2011 hatte es noch ein Plus von drei Prozent gegeben.

Den Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa konnte sich die exportorientierte deutsche Wirtschaft nicht völlig entziehen: Nach einem starken Jahresauftakt schwächte sich das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft des Kontinents von Quartal zu Quartal ab. In den letzten drei Monaten 2012 schrumpfte die Wirtschaft sogar um 0,5 Prozent.

Dennoch sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes: "Im Jahr 2012 erwies sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig und trotzte der europäischen Rezession."

Der Aufschwung lässt aber auch im laufenden Jahr noch auf sich warten: Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für 2013 wohl deutlich senken. Das Handelsblatt berichtete, im neuen Jahreswirtschaftsbericht gehe die Regierung von einem Zuwachs der wirtschaftlichen Gesamtleistung von nur noch 0,5 Prozent aus. Im Herbst hatte die Regierung noch ein Plus von einem Prozent erwartet. Laut der Prognose soll die deutsche Wirtschaft nach einer schwachen ersten Jahreshälfte im zweiten Halbjahr wieder schneller zulegen.

Energie deutlich teurer

Die Inflation in Deutschland fiel im vergangenen Jahr etwas niedriger aus als noch 2011. Die Verbraucherpreise sind 2012 um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. 2011 waren es noch 2,3 Prozent. In den Jahren 2010 und 2009 hatte die jährliche Preissteigerung mit einem Plus von 1,1 beziehungsweise 0,4 Prozent dagegen noch deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke gelegen.

Die Jahresteuerungsrate wurde den Statistikern zufolge im vergangenen Jahr durch die "überdurchschnittliche Preisentwicklung" bei Energieprodukten geprägt. Energie verteuerte sich demnach um insgesamt 5,7 Prozent.

Deutlich teurer wurden auch Nahrungsmittel (plus 3,2 Prozent) und alkoholfreie Getränke (plus 2,9 Prozent). Die Preise für Fleisch und Fleischwaren stiegen um 5,4 Prozent an, bei Fisch und Fischwaren waren es 4,9 Prozent, bei Obst 4,4 Prozent und bei Süßwaren vier Prozent.