Haus kaufen Es wird leichter, an Immobilienkredite zu kommen

Privathaus mit Atelier in Seeshaupt am Starnberger See: Manchmal konnte den Traum vom Eigenheim mit den niedrigen Zinsen bereits verwirklichen.

(Foto: Johannes Simon)
  • Die Regierung hat ihre eigenen Regeln für die Vergabe von Baukrediten nach nicht einmal einem Jahr wieder entschärft.
  • Ältere Bürger und junge Familien können künftig deutlich leichter ein Eigenheim finanzieren als bisher.
  • Verbraucherschützer kritisieren die schnelle Justierung als "Weihnachtsgeschenk an die Banken": Die Regierung erfülle damit vor allem die Wünsche der Institute.
Von Cerstin Gammelin und Benedikt Müller

Wer ein Haus bauen oder renovieren will, soll wieder leichter ans dafür nötige Geld kommen. Wie alt der Bauherr ist, soll eine geringere Rolle spielen als bisher, dafür soll wieder stärker die Wertentwicklung des Objekts berücksichtigt werden. So lassen sich die am Mittwoch im Kabinett verabschiedeten Neuregelungen zur Vergabe von Krediten für Wohnimmobilien zusammenfassen.

Bisher mussten bau- oder sanierungswillige Bankkunden nachweisen, dass sie die Kreditkosten aus ihren monatlichen Einnahmen, also Gehalt oder Rente, zahlen können. Auf den Wert der Immobilie durften die Banken dagegen "nicht mehr hauptsächlich" abstellen, wie es in der Richtlinie heißt. Die Regelung hatte dazu geführt, dass ältere Bürger von den Banken kaum noch Kredite bekamen. Auch junge Familien, bei denen die Eltern am Anfang ihrer Karriere stehen oder wegen Elternzeiten relativ geringe Einkommen haben, gingen häufig leer aus.

Regierung entschärft frühere Richtlinie

Dagegen hatten Bürger, Banken und die Bauindustrie protestiert, nun entschärft die Koalition die Vorgaben. Künftig dürfen Banken damit beim Vergeben von Krediten die Wertsteigerung einer Wohnimmobilie durch Umbau oder Renovierung berücksichtigen. Das Finanz- und das Justizministerium sollen darüber hinaus eine Rechtsverordnung erarbeiten, in der Leitlinien zur Prüfung der Kreditwürdigkeit festgelegt werden.

Zugleich ermächtigt der nun gebilligte Gesetzentwurf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), im Falle einer drohenden Immobilienblase die Kreditvergabe der Banken zu beschränken. Zwar betonte die Sprecherin des Finanzministeriums, dass es in Deutschland derzeit keine Anzeichen für solch eine Preisblase oder zu viele Kredite gebe. Trotzdem solle nun eine Rechtsgrundlage geschaffen werden, auf deren Basis die Aufsicht im Ernstfall eingreifen könne. Damit ziehe die Bundesregierung Lehren aus den Finanzkrisen der Vergangenheit.

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Renovierungen und Umbauten sind von Neuregelung ausgeschlossen

Die Eingriffsrechte der Bafin betreffen nur Kredite zum Bauen oder Kaufen einer Immobilie. Die Aufseher können den Banken damit beispielsweise Obergrenzen für Kredite vorschrieben oder ein bestimmtes Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Kreditsumme. Details dazu werden aber erst bei Bedarf festgelegt. Umbauten und Renovierungen von Wohnimmobilien sind davon ebenso ausgenommen wie Anschlussfinanzierungen, kleine Darlehen oder sozialer Wohnungsbau.

Die strengeren Regeln zur Kreditprüfung, die nun entschärft werden, waren erst im März eingeführt worden. Damals setzte die Regierung eine Vorgabe der Europäischen Union in nationales Recht um. In der Folge berichteten aber vor allem Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, dass sie Kreditanträge ablehnen müssten, die sie zuvor zugesagt hätten. Direkt- und Privatbanken hingegen beklagen keinen Einbruch des Geschäfts. "Aus Sicht der Banken ist die Kreditrichtlinie an einigen Stellen zu schwammig formuliert", sagt Marc Opitz von der Plattform Kreditvergleich.net. "Die Banken legen diese Passagen offenbar unterschiedlich aus."