Es gibt viele Vorurteile gegen die Empfänger von Sozialleistungen. Forscher räumen nun in einer großangelegten Studie mit solchen Ressentiments auf.
Anfang diesen Jahres warnte der FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister Guido Westerwelle davor, "die Mitte" der Gesellschaft zu vergessen und Empfängern sozialer Leistungen zu viel Beachtung zu schenken. "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein", schrieb der FDP-Chef in einem Aufsatz.
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In Deutschland gibt es 6,8 Millionen Empfänger von Hartz IV. Es liegt aber oft nicht an mangelnder Motivation, wenn Langzeitarbeitslose ohne Job bleiben. (© dpa)
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Kritiker des Hartz-IV-Systems, die schon immer Zweifel an der Arbeitswilligkeit der Hilfsbedürftigen hatten, fühlten sich bestätigt, obwohl Westerwelle sich dazu gar nicht geäußert hatte. Auch der ehemalige Berliner Finanzsenator, Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin, hat Langzeitarbeitslose immer wieder angegriffen. "Wer als Hartz-IV-Empfänger die Kraft für ein Ehrenamt hat, sollte vielleicht auch mal die Kraft aufbringen, sich um Arbeit zu bemühen", sagte er.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, wollte es nun genau wissen. Die Forscher befragten repräsentativ 10.000 Hartz-IV-Empfänger. Das Ergebnis: "Nur eine sehr kleine Minderheit nennt Gründe, die als direkte Hinweise auf eine fehlende Arbeitsmotivation gedeutet werden können."
Lieber kein Umzug
Aus der IAB-Studie geht hervor, dass der Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) "nur selten ein Ruhekissen ist": 65,5 Prozent, etwa drei Millionen, tun etwas Nützliches, zählt man das Betreuen von Kindern unter 15 Jahren dazu. Allerdings sind nur 60 Prozent rechtlich verpflichtet, sich eine Stelle zu suchen. Die anderen nicht, etwa weil sie als Alleinerziehende ein Kind unter drei Jahren haben. Von denjenigen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, gaben etwa zwei Drittel an, in den letzten vier Wochen nach einem Job gesucht zu haben. Doch nur jeder Vierte wurde im Vormonat der Befragung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Forscher werten dies als Indiz, dass es nicht an der mangelnden Motivation liegt, wenn Langzeitarbeitslose ohne Job bleiben.
Nach der Untersuchung ist die Arbeitsmotivation der Hilfsbedürftigen sogar höher "als die der übrigen Bevölkerung". 80 Prozent bekundeten, eine Arbeit unter ihrem Qualifikationsniveau aufnehmen zu wollen. Die geringsten Zugeständnisse machten die Jobsuchenden beim Umzug. Nur knapp ein Drittel zeigte sich bereit, für eine Arbeit den Wohnort zu wechseln.
1,8 Millionen Kinder bekommen Hartz IV
Die Zahl der Empfänger der staatlichen Grundsicherung beläuft sich derzeit auf etwa 6,8 Millionen. Davon sind 1,8 Millionen Kinder. Aus den Analysen des IAB ergibt sich, dass mehr als eine Million Hilfsbedürftige in den fraglichen vier Wochen nicht nach einer Stelle gesucht haben. Daraus den Schluss zu ziehen, sie kassierten Geld vom Steuerzahler, "ohne sich um einen Gegenleistung zu bemühen, wäre allerdings zu kurz gegriffen", heißt es in der Studie. Denn bei diesen Personen handelt es sich um sogenannte Aufstocker, also Hartz-IV-Empfänger, die arbeiten, aber zu wenig verdienen, um davon leben zu können.
Zu dieser Gruppe zählen Menschen mit Schulkindern und einem Teilzeitjob, der ebenfalls nicht für die Existenzsicherung ausreicht. Viele, vor allem Ältere, nennen auch gesundheitliche Gründe, warum sie nicht nach Arbeit suchen. "Daneben spielt vor allem Entmutigung nach langer, erfolgloser Suche eine Rolle", schreiben die Forscher.
Sie warnen deshalb davor, eine noch härtere Gangart "gegenüber den überwiegend motivierten Grundsicherungsempfängern" einzulegen. Stattdessen plädieren die Wissenschaftler dafür, die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zu verbessern und auf ihre individuelle Situation mehr einzugehen.
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(SZ vom 27.08.2010/hgn)
Machtkampf in der Linken
Schwarzarbeit wird vor allem von Berufstätigen nach der Arbeit oder während einer AU durchgeführt, der ALG2 Empfänger hat weder die finanziellen Mittel die Anfangsinvestition in prof. Werkzeug und Ausstattung sowie KFZ zu erbringen, noch lässt ihm die ARGE soviel Freiraum das er über längere Zeit unbemerkt einer Tätigkeit nachgehen könnte.
Die prof. Schwarzarbeiter halten sich übrigens für Leistungsträger in einer freien Leistungsgesellschaft und diskreditieren in Foren vor allem ALG2 Empfänger.
Sie benennen doch selbst die Liste der vom Meisterzwang befreiten Handwerke. Zudem darf vieles im Reisegewerbe ohne Meisterbrief durchgeführt werden. Das ist also keine Ausrede, seine Tätigkeit zu versteuern, Sozialabgaben und KV zu bezahlen. Noch weniger, dies beim Arbeitsamt nicht zu melden.
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Noch billiger ist es, die Verantwortung allein auf den Auftraggeber abzuwälzen. Man kann es ja auch umdrehen und sagen: Wenn es nicht so viele Handwerker gäbe, die vor Aufragserteilung fragen ob man eine Rechnung braucht, gäbe es keine Schwarzarbeit.
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Damit unterstreichen Sie doch nur mein Argument: Gäbe es nicht so viele schwarz arbeitende HartzIV Empfänger, gäbe es auch auf die regulären Handwerker nicht den Druck das eine oder andere Man ohne Rechnung zu arbeiten. Der reguläre Handwerker könnte das - der Hartzer darf es nicht, sonst wird er erwischt!
hätten Sie den Artikel vollständig gelesen, dann wären Sie auf die Erklärung gestossen:
1/3 der HartzIV-Bezieher sind als Alleinerziehende nicht vermittelbar (werden auch nicht als arbeitslos geführt) oder haben bereits Billigjobs und sind Aufstocker..
Nochmals zu Ihrer Fortbildung. Sie können 8 Arbeitslose unentweg auf eine Reise nach Jerusalem schicken. Wenn nur 1 Stuhl (Arbeitsplatz) vorhanden ist, müssen 7 leer ausgehen.
Natürlich, der Schwarzarbeiter ist der Schlimme!
Zuerst muß er ja mal die Möglichkeit zur Schwarzarbeit erhalten und er muß die Fähigkeiten dazu haben.
Heißt das, er könnte die Tätigkeit auch regulär ausführen? Eben nicht!
Dazu fehlen ihm wieder die Möglichkeiten ( Handwerksberufe ohne Meisterzwang Anlage B1 der HwO gültig seit 01.01.2004 ) weil er es in der Regel nicht darf.
Selbst wenn er einen Beruf ausüben würde, der ohne Meisterzwang ausgeübt werden kann, wird er oftmals vom Auftraggeber regelrecht gezwungen, ohne Rechnung und damit billigst zu arbeiten.
Wenn jeder reguläre Arbeiten fordern würde, gäbe es keine Schwarzarbeit.
Logisch, oder?
Das glaube ich Ihnen sofort! Ich glaube auch daran, was in der Studie ausgeführt wird.
Ich sage mir nach kontinuierliche 39jähriger Berufstätigkeit immer wieder, dass ich froh bin, wenn ich endlich in Rente gehen kann, aber ich bin auch sehr, sehr dankbar, dass ich nie arbeitslos wurde, das war für mich immer eine Horror-Vorstellung.
Es gibt überall schwarze Schafe, auch bei den Hartz-IV-Empfängern, aber auch bei den Berufstätigen, die sich einen schönen Lenz machen, aber ein gutes monatliches Einkommen haben! Gibt es alles!
Ein Glück, dass ich noch in dem Alter berufstätig wurde, als es die halbjährliche Probezeit, dann aber einen festen Anstellungsvertrag gab - seit über 32 Jahren bin ich nun in ein und derselben Institution tätig, seit ca. 10 Jahren gibt es auch hier fast nur noch befristete Verträge, was sich noch verstärkt!
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